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Tönisvorst
Krefelder Westumgehung wieder Thema

Tönisvorst: Krefelder Westumgehung wieder Thema
Der Verlauf der B 9 n entlang der Tönisvorster Stadtgrenze soll der Oberbenrader Straße folgen. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Für eine Überraschung sorgt der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans. Mit Verwunderung haben Verwaltung und Politik festgestellt, dass die B 9 n, die Krefelder Westumgehung, die an St. Tönis vorbeiführt, wieder auf der Prioritätenliste steht. Von Stephanie Wickerath

Sie soll die A 40 bei Hüls mit der A 44 bei Hückelsmay verbinden und führt direkt an Tönisvorster Stadtgebiet vorbei: die B 9 n. Bereits 2001 war sie Thema, und schon damals wollte sie in Tönisvorst niemand haben. Es gab eine Bürgerinitiative im St. Töniser Seidenviertel, das besonders stark von der B 9 n betroffen wäre, und auch die Politiker hatten sich gegen den Straßenausbau ausgesprochen.

Nun hat das Bundesministerium für Verkehr einen neuen Verkehrsplanentwurf vorgelegt, und plötzlich ist sie wieder da, die B9n, auch als Krefelder Westumgehung oder Westtangente bekannt. Rund 6,5 Kilometer wäre sie lang, die neue Bundesstraße, 24,3 Millionen Euro soll ihr Bau kosten. Ihr Verlauf entlang der Tönisvorster Stadtgrenze folgt der Oberbenrader Straße. Später geht es auf dem Krefelder Weg und der Widderschen Straße weiter zur B 9 bei Hüls. Der Ausbau ist zweispurig geplant. Prognostiziert ist eine Belastung von 19.000 Kraftfahrzeugen am Tag, 15 Prozent davon sollen Lastwagen sein. Entlastet werden soll vor allem der Krefelder Stadtkern durch die neue Westumgehung.

Auch wenn es sich zunächst nur um einen Entwurf für neue Verkehrswege handelt, beschloss der Stadtrat vorsorglich - bei vier Enthaltungen aus der CDU und Enthaltung der FDP - Widerspruch einzulegen. Da die Frist hierfür bereits am 2. Mai endet, kam der Bundesverkehrswegeplan als Dringlichkeitspunkt auf die Tagesordnung. Schon im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss am Vortag hatten die Politiker den möglichen Straßenausbau diskutiert. Besonders die SPD setzt sich dafür ein, dass Tönisvorst den Ausbau verhindert.

"Der Bau der Straße belastet die Tönisvorster Bürger und die Umwelt erheblich", heißt es von Seiten der SPD-Fraktion. Außerdem dürfe bezweifelt werden, dass der Bau der B 9 n wirtschaftlich vertretbar sei. Die Sozialdemokraten befürchten, dass etliche Autofahrer, die die A 57 umgehen wollen, auf die neue Trasse ausweichen werden. Auch erinnert SPD-Ratsherr Hans-Joachim Kremser daran, dass es einen 15 Jahre alten Vertrag mit der Stadt Krefeld gebe, die sich verpflichtet, den Lärmschutz für die Anwohner des Süd- und des Seidenviertels zu zahlen.

Ein weiteres Problem stelle die Kreuzung der B 9 n mit der Bahnlinie Kleve-Kempen-Krefeld dar. Krefeld habe sich vor 15 Jahren vertraglich darauf festgelegt, die Bahnlinie für die neue Straße zu untertunneln. "Das wird teuer für Krefeld", sagt Kremser. Die SPD rät der Tönisvorster Verwaltung dringend, mit den Krefelder Amtskollegen Kontakt aufzunehmen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Westumgehung nicht gebaut wird.

Fachbereichsleiter Marcus Beyer stimmt den Ausführungen zu: "Der Nutzen, den Tönisvorst durch die neue Straße hätte, wäre sehr gering. Die Schadstoff- und Lärmbelastung hingegen wäre erheblich." Nach dem aktuellen Ratsbeschluss will die Verwaltung jetzt fristgerecht Widerspruch einlegen und anschließend eine Begründung erarbeiten. Außerdem sollen Gespräche mit der Stadtverwaltung Krefeld geführt werden.

Quelle: RP
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