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Tönisvorst
Martinsszene ist Symbol des Teilens

Tönisvorst: Martinsszene ist Symbol des Teilens
In diesem Jahr folgen dem Martinsmann fast 200 Kinder und ihre Familien. Den Martinszug in Laschenhütte gibt es schon seit 26 Jahren. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Seit vielen Jahren werden die Martinsfeierlichkeiten in Tönisvorst im kleinen Stadtteil Laschenhütte eröffnet. Immer am Samstag vor dem 11. November ziehen dort fast 200 Kinder mit ihren Eltern durch die Straßen. Von Stephanie Wickerath

Dieser St. Martin ist schon von Weitem gut sichtbar. Auf einem großen brauen Ackergaul sitzt er in weißen Hosen, mit einem Helm auf dem Kopf und einem Wappensymbol auf der Brust. Natürlich fehlt auch der rote Samtumhang nicht, der den römischen Soldaten wärmt. Landwirt Georg Beudels vom Laschenhof schlüpft seit fünf Jahren am Samstag vor dem Martinstag in das Gewand und führt, hoch zu Ross, den Martinszug in Laschenhütte an.

In diesem Jahr folgen dem Martinsmann fast 200 Kinder und ihre Familien, darunter auch die des Bürgermeisters Thomas Goßen. Sie alle haben bunte Laternen in der Hand und singen die Lieder, zu denen der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst die Melodien vorgibt. Etwa eine Stunde lang geht der bunte Zug durch die Straßen des kleinen Stadtteils. Viele Bewohner haben ihre Häuser geschmückt. Kerzen stehen auf Fensterbänken, Lichterketten hängen in Hecken, Laternen leuchten in Vorgärten. Wer nicht mitzieht, steht vor der Haustüre und sieht sich den Zug an.

"Den Martinszug in Laschenhütte gibt es schon seit 26 Jahren", weiß Beate Jansen. Ganz einfach habe er auf Initiative der Interessengemeinschaft Laschenhütte begonnen. "Damals spielten Kinder den Martin und den Bettler", erinnert sich Beate Jansen an die Anfänge. Nach und nach sei der Zug immer größer geworden. 1994 gab es mit Herbert Ohlert den ersten erwachsenen St. Martin, der auf einem Pferd durch den Ort ritt. "Und weil das so nett und familiär bei uns war, haben sich im Laufe der Jahre immer mehr Bewohner angeschlossen", erzählt Beate Jansen. Finanziert werden St. Martinszug, Tüten und der anschließende Umtrunk über eine Haussammlung, Spenden und aus der Kasse der Interessengemeinschaft.

Obwohl der Zug nun so groß geworden ist, wird die familiäre Atmosphäre immer noch gepflegt. Das wird besonders nach dem Umzug deutlich, als sich die Menschen am Feuer versammeln. Dort sitzt, in Lumpen gekleidet, Johannes Jansen, der seit acht Jahren den armen Mann spielt. Er spricht die Worte, die heute angesichts der Flüchtlingswelle so aktuell sind, wie schon lange nicht mehr: "Erbarmt Euch Herr, ob meiner Not und gebt mir eine Gabe. Mir fehlt das Kleid, mir fehlt das Brot und arm ist meine Habe."

Und der Soldat Martin spricht: "Bruder, Du in dieser Kälte, ohne Heimat, ohne Haus" und teilt mit dem armen Mann seinen - angesichts der Kälte - wertvollsten Besitz: den warmen Umhang. Die Zuschauer applaudieren, die Kinder singen und gemeinsam gehen die Teilnehmer des Umzugs in die Fasanenstraße. Dort, auf einem ehemaligen Bauernhof, sind Zelte aufgebaut. Glühwein und Bier, Kakao und Limo werden ausgeschenkt, bevor Georg Beudels als St. Martin jedem Kind persönlich eine Tüte voller süßer Sachen aushändigt. Mit frischgebackenen Püfferkes und Würstchen vom Grill geht das Nachbarschaftsfest noch bis in den späten Abend hinein.

Quelle: RP
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