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Tönisvorst
Medeor plant eigenes Büro im Nordirak

Tönisvorst: Medeor plant eigenes Büro im Nordirak
Vor zwei Monaten schickte Action Medeor eine Dialyse-Station auf die Reise nach Idlib bei Aleppo. FOTO: ACTION MEDEOR
Tönisvorst. Um die Flüchtlinge im Nahen Osten effektiver mit Medikamenten versorgen zu können, geht Action Medeor vor Ort neue Wege. Eine Deutsch-Kurdin soll Ansprechpartner vor Ort werden und sich um die Behörden kümmern. Von Heribert Brinkmann

Die Konflikte im Nahen Osten, die Millionen Flüchtlinge hervorgebracht haben, wurden für das Vorster Medikamentenhilfswerk Action Medeor zu einem Schwerpunkt der Hilfstätigkeit. Seit Anfang 2014 wurden 22 Tonnen Hilfslieferungen in den Nordirak, 11 Tonnen in den Süden der Türkei, 2,5 Tonnen nach Griechenland und 0,5 Tonnen auf die Ägäis-Inseln verschickt. Jetzt richtet sich Action Medeor darauf ein, die Präsenz im Nordirak auszubauen. Wie Bernd Pastors, Vorstandssprecher von Action Medeor, im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet, plant das Hilfswerk ein eigenes Office in Erbil im Nordirak. Dort soll eine Beraterin vor Ort, eine Deutsch-Kurdin, helfen, die Hilfssendungen besser und schneller durch die Türkei und den Zoll zu bekommen. Die Bürokratie kostet in manchen Fällen zuviel Zeit. Action Medeor steht aber auch in Kontakt zu einem Großhändler im Nordirak, der gute Beziehungen nach Großbritannien hat und Medikamente schneller beschaffen kann als bisher.

Ein Junge in einer zerstörten Wohnung in Arbin (oder Irbin), einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus (21. Juli 2015). FOTO: ACTION MEDEOR/REUTERS/Bassam Khabieh

In 2014 wurden die Jessiden von Kämpfern des IS aus dem Gebirge ihrer Heimatregion vertrieben oder gefangen genommen und verschleppt, Vor ein paar Wochen wurden viele Jessiden befreit. In Vorst stehen gepackte Hilfspakete bereit, die in den nächsten Wochen mit Hilfe verschiedener jessidischer Vereine und ihres Zentralrates auf die Reise geschickt werden.

Trotz der Kämpfe im Lande gelingt es noch, auch direkt in Syrien zu helfen. Wege und Helfer werden aus Sicherheitsgründen nicht genannt. Vor zwei Monaten schickte Action Medeor eine Dialyse-Station auf die Reise nach Idlib bei Aleppo. Trotz der Syrien-Konferenz in Wien rechnet Action Medeor mit fortdauernden Kämpfen in Syrien. Durch die Flüchtlinge, die nach Europa und Deutschland gekommen sind, erfährt man mehr, was in Syrien passiert. Die Nähe schärfe den Blick für das Geschehen im Nahen Osten und auf das, was diese Menschen durchgemacht hätten, sagt Bernd Pastors.

Etwas im Schatten der Kämpfe in Syrien und Nordirak steht Afrika. Das Vorster Medikamentenhilfswerk ist von Beginn an in Afrika stark engagiert. Ganz neu in den Focus ist die Demokratische Republik Kongo geraten, die ebenso wie Tansania Flüchtlinge aus Burundi aufnimmt. Abseits des Medieninteresses hat etwa Tansania bereits 120.000 Flüchtlinge aufgenommen. Mit allen Mitteln versucht der burundische Präsident Pierre Nkurunziza, an der Spitze des Staates zu bleiben und seine Macht zu behalten. Die Opposition kritisiert, dass der 52-Jährige im Juli verfassungswidrig an der Präsidentenwahl teilgenommen habe, und die Abstimmung boykottiert. Der Präsident lehnte jetzt Friedenstruppen, die die Afrikanische Union in sein Land entsenden wollte, ab. Der blutige Konflikt im Land dauert damit weiter an. Weitere Problemfelder sind der Süd-Sudan und der Jemen. Auch in Libyen hat Action Medeor angefragt, doch im Moment ist es dort noch zu gefährlich, Lieferungen dringen kaum durch. Zurzeit versucht der IS, in Libyen Gebiete für sich zu gewinnen.

Action Medeor ist dankbar für das weiterhin hohe Spendenaufkommen. Pastors sieht das Hilfswerk auch nicht in Konkurrenz zu der Hilfe für Flüchtlinge in Deutschland. "Es ist fantastisch, was Ehrenamtler vor Ort leisten", sagt Pastors. Action Medeor geht bei den Spenden verschiedene Wege. So machen Online-Spenden bereits etwa sieben Prozent vom Gesamtspendenaufkommen aus. Immer wichtiger werden auch Vermächtnisse und Testamente oder Stiftungen. Die gestiegene Bekanntheit von Action Medeor hat dazu geführt, dass weitere mittelständische Unternehmen als Unterstützer gewonnen werden konnten. Erfolgreich verläuft auch die regionale Spendensammelaktion in Zusammenarbeit mit dem Einzelhandelsverband Krefeld Kempen Kreis Viersen. In den Geschäften der Region wurden in der Adventszeit über 300 Spendendosen aufgestellt. Die erfolgreiche Aktion soll bis Ostern weiterlaufen.

Quelle: RP
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