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Tönisvorst
Meisterlicher Klang im Gotteshaus

Tönisvorst. Mit einer Festmesse weihte die Pfarrgemeinde St. Godehard gestern die restaurierte Orgel ein. Sieben Jahre arbeitete der Orgelbauverein auf dieses Ereignis hin. Von Bianca Treffer

"Es fehlen 13 Tage. Dann wären es auf den Tag genau 115 Jahre her, dass unsere Orgel festlich eingeweiht wurde. Am 19. März 1901 wurde sie das erste Mal gespielt." Mit diesen Worten begann gestern Pfarrer Ludwig Kamm die Festmesse zur Einweihung der restaurierten Klais-Orgel in der katholischen Kirche St. Godehard in Vorst. Wie ein Brausen ging es durch die Kirche und alle schreckten zusammen, zitierte Kamm eine Beschreibung der damaligen Situation.

Über ein Jahrhundert später zuckte allerdings keiner der dicht an dicht sitzenden Kirchgänger in St. Godehard zusammen als Organistin Urszula Neugebauer das "Toccata in d Moll" von Johann Sebastian Bach auf der Orgel spielte. Vielmehr genossen die Zuhörer die kraftvollen Töne, die rein und klar aus dem aufwendig restaurierten Instrument erklangen. Kamm sprach von der Bedeutung, die ein solches Instrument generell für eine Kirche hat. Wobei es sich bei dem Vorster Modell auch noch um ein äußerst historisch wertvolles Werk handelt. Die Orgel, die aus der Bonner Werkstatt der Firma Klais stammt, ist kaum jünger als die Kirche selbst und repräsentiert einen wichtigen Teil der Orgelbaugeschichte um 1900. Nur in Aachen ist eine solche Orgel noch zu finden. Die 115 Jahre gingen allerdings an dem Vorster Musikinstrument nicht spurlos vorüber. Etliche Töne reagierten nicht mehr, andere hakten. Der Windbalg war an vielen Stellen geflickt. Neugebauer kämpfte seit Jahren, um halbwegs vernünftig auf der Orgel spielen zu können und nur ihrem Spielgeschick war es zu verdanken, dass es überhaupt noch musikalische Begleitung in der Kirche gab.

Die Organistin gab so im März 2009 den Anstoß zum Orgelbauverein St. Godehard Vorst, nachdem auch ein Sachverständiger den Zustand dokumentiert und gleichzeitig auf den historischen Schatz hingewiesen hatte. Erste Anfragen bei Fachfirmen ergaben eine nicht unerhebliche Summe. Man entschied sich für die Orgelbaufirma Verschueren aus Heythysen. Am 10. November 2014 erklang die Orgel zum letzten Mal. Neun Tage später begann die Demontage, wobei nur die sieben Meter langen Orgelpfeifen auf der Bühne stehen blieben. Für die Restaurierung steuerte der Landschaftsverband 50.000 Euro bei, 10.000 Euro kamen vom Bistum Aachen. Der Orgelbauverein musste mehr als 100.000 Euro aufbringen. 15.000 erbrachten die Kollekten für die Orgel. Dazu kamen Spenden der Sparkasse und Volksbank, so dass die Restaurierungssumme von etwas mehr als 180.000 Euro aufgebracht werden konnte. "Es ist eine Aktion der Gemeinde", hob Kamm hervor.

Nach der Festmesse, die der Kirchenchor und das Jagdhornbläsercorps Hegering Vorst mitgestalteten, nutzten viele Besucher den anschließenden Empfang, um sich über die Restaurierung zu informieren. Eine Stellwand dokumentierte das Projekt. Die große Holztafel zeigte zudem die Patenschaften für die Orgel an und eine dicke Kunststoffröhre, gefüllt mit Granulat, stellte den Spendenstand da. "Es ist ein Traum, auf der restaurieren Orgel zu spielen. Die Firma Verschueren hat sehr gute Arbeit geleistet", lobte Neugebauer.

Auch wenn die Restaurierung der Orgel nun abgeschlossen ist, so steht noch ein Wunsch offen. Die von der Firma Kamps 1951 veränderten Register mischen sich unschön mit den Klais-Registern. Eine Wiederherstellung der alten Klais-Disposition ist daher ein weiteres Ziel. Kostenpunkt: 30.000 Euro.

Quelle: RP
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