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Tönisvorst
Milchtankstelle trifft den Nerv der Zeit

Tönisvorst: Milchtankstelle trifft den Nerv der Zeit
Christoph Thull gehört schon zu den Stammkunden der Milchtankstelle. Landwirtin Marietta Driehsen muss ihm nicht mehr erklären, wie der Automat funktioniert. FOTO: Stephanie Wickerath
Tönisvorst. Seit ein paar Wochen gibt es an einem Bauernhof in Unterweiden eine Milchtankstelle. Das Angebot der Familie Driehsen kommt gut an. Zweimal am Tag wird die Tankstelle mit frisch gemolkener, unbehandelter Kuhmilch befüllt. Von Stephanie Wickerath

"Da werden Kindheitserinnerungen wach", "Das schmeckt wirklich lecker", "Tolle Idee", "Großartig". Etliche kleine weiße Zettel mit Bemerkungen wie diesen kleben an einer Wand neben der Milchtankstelle. "Eigentlich hatten wir den Zettelblock ausgelegt, um unseren Kunden Gelegenheit zu geben, Anregungen loszuwerden, zum Beispiel, wenn etwas nicht so gut klappt", erzählt Marietta Driehsen. Von den vielen Komplimenten und dem Bedürfnis der Kunden, sich für die Idee zu bedanken, sind die Driehsens ganz überrascht.

Vor gut drei Wochen hat die Familie aus Unterweiden vor der Einfahrt zum Hof eine kleine Holzhütte aufgestellt. "Milchtankstelle" steht in großen Lettern an der Seitenwand und über dem Eingang. Hinweisschilder an der nahegelegenen Kreuzung Biwak/ Hülser Straße weisen außerdem auf die Neuerung hin. Nötig ist das nicht, denn durch die Mund-Propaganda ist die Milchtankstelle längst kein Geheimtipp mehr.

"Ich komme regelmäßig hier hin", sagt Christoph Thull, der gerade eine Glasflasche befüllt. "Ich kenne Milchtankstellen aus Bayern. Als ich hörte, dass es jetzt auch eine in St. Tönis gibt, habe ich sie gleich ausprobiert und für gut befunden." Sandra Beudels und ihr Sohn Tobias sind hingegen zum ersten Mal an der Milchtankstelle. Nach einer Geschmacksprobe ist den beiden aber klar, dass es nicht ihr letzter Besuch gewesen sein wird. "Die Milch schmeckt viel frischer und runder", sagt Sandra Beudels.

Tobias Beudels ist besonders von dem Kakao begeistert, den die Driehsens ebenfalls anbieten. Dazu haben sie Kakaopulver in eine Halbliterflasche gefüllt, die einen besonderen Verschluss hat. "Wenn Sie die Flasche öffnen, knackt es. Daran merken Sie, dass niemand vor Ihnen den Deckel geöffnet hat", erklärt Marietta Driehsen. Nach dem Öffnen wird die kleine Flasche wie alle anderen auch unter ein Röhrchen gehalten. Ist das Geld eingeworfen, kann der Knopf gedrückt werden, und die Milch fließt. "Jetzt nur noch kräftig schütteln - fertig ist der Kakao", sagt die Landwirtin.

Auf die Idee, eine Milchtankstelle an ihrem Hof zu eröffnen, kamen Heinrich und Marietta Driehsen über Bekannte aus Westfalen, wo es noch viele Milchbauern gibt. In St. Tönis sind die Driehsens hingegen die einzigen, die Kühe halten. "Die nächsten Milchtankstellen in unserer Region sind in Traar und in Wachtendonk", weiß Heinrich Driehsen.

Offensichtlich hat Tönisvorst auf eine Milchtankstelle gewartet, denn der Andrang ist groß. "Wir profitieren sehr von der Lage", sagt der Milchbauer. Etliche Pendler, die über die Straßen Biwak und Hülser Straße fuhren, legten einen kurzen Zwischenstopp an der Milchtankstelle ein. "Und wir haben 24 Stunden lang, sieben Tage in der Woche geöffnet", sagt Driehsen.

Letztendlich ist es aber wohl doch der Geschmack, der überzeugt. "Die Milch ist einfach nicht so wässrig wie die aus dem Supermarkt", findet Petra Kühl, die ebenfalls schon zu den Stammkunden gehört. Außerdem, da sind sich alle Kunden einig, vermittle es ein gutes Gefühl, die Milch da zu kaufen, wo sie herkommt, und den Landwirt vor Ort zu unterstützen. Denn wenn die Driehsens ihre Milch an die großen Molkereien verkaufen, bekommen sie zurzeit 27 Cent für den Liter. An ihrer Milchtankstelle bekommen sie einen Euro. Für den Kunden macht das im Portemonnaie keinen Unterschied, für den Landwirt aber sehr wohl.

Quelle: RP
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