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Tönisvorst
Musik eindrucksvoll in Szene gesetzt

Tönisvorst: Musik eindrucksvoll in Szene gesetzt
Das Bonner Improvisationstheater "Springmaus" gastierte am Freitagabend mit seinem aktuellen Programm "Jukebox - live!" im Corneliusforum in St. Tönis. Die 400 Zuschauer waren am Ende von der Aufführung begeistert. FOTO: Prümen
Tönisvorst. Die Springmäuse aus Bonn waren auf Einladung des Stadtkulturbundes Tönisvorst zu Gast im Corneliusforum St. Tönis. "Jukebox - live!" heißt das Improvisations-Programm, mit dem das Ensemble zurzeit tourt. Von Stephanie Wickerath

Sie ist bald 35 Jahre alt, aber sie hat nichts von ihrer Genialität verloren, die Idee, auf Zuruf der Zuschauer Theater zu spielen. Bill Mockridge war es, der Erich Schiller aus der Lindenstraße, der 1982 als Schauspieler auf der Bühne stand und sich fragte, was wohl passiert, wenn er das Publikum entscheiden lässt, wie das Stück weitergeht. Die Idee ließ den Schauspieler und Kabarettisten nicht mehr los. Im März 1983 war es soweit. Das erste Springmaus-Ensemble stand auf der Bühne einer Bonner Szene-Kneipe und überließ den Zuschauern das Ruder.

"Improvisationstheater" nannte Mockridge das neue Genre, das bis heute einmalig ist und Showgrößen wie Dirk Bach, Ralf Schmitz, Anka Zink und Bernhard Hoecker bekannt machte. Die Kartennachfrage war so enorm, dass die Bonner Kneipe bald nicht mehr ausreichte. Also eröffnete im April 1984 das "Haus der Springmaus" in Bonn, in dem das Ensemble bis heute spielt. 50 verschiedene Springmäuse gab es in den 34 Jahren seit der Gründung, 35 verschiedene Programme haben sie gespielt.

Zum aktuellen Ensemble gehören seit 2009 die 36-jährige Vera Passy und seit 1999 Norbert Frieling und der studierte Musiker Gilly Alfeo, der hauptsächlich die Klavierparts und musikalischen Einspieler übernimmt. Auch Alexis Kara, bekannt aus der "Heute-Show" des ZDF, gehört zum Team. Die vier sind es auch, die am Freitag auf der Bühne im Corneliusforum stehen. "Jukebox-live!" heißt das Programm, mit dem die Springmäuse zurzeit touren. Allerdings wird nur die erste Hälfe der Show von der Jukebox bestimmt, die dekorativ auf der Bühne steht.

Nach einem wilden Medley zur Einstimmung sammeln die Springmäuse beim Publikum Musikstile und Themen, die wahllos miteinander kombiniert werden. Nach und nach werden Kugeln gezogen, auf denen ein Buchstabe und eine Zahl steht: "B2 - ein Rock'n'Roll über Fernweh" verkündet Vera Passy. In bester Elvis-Pose stimmt Norbert Frieling mit tiefer Stimme einen Song an, der mit dem Refrain "Ich will raus aus der Apfelplantage, raus aus dem Dreck, ich hab Fernweh" die Zuhörer begeistert.

Auch ein Soul über Pasta mit Soße, ein Funky-Stück über die Maut und ein Reggae über Sex werden an diesem Abend noch zum Besten gegeben. Zwischendurch gibt es kleine Sketche, in die ebenfalls Begriffe eingebaut werden, die das Publikum sich ausgedacht hat. Sehr originell ist der Sketch, in dem Alexis Kara einen Gebärdendolmetscher spielt. Weil Vera Passy und Norbert Frieling sich einer reichen, bildlichen Sprache bedienen, hat Kara einiges zu tun. Da "brennt es unter den Nägeln", man will "nicht um den heißen Brei herumreden", lässt sich einiges "auf der Zunge zergehen" und weiß schließlich, wo der "Hase im Pfeffer" liegt.

Auch der etwas längere Sketch, in dem das Genre vom Western über Science-Fiktion und Bollywood bis hin zum Musical wechselt, ist richtig gut gemacht. Die Zuschauer haben den Eindruck, die Springmäuse bedienen sich einer Art Geheimsprache, so gut funktionieren die Zuspiele. An dieses Niveau kann das Ensemble in der zweiten Hälfte leider nicht mehr anknüpfen. Das Musical über den Schweinebauern Helmut, der eine Frau sucht, zieht sich allzu sehr in die Länge, obwohl besonders Vera Passy, die drei Rollen übernimmt, ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellt. Die Zugaben aber versöhnen die gut 400 Zuschauer, und die Idee bleibt trotz einiger Längen in den einzelnen Szenen einfach genial.

Quelle: RP
 
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