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Tönisvorst
Musik schwebt völlig losgelöst durch den Raum

Tönisvorst: Musik schwebt völlig losgelöst durch den Raum
Urs Fuchs und Ulla van Daelen zogen mit ihrem Konzert 170 Besucher in die Christuskirche. Alle waren restlos begeistert, und am Ende gab es stehenden Applaus. FOTO: NORBERT PRÜMEN
Tönisvorst. "Harp goes pop": Ulla van Daelen und Urs Fuchs begeisterten die Zuhörer in der Christuskirche mit ungewöhnlichen Klängen. Von Stephanie Wickerath

Am Ende gibt es stehenden Applaus für die beiden Musiker. Fast zwei Stunden lang hatten 170 Zuhörer in der ausverkauften evangelischen Kirche an der Hülser Straße der Harfenistin Ulla van Daelen und dem Bass- und Perkussion-Spieler Urs Fuchs gelauscht. Und nicht nur das: Die Konzertbesucher haben auch mitgesungen, mit den Fingern geschnipst, sich im Rhythmus bewegt und sich mitnehmen lassen, auf eine unterhaltsame, beschwingte Reise. "Harp goes Pop" heißt das Programm, mit dem Ulla van Daelen zurzeit tourt. Es ist eine wilde Mischung aus bekannten Popsongs, klassischen Klängen und originellen Eigenkompositionen. Besonders die bekannten Stücke kommen in St. Tönis gut an, zumal Ulla van Daelen ein Ratespiel daraus macht - auch für Urs Fuchs, denn eine Playlist gibt es nicht. Die Harfenistin spielt, was ihr in den Sinn kommt und was zur Stimmung passt. Aber Fuchs, der die Harfe mal mit Trommeln, mal mit Cajon, Bassgitarre oder Schlagzeug begleitet, ist Profi genug, um die Melodien zu erkennen und einzusteigen.

Ein großartiger Gänsehautmoment entsteht, als einige Zuhörer ebenfalls sanft einsteigen und zwar mit ihrer Stimme. Van Daelen und Fuchs haben "Völlig losgelöst" von Peter Schilling angestimmt und die Zuhörer singen den Text dazu. Auch beim letzten Stück des Abends, "Hey Jude" von den Beatles, singen die Konzertbesucher mit. Außerdem gibt es noch "Riders on the storm" von den Doors, "Golden Brown" von den Stranglers und "Für mich soll's rote Rosen regnen" von Hildegard Knef.

Bei all den Stücken, auch bei den klassischen von Vivaldi, Bach, Händel, Mozart und Beethoven, die beiden Profimusiker ebenfalls bravourös beherrschen, zeigt sich, was für ein vielseitiges Instrument die Harfe ist, zumindest, wenn man sie so spielen kann wie Ulla van Daelen. Der Musikerin gelingt es, das Instrument so vielseitig klingen zu lassen, dass die Zuhörer immer wieder versucht sind nachzuschauen, ob nicht doch noch irgendwo ein Klavier oder andere Instrumente die Harfe begleiten.

Das Konzert "Harp goes pop" war die dritte Veranstaltung aus der neuen Kulturreihe "Götterspeise", die die evangelische Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit der Krefelder Agentur Schneider-Watzlawik und dem Stadtkulturbund Tönisvorst ins Leben gerufen hat. "Kultur erreicht Menschen, die vielleicht bisher mit Kirche nicht so viele Berührungspunkte hatten", sagt Pfarrerin Daniela Bücher-Bruch, "und sie ist in besonderer Weise Nahrung für die Seele, deshalb auch der Name Götterspeise."

Im Dezember vorigen Jahres war es eben jene Ulla van Daelen, die gemeinsam mit Nina Hoger die Reihe eröffnete. Dabei standen allerdings die Texte, die die Schauspielerin vortrug, im Mittelpunkt. Diesmal hatte die Musik ihren großen Auftritt.

Seit 20 Jahren spielen Ulla van Daelen und Urs Fuchs zusammen. Beide sind Profis. Van Daelen, gebürtige Düsseldorferin, heute Kölnerin, improvisierte bereits mit fünf Jahren am Klavier und gewann mit zehn Jahren erste Preise beim Wettbewerb Jugend musiziert. Mit zwölf Jahren entdeckte sie die Harfe und gewann sechs Jahre später ihren ersten Harfenwettbewerb. Nach einem Musikstudium mit Auszeichnung folgten Stipendien, Engagements an Opernhäusern und Konzertreisen in alle Welt. Schließlich wurde sie Solo-Harfenistin des WDR-Rundfunkorchesters.

Bassist und Percussionist Urs Fuchs ist seit 30 Jahren als Live- und Studiomusiker tätig und hat auf mehr als 100 CD-Produktionen mitgewirkt. Er spielte unter anderem mit Jon Lord von Deep Purple, Sally Oldfield, Frida (Abba), Miller Anderson (Spencer Davis Group) Charlie Mariano, Peter Kraus, Wolfgang Niedecken und Cathy Kelly. Seit vier Jahren ist er musikalischer Leiter des Da Capo Varietés Darmstadt.

Quelle: RP
 
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