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Tönisvorst
Musik verbindet die Welten

Tönisvorst: Musik verbindet die Welten
Felix Mahlinghaus (2. v. l.) bringt Rabee aus Syrien ein paar Griffe auf der Gitarre bei. Aran und Laeth schauen interessiert zu. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Heinz Hox, Musiker aus Tönisvorst, will ein musikalisches Angebot für Flüchtlinge aufbauen. Auch die Freizeitangebote des St. Töniser Jugendheims werden von einigen Flüchtlingen gerne genutzt. Von Stephanie Wickerath

Als Flüchtling ist man erst mal zum Nichtstun verdammt. Ausbildung, Arbeit, Integrationskursusus - all das gibt es erst, wenn der Asylantrag anerkannt ist. Und für teure Freizeitbeschäftigungen fehlt das Geld. Umso dankbarer sind die Flüchtlinge, wenn sich eine Freizeitbeschäftigung findet, die nichts kostet und Spaß macht. So nutzen viele Menschen, die im Erstaufnahmelager an der Rosentalhalle in St. Tönis und in der Turnhalle nebenan untergebracht sind, den Ascheplatz des SV St. Tönis, um dort Fußball zu spielen. Auch im benachbarten Leichtathletikstadion der Teutonia laufen immer wieder einige ein paar Runden auf der Tartanbahn.

"Zu uns kommen auch viele Flüchtlinge aus den Sporthallen", erzählt Petra Schippers, Leiterin des Jugendfreizeitheims, das ebenfalls in direkter Nachbarschaft liegt. Gemeinsam mit den deutschen Besuchern wird gekickert, die Playstation wird belegt und Billard gespielt. "Das klappt ganz toll", schwärmt Petra Schippers. Es habe keine Reibereien oder Ähnliches gegeben. "Alle sind sehr höflich, freundlich und überaus hilfsbereit", erzählt auch Anette Wackers, die ebenfalls im Haus arbeitet. So seien die beiden Frauen einmal mit einem voll beladenen Auto vorgefahren. Die Flüchtlinge, die auf den Stufen saßen und warteten, dass das Jugendheim öffnet, seien sofort aufgesprungen, um die Einkäufe hereinzutragen. "Und der Fitessraum ist selten so ordentlich aufgeräumt wie an den Tagen, an dem Flüchtlinge dort trainieren", ergänzt Petra Schippers.

Auch Heinz Hox hat bisher nur gute Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht. Der Musiker aus Tönisvorst bietet seit einiger Zeit Musik in der großen Flüchtlingsunterkunft an der Industriestraße an. "25 Leute waren beim letzten Mal hier", erzählt der 57-Jährige. Es wurde gesungen und sogar getanzt, die mitgebrachten Gitarren und das Keyboard wurden mit Begeisterung ausprobiert. Besonders die Kinder sind neugierig und wollen sehen, was der Musiker da anschleppt. Kaum ist das Keyboard angeschlossen, sitzt Diar davor. Der 13-jährige Junge ist mit seiner Familie aus dem Irak geflohen. Fröhlich klimpert er auf dem Keyboard herum und versucht, eine Melodie zu finden.

Nebenan sitzt der 16-jährige Felix Mahlinghaus und bringt Rabee aus Syrien ein paar Griffe auf der Gitarre bei. Die beiden Jungen Aran und Laeth schauen interessiert zu. "Wenn mehr Gitarren vorhanden wären, könnten wir eine Gruppe einrichten und Unterricht geben", sagt Heinz Hox. Auch Trommeln und Flöten - im optimalen Fall arabische - werden gesucht. "Überhaupt wäre es toll, wenn wir arabische Musikinstrumente hätten, etwa eine Oud, das ist eine Kurzhalslaute", sagt Hox.

Jeden Mittwochabend möchte der 57-Jährige sich mit interessierten Flüchtlingen und weiteren Musikern, die das Projekt unterstützen wollen, in der Daihatsu-Zentrale treffen, um gemeinsam zu musizieren. "Ich dachte mir, die Menschen hier haben vermutlich viel Langeweile, und die kann man sich ja mit Musik ein bisschen vertreiben", meint der Tönisvorster. Berührungsängste habe er nicht, und die Verständigung klappt auch recht gut. "Einige sprechen schon Deutsch, bei anderen geht es auf Englisch oder mithilfe eines Übersetzers", erzählt Hox. Und manchmal braucht Musik vielleicht auch gar keine Worte.

Quelle: RP
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