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Tönisvorst
Netzwerk der Hilfen für Burundi schaffen

Tönisvorst: Netzwerk der Hilfen für Burundi schaffen
Auch das ist Burundi: Weiße Strände im Westen des Landes am Ufer des Tanganjika-Sees, etwa 60 Kilometer südlich der Hauptstadt Bujumbura. Burundi liegt zwischen Tansania und der VR Kongo. FOTO: CAROLA FRENTZEN/DPA
Tönisvorst. Pfarrer Ludwig Kamm geht im Juli in den Ruhestand. Seine Burundi-Hilfe soll weiterlaufen, dafür wird mit weiteren Initiativen an einem neuen Netzwerk gearbeitet. Zu einem ersten Informationsaustausch kam es jetzt im Haus Vorst. Von Willi Schöfer

Burundi ist einer der kleinsten Staaten Afrikas, aber eines der ärmsten Länder dieser Welt. Hunderttausende sind derzeit auf der Flucht, halten sich größtenteils in Nachbarländern auf, wo es ebenfalls für sie keine großen Perspektiven gibt. Um die Lebensverhältnisse in Burundi ein wenig zu verbessern, vor allem Schulen, Ausbildungsstätten oder Krankenhäuser aufzubauen und weiter zu versorgen, darum kümmern sich viele Vereine, Gruppen und Einzelpersonen. Einer davon ist der Vorster Pfarrer Ludwig Kamm.

"Mit der Burundi-Hilfe darf nicht Schluss gemacht werden, wenn unser Pastor im Ruhestand ist", sagte im "Haus Vorst" eine ältere Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie war einer Einladung von Pfarrer Ludwig Kamm gefolgt, der am 2. Juli ganz offiziell in den Ruhestand geht und spätestens zum 1. August seine neue Wohnung in Kempen beziehen wird.

Der 69-jährige Ludwig Kamm, der seit vielen Jahren regelmäßig Burundi besucht und mit vielen Spenden aus Tönisvorst das "Zachäus Haus" in Gitega, ein Ausbildungszentrum mit 80 Plätzen für größtenteils körperbehinderte Kinder und Jugendliche, unterstützt, hatte zu einem Burundi-Abend ins Haus Vorst eingeladen. Seine Idee war und ist, dass diese vielen Hilfestellungen auch der anderen Vereine in so einer Art Dachverband gebündelt werden sollten, um das Netzwerk noch enger und effektiver zu machen.

Etwa 25 Personen folgten der Einladung. Es waren zumeist Vertreter von Gruppierungen, so die Vereine "burundikids" oder der Brüggen-Brachter Verein "Burundi-Hilfe", die sich in dem Land, in dem nahezu die Hälfte der Bevölkerung jünger als 16 Jahre ist und in dem es eine hohe Kindersterblichkeitsrate gibt, seit Jahren engagieren.

Ludwig Kamm hatte bei seinen vielen Besuchen dort auch Philipp Ziser kennengelernt. Der 34-jährige Bonner wollte an sich nach seinem Studium der Journalistik und der Internationalen Beziehungen nur ein Jahr freiwillig in Burundi arbeiten. Daraus wurden acht Jahre. Mittlerweile arbeitet Ziser hauptberuflich für die "burundikids". Er berichtete davon, dass die Klimaveränderung für immer mehr Dürreperioden sorgt, beschrieb bei den Ärmsten in der Bevölkerung schlimmste hygienische Zustände, die noch zu den Folgen der Bürgerkriege und der latenten Korruption hinzukommen. So seien beispielsweise viele Ärzte arbeitslos, weil die armen Familien kein Geld hätten, sie zu bezahlen. Auch Ziser sprach sich für ein besseres Netzwerk aus und sagt: "Jeder kocht sein eigenes Süppchen, es fehlt teilweise das Große und Ganze, das Nachhaltige."

In Vorst mit dabei war auch der 71-jährige Pfarrer im Ruhestand, Klaus Buyel (Erkelenz). Ludwig Kamm stellte Buyel als den "Urvater der Burundi-Hilfe" vor. Durch ihn hatte auch Kamm Burundi kennen und schätzen gelernt. Von 1980 bis 1986 war Buyel in Burundi als Missionar tätig. Und danach lebte er dort mit Genehmigung des Bischofs neben seiner Gemeindearbeit einmal im Jahr für einen Monat in Burundi, war dort als Busch-Pilot unterwegs, schaffte gebrauchte Krankenwagen heran, kümmerte sich nach wie vor um viele Menschen, lehrte auch in einem Gymnasium in Burundi oder leitete einen Schulbauernhof mit Schweinen. "Ich war dort ein richtiger Schweinepriester", sagte er schmunzelnd. Nach wie vor fährt Buyel regelmäßig dorthin, hat sogar schon wieder ein neues Zwei-Jahres-Visum in der Tasche. "So eines brauche ich auch, denn ich werde bestimmt jetzt öfters da sein", meinte Kamm.

Zu den langjährigen Unterstützern der Hilfen gehört der Tönisvorster Allgemeinmediziner Sebastian Boekels. Sein Vater Ernst Boekels war der Gründer und langjährige Vorsitzende des Vorster Medikamentenhilfswerks "Action Medeor", das bei der Versammlung ebenfalls durch Vorstand und Apotheker Christoph Bonsmann vertreten war.

Sebastian Boekels meinte bei den weiteren Hilfestellungen: "Es muss vor allem eine bessere Ernährungsgrundlage geschaffen werden, denn aufgrund der Mangelerscheinungen seit Geburt kommt es in der Folgezeit zu lebensgefährlichen Krankheiten und zu den vielen Todesfällen." Auch umfangreiche medizinische Hilfen und Medikamente könnten eine weitere wertvolle Hilfe sein. Christoph Bonsmann hört aufmerksam zu, wird prüfen, wie man zukünftig helfen kann.

Nach über zwei Stunden ging man auseinander. Erst einmal ohne ein konkretes Ergebnis. "Wir lassen das jetzt erst einmal sacken und werden im kleinen Kreis beraten, was wir für ein besseres Netzwerk unternehmen können", fasste Philipp Ziser zusammen. Diskutieren will man unter anderem über eine neue Stiftung. "Und lasst in der Burundi-Hilfe nicht nach, auch wenn ich nicht mehr euer Pfarrer bin", wünschte sich noch Ludwig Kamm.

Quelle: RP
 
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