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Tönisvorst
Pfarrer Kamm in Kenia von Polizei verhört

Tönisvorst. Der Vorster Pfarrer Ludwig Kamm reiste über die Karnevalstage nach Kenia. Zurückgekehrt berichtet er, wie er in einer Kirche unter Terrorverdacht gerät und die Polizei ihn zwingt, Fotos und Filme zu löschen. Von Stephanie Wickerath

Manche Geschichten sind so abstrus, dass die Zuhörer nur ungläubig die Köpfe schütteln können. "Pfarrer Ludwig Kamm unter Terrorverdacht" ist so eine Geschichte. Allerdings ist sie, anderes als andere verrückte Geschichten, nicht lustig. Ganz im Gegenteil: für den katholischen Pfarrer aus Vorst war sie sogar bedrohlich.

Aber der Reihe nach. Der 67-jährige katholische Pfarrer Ludwig Kamm aus Vorst entflieht dem niederrheinischen Karnevalstrubel und besucht die befreundete Pfarrei St. Monika im kenianischen Kitengela nahe Nairobi. Dort will der katholische Theologe eine Messe mitfeiern. Schon auf dem Weg zur Kirche fällt dem 67-Jährigen auf, dass viele Grundstücke eingemauert und zusätzlich mit Stacheldraht gesichert sind. Der Vorster fotografierte die Häuser, die Umgebung, die Menschen.

Kurz darauf wird er von einem Mitarbeiter der Kirchengemeinde angesprochen und zu einem Gespräch ins Büro gebeten. Nichts Böses ahnend folgt der Geistliche dem Mann. Im Pfarrbüro erwartet den Vorster ein mit einem Schnellfeuergewehr bewaffneter Polizist. Fast 40 Minuten lang wird Pfarrer Kamm verhört. Dass er ein Priester aus Deutschland sei, will man ihm nicht glauben. Können Sie eine Messe auf Englisch lesen? Können Sie den Rosenkranz beten? Welchem Geheimnis ist der Montag geweiht? Mit immer neuen Wendungen wird der Fremde getestet. Der Polizist ist sicher: Es handelt sich um einen Terroristen. Aber Pfarrer Kamm kann schließlich mit seinem theologischen Wissen überzeugen und wird entlassen.

Während des Gottesdienstes fotografiert und filmt Ludwig Kamm die Messe, das Gebäude, den Chor. Wieder tritt der Polizist mit dem Gewehr in Aktion: Filmen ohne Erlaubnis, lautet diesmal der Vorwurf. Der Polizist will den Pfarrer ob seines Vergehens verhaften, was der Polizeioffizier aber schließlich verhindert. Die Foto- und Film-Aufnahmen werden gelöscht und der Pfarrer darf gehen. "Nach einer guten halben Stunde konnte ich das Kirchengelände endlich verlassen", erzählt Ludwig Kamm. Am Tor habe der Polizeioffizier um Verständnis geworben wegen der allgegenwärtigen Terrorgefahr. Pfarrer Kamm hat Verständnis. Nach Kenia aber will er vorerst nicht mehr reisen.

Quelle: RP
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