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Tönisvorst
Politiker beugen sich Elternvotum nicht

Tönisvorst: Politiker beugen sich Elternvotum nicht
Thomas Kroschwald (CDU): Nicht genügend Kinder für zwei Oberstufen. FOTO: ReneLamb
Tönisvorst. Einstimmig empfiehlt der Schulausschuss dem Rat, den Antrag der Sekundarschule auf Umwandlung in eine Gesamtschule abzulehnen. Bürgermeister Thomas Goßen hatte sich zuvor für die Umwandlung ausgesprochen. Von Stephanie Wickerath

Noch sind die Würfel nicht gefallen, aber die Empfehlung des Schulausschusses steht: Alle sechs Vertreter der CDU-Fraktion, alle vier Vertreter der SPD, Elisabeth Schwarz von den Grünen und Vanessa Thienenkamp (FDP) stimmten dafür, den Antrag der Sekundarschule auf Umwandlung in eine Gesamtschule, abzulehnen. Nur Michael Lambertz (UWT) enthielt sich bei der Abstimmung.

Damit hat der Schulausschuss einstimmig beschlossen, dass die Sekundarschule erhalten bleibt und Tönisvorst keine Gesamtschule bekommt. Das letzte Wort allerdings spricht der Stadtrat in seiner Sitzung am nächsten Donnerstag, 3. November, 18 Uhr, Rathaus, Hochstraße, St. Tönis). Gewöhnlich folgt der Rat den Beschlüssen der Ausschüsse, in diesem Fall aber könnte es anders kommen: Besonders CDU und SPD haben deutlich gemacht, dass es zwei Lager in ihrer Fraktion gibt. Und da die Fraktionen im Rat mehr Stimmen haben, als im Ausschuss (CDU 17, SPD 11) könnte die Abstimmung dort anders ausfallen.

Andreas Kaiser: Gesamtschule kann wieder zurück umgewandelt werden. FOTO: Kaiser Wolfgang

Für ihre Position, sprich gegen die Gesamtschule, hatten die Sprecher der Fraktionen viele Argumente gesammelt. So führte Thomas Kroschwald (CDU) aus, der demografische Wandel zeige, dass nicht genügend Kinder für zwei Oberstufen im Ort seien und eine zweite gymnasiale Oberstufe würde die Erfolge des Michael-Ende-Gymnasiums unterwandern, weil die Oberstufe wesentlich schmaler würde und eine individuelle Schülerlaufbahn so nicht mehr möglich sei. "Die Sekundarschschule soll deshalb als kleine Gesamtschule erhalten bleiben", sagte Kroschwald, durch gute Arbeit könnten die neue Schulleitung und das Kollegium die Eltern auf Dauer überzeugen.

Genau das hatte Bürgermeister Thomas Goßen (CDU) zuvor bezweifelt. "Ich habe nach vielen Gesprächen mit Eltern die große Sorge, dass die Sekundarschule in den Köpfen schon abgemeldet ist", sagte Goßen. Die Schule sei vermutlich nicht zu retten. "Und ich möchte nicht in ein paar Jahren darüber diskutieren, ob wir das Michael-Ende-Gymnasium in eine Gesamtschule umwandeln müssen. Ich möchte am zweigliedrigen Schulsystem in dieser Stadt festhalten und sehe die Gesamtschule als Option dafür." Andreas Kaiser, neuer Schulleiter der Sekundarschule, sagte, der Elternwille für eine Gesamtschule sei in der Umfrage eindeutig ausgedrückt worden (330 von 558 Eltern hatten sich für eine Gesamtschule ausgesprochen, nur 36 Eltern würden ihr Kind an der Sekundarschule anmelden). Auch zeige die Umfrage, dass eine Gesamtschule Auspendler halten würde. Bei einer zweiten Oberstufe sehe er Synergieeffekte, von der alle Schüler profitieren würden. "Kommt die Gesamtschule nicht, droht das Szenario, dass die Sekundarschule die Kurve nicht kriegt und das Gymnasium zur Gesamtschule wird. Eine Gesamtschule würde also auch das Gymnasium sichern."

Wenn es nach dem Willen des Schul- und Kulturausschusses geht, bleibt beim Schulzentrum Corneliusfeld alles beim Alten: Das Michael-Ende-Gymnasium und die Sekundarschule bieten alle Schulabschlüsse. FOTO: WOLFGANG KAISER

Elisabeth Schwarz (Grüne) und Christa Voßdahls (SPD) waren sich hingegen einig, dass zwei kleine Oberstufen zu einem Überangebot in den Kursen Deutsch, Mathematik und Englisch führen würden und andere Fächer nicht angeboten werden könnten. Auch wollten die beiden Politikerinnen sich von den Hochrechnungen bei der Elternbefragung, die von Anmeldezahlen zwischen 165 und 145 Kindern pro Jahrgang sprechen, nicht beeinflussen lassen. "Ich vertraue den absoluten Zahlen und die zeigen, dass keine Jahrgangsstufe die Mindestanmeldezahl von 100 Kindern erreichen würde", sagte Elisabeth Schwarz.

Auch Christa Voßdahls sagte, die Umfrage zur Sekundarschule seinerzeit habe gezeigt, dass den Hochrechnungen nicht zu trauen sei. Sie glaube an die Sekundarschule. "Die Schule hatte noch gar keine Chance, sich zu entwickeln und ihre Möglichkeiten zu nutzen". Ausschussvorsitzende Angelika Hamacher (CDU) sagte, die Schule stecke in einer Krise, aber leiste gute Arbeit und alle Vorteile der Gesamtschule, wie Binnendifferenzierung und längeres gemeinsames Lernen, biete die Sekundarschule ebenfalls. Das sei aber nicht allen Eltern klar. "Die Vorteile der Sekundarschule müssen deutlicher hervorgehoben werden." Ein weiteres Argument, das gegen die Gesamtschule spreche, sei der Raumbedarf. "Das Schulgebäude Kirchenfeld müsste für eine Gesamtschule langfristig aufrechterhalten werden", sagte Elisabeth Schwarz. "Diese hohen Kosten von 290.000 Euro im Jahr lohnen sich nur, wenn beide Schulen auf lange Sicht bestehen können, und das sehe ich nicht." Mit seinem Einwand, die Gesamtschul-Gründung sei ohne Risiko, denn die Schule könnte, wenn sie nicht angenommen werde, wieder zurück gewandelt werden, konnte Schulleiter Andreas Kaiser sich nicht durchsetzen.

Quelle: RP
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