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Tönisvorst
Robert Brunner ist der neue St. Martin

Tönisvorst. Nach 20 Jahren hört der alte St. Martin Heinz Kämmer auf. Bis zum 11. November nimmt der Nachfolger erst einmal Reitunterricht. In St. Tönis zieht seit 1883 jedes Jahr ein Martinszug durch die Innenstadt. Von Stephanie Wickerath

Der 11. November ist in diesem Jahr ein ganz besonderer Tag für Robert Brunner. Der 43-Jährige wird dann zum ersten Mal als St. Martin durch den Ort reiten. "Allerdings muss ich bis dahin reiten können", sagt der Familienvater, der für seinen großen Auftritt im November schon Unterricht in der Reitschule Bönninger Hof nimmt.

Bei der Vorstellung des neuen St. Martin in der Feuerwache St. Tönis verabschiedete Jürgen Kuhlenschmidt, Vorsitzender des Martins-Komitees, zugleich den bisherigen St. Martin. 20 Jahre lang hat Heinz Kämmer im roten Mantel am 11. November den Zug der Kindergartenkinder und am 12. November den Zug der Grundschüler angeführt. "Das war eine tolle Zeit", sagt der 62-Jährige. Er habe etliche schöne Geschichten erlebt, aber jetzt wolle er den Platz frei machen für einen Jüngeren. "Ich will nicht solange durch den Ort reiten, bis ich vom Pferd falle", sagt Kämmer.

Seinen Nachfolger hat er selber ausgesucht. "Robert fragte mich vor einiger Zeit, wie man eigentlich St. Martin wird", erzählt Heinz Kämmer. Und als für ihn klar war, dass er das Ehrenamt noch 20 Jahren abgeben möchte, habe er sich an dieses Gespräch erinnert. "Voriges Jahr im Herbst kam er dann zu uns und lud mich ein, den Zug zu begleiten und mir schon mal alles anzusehen", erinnert sich Robert Brunner. Wirklich gefragt worden, ob er das Amt übernehmen möchte, sei er nicht. "Es war irgendwie allen klar, dass ich das jetzt mache", sagt der 43-Jährige und schmunzelt. Die beiden Kinder des neuen St. Martin, fünf und acht Jahre alt, sind jedenfalls mächtig stolz auf ihren Vater. "Als ich neulich das Gewand anprobiert habe, waren sie dabei und sehr beeindruckt." Bis auf den Helm, der etwas wackelt, und die Stiefel, die am Schaft drücken, passte das Gewand wie angegossen.

Der Martinsumzug hat in St. Tönis eine lange Tradition. Seit 1883 wird er von Lehren, der Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz begleitet. Seit mehr als 30 Jahren wird die Martinsszene auf dem Hügel am Pastorswall nachgespielt. An einem großen Feuer sitzt dann der arme Mann. Martin reitet mit seinem Pferd den Hügel herauf. Die Kinder stehen mit ihren Laternen rund um den Hügel, der für alle anderen an diesem Abend gesperrt ist. Nach einem kurzen Dialog teilt Martin seinen Soldatenmantel mit dem Schwert.

Dass diese Tradition schon so lange aufrechterhalten werden kann, ist den vielen Ehrenamtlern zu verdanken, die sich im Martins-Komitee engagieren. Dafür ausgezeichnet wurden jetzt Anton Levels, der vor Heinz Kämmer 50 Jahre lang der St. Martin war. Franz-Josef Peschges, der seit 40 Jahren Kassierer ist, Jupp Beudels, der seit 30 Jahren den armen Mann spielt, und Gerd Rütten, der seit 40 Jahren Geld für die Süßigkeiten-Tüten und das Feuerwerk sammelt.

Quelle: RP
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