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Tönisvorst
Romanze erreicht nicht die Herzen

Tönisvorst: Romanze erreicht nicht die Herzen
In der romantische Komödie beobachtet ein Lektor (Hubertus Grimm) eine vereinsamte Köchin(Julia Stinshoff) und schreibt unter Pseudonym einen Bestseller. Sie erkennt sich darin wieder und will den Autor kennenlernen. FOTO: DIETRICH DETTMANN
Tönisvorst. Mit der Komödie "Das Lächeln der Frauen" gastierte das Tournee-Theater Thespiskarren aus Hannover am Freitagabend im ausverkauften Corneliusforum Tönisvorst. Die Romanze überzeugt nicht gänzlich. Von Stephanie Wickerath

Wer das Buch "Das Lächeln der Frauen" von Nicolas Barreau nicht kennt, dem mag die Fassung der romantischen Komödie, wie sie das Tournee-Theater Thespiskarren (Bühnenfassung: Gunnar Dreßler) am Freitagabend im Corneliusforum auf die Bühne brachte, gut gefallen haben. Wer aber das Buch gelesen hat, dem fehlten der feine Humor der literarischen Vorlage, der französische Charme und die hinreißende Romantik. Auch ist die Schauspielerin Julia Stinshoff in ihrer Rolle nicht annähernd so bezaubernd wie die Köchin Aurélie Bredin der Buchfassung. Und Hubertus Grimm ist zwar ein attraktiver Mann, aber nicht französisch genug für die Rolle des Lektors André Chabanais.

Viel Beifall gibt es am Ende trotzdem für die Geschichte der Restaurantbesitzerin Aurélie Bredin, die an einem tristen Morgen vor dem Pariser Regen und einem Polizisten, der sie für eine potenzielle Selbstmörderin hält, in eine Buchhandlung flüchtet. Dort stößt sie auf das Buch "Das Lächeln der Frauen" des unbekannten britischen Schriftstellers Robert Miller. Sie entdeckt in der Erzählung ihr Restaurant und sich selber wieder.

"Das Buch hat mich glücklich gemacht an einem Tag, an dem ich so unglücklich war wie nie zuvor", erzählt sie später dem Lektor André Chabanais, den sie bittet, einen Kontakt zu Robert Miller herzustellen. Was Aurelie nicht ahnt: Es gibt keinen Robert Miller. André Chabanais hat das Buch unter Pseudonym geschrieben, um seinem Chef einen neu entdeckten britischen Autor präsentieren zu können.

Immer wieder steigen die Schauspieler aus der Handlung aus, treten an den Bühnenrand und wenden sich direkt ans Publikum, um die Geschichte zu erzählen. Vielleicht trägt auch das dazu bei, dass der Zuschauer nicht so in der Geschichte versinkt, wie der Leser im Buch. Vielleicht kommt der Zauber der literarischen Vorlage aber auch deshalb nicht beim Publikum an, weil die Atmosphäre fehlt. Aurélies Restaurant "Les Temps des Cerises" etwa bleibt auf der Bühne farblos, während es im Buch der Dreh- und Angelpunkt ist. Und Paris, die Stadt der Liebe, die in den Büchern von Nicolas Barreau immer die heimliche Hauptrolle innen hat, kommt in der Bühnenfassung quasi nicht vor.

So erreicht die romantische Komödie "Das Lächeln der Frauen" trotz gelungener Romanvorlage, einiger guter Regieeinfälle (Karin Boyd) und talentierter Schauspieler die Herzen der Zuschauer nicht. Vielleicht gelingt das der nächsten Komödie im Programm des Stadtkulturbundes. Am Sonntag, 6. März, kommen die bekannten Schauspieler Oliver Mommsen und Tanja Wedhorn mit dem Stück "Eine Sommernacht" ins Corneliusforum.

Quelle: RP
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