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Tönisvorst
Satte Satire um religiöse Themen

Tönisvorst. Stadtkulturbund präsentierte "Krach im Hause Gottes", die "himmlische Komödie" von Felix Mitterer. Von Jürgen Karsten

Wer gekommen war, um bei einer Komödie mal wieder so richtig von Herzen lachen zu können, war sicherlich erst einmal irritiert. Denn was mit dem Stück "Krach im Hause Gott" des Österreichers Felix Mitterer auf der Bühne so gespielt und gesprochen wird, ist eher dazu angetan, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Und diskussionswürdig ist dieses Stück sicherlich auch, vor allem für tiefgläubige Christen. Aber wenn über das Theater diskutiert wird, ist ein Ziel ja schon mal erreicht.

Der Stadtkulturbund brachte im Forum Corneliusfeld eine Aufführung der Theatergastspiele Kempf zur Aufführung, bei der Nikolaus Büchel für Regie und Bühne verantwortlich war und das Fünf-Personen-Stück nach eigenen Worten als "geistvolles, himmlisches Stück" inszenierte. Es geht im wahren Wortsinn um Gott und die Welt, vor allem immer wieder auch um die Frage: Warum lässt Du, Gott, eigentlich so viel Elend und Krieg, Mord und Totschlag zu? Also ein Stück mit durchaus höchst aktuellen Bezügen.

Man trifft sich im Hause Gott sozusagen in der Konferenzebene eines Großkonzerns, des größten, den es gibt. Es kommen zusammen: Gott selbst, gespielt von Jörg Reimers, und Satan - dargestellt von Bernhard Bettermann, unter anderem gut bekannt aus seiner Arztserie im Fernsehen - sowie Jesus, Bettermanns Sohn Tim, der dem Publikum ausnehmend gut gefiel, und dazu noch Mimi Fiedler als Muttergottes und Sebastian Sash als Geist. Bei den nun aufkommenden Auseinandersetzungen fragt man sich: Ist das überhaupt eine Komödie? Ja, denn es darf auch gelacht und gescherzt werden, und die Wortspiele rund um alles, was mit Gott zu tun hat, sind ergötzlich. Nein, denn dafür ist das Thema fast schon zu ernst. Vielleicht könnte man es eine Satire über Religion oder eine vordergründig leichte, dafür aber umso tiefer gehende Kritik an der Religion nennen. Von allem hat die "himmlische Komödie" von Mitterer etwas: Gott hat sowohl Jesus wie auch den Satan zu sich gerufen, weil er der Menschheit, also seiner eigenen Schöpfung, völlig überdrüssig ist. Das letzte Gericht zur Zukunft der Menschheit steht an. Dabei aber kommt es zu heftigen Streitereien. Was hat denn das Opfer des Menschensohnes gebracht? Der Krach in der Führungsetage Gottes wird mit harten Bandagen ausgetragen, man schreckt selbst vor Beleidigungen nicht zurück. Der Satan erinnert Gott daran, dass er ja den Menschen nach seinem Ebenbild geformt hat, also verantwortlich ist.

Ein Vater-Sohn-Komplex ist in diesem Stück ebenso enthalten wie die Frage nach der Gleichberechtigung. Maria, die Mutter Gottes, löst einen weiteren Diskurs nach dem Gleichgewicht zwischen männlich und weiblich selbst im Himmel aus. Diese Komödie mit Tiefgang, die das Publikum mit anhaltendem Beifall bedachte, wurde anschließend noch kräftig diskutiert. Stadtkulturbund-Vorsitzender Peter Siegel wurde am Tage danach von Besuchern noch darauf angesprochen. Tenor: "Ich hatte zwar eine Komödie erwartet, das war es ja eher nicht, aber dennoch ein ganz starkes Stück!"

Quelle: RP
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