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Tönisvorst
Schnellwachsende Kiribäume aus Kehn

Tönisvorst: Schnellwachsende Kiribäume aus Kehn
Nicht nur die Kiri-Bäume, sondern auch das Unternehmen "We Grow GmbH" in Kehn wächst. Die beiden Geschäftsführer Allin Beatrice Gasparian und Peter Diessenbacher zeigen einen Setzling (2 Wochen), eine drei Monate alte Pflanze (im Topf) und die Baumscheibe eines 18 Jahre alten Kiribaumes. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Seit einem Jahr werden in einer alten Gärtnerei asiatische Kiribäume für die Holzindustrie gezüchtet. Das Unternehmen We Grow unterhält in ganz Deutschland mehrere Plantagen und hat jetzt auch nach Spanien expandiert. Von Heribert Brinkmann

In den Gewächshäusern in Kehn reihen sich kleine Setzlinge aneinander. Sie sind gerade mal zwei Wochen alt. Die Pflanzen in einer anderen Ecke sind erst drei Monate alt, aber schon mannsgroß. Da glaubt der staunende Besucher gerne, dass der Kiribaum der schnellstwachsende Nutzbaum der Welt ist. In Asien ist der Baum berühmt, die Blüte ist im Wappen Japans. Dort wird der Kiribaum auch "Baum des Glückes genannt." Kaiser Franz Joseph hat ihn geschätzt und überall in Österreich-Ungarn anpflanzen lassen.

Jetzt ist Peter Maximilian Diessenbacher der neue Promoter des Kiribaumes. Der heute 39-Jährige hat in Bonn Landwirtschaft studiert und sich besonders mit nachwachsenden Rohstoffen beschäftigt. Ein Gärtner des botanischen Gartens in Bonn machte seinen Professor und ihn auf den Kiribaum aufmerksam. Mit ein paar Samen züchtete der Student auf der Fensterbank seiner Bude die ersten eigenen Kiri-Pflanzen. Bald war das Zimmergewächshaus zu klein, privat mietete er ein Gewächshaus an. Nach dem Studium erstellte er zusammen mit Allin Beatrice Gasparian, die in Bonn Volkswirtschaft studiert hatte, einen Businessplan. 2009 wurde "We grow" gegründet.

In den Kehner Gewächshäusern werden die Kiribäume gezüchtet, die später auf verschiedenen Plantagen in Deutschland und Spanien wachsen sollen. FOTO: Kaiser Wolfgang

Seit einem Jahr zog das junge Unternehmen von Bonn nach Kehn. In einer alten Gärtnerei für Staudenpflanzen wurde das ideale Gelände für das expandierende Unternehmen gefunden. In Tönisvorst sind die Zentrale und das Jungpflanzenlabor. In den Gewächshäusern wachsen die jungen Pflanzen heran. Auf mehreren Plantagen in Deutschland und seit kurzem auch in Spanien wachsen die Bäume heran. Insgesamt 350 Hektar werden im Auftrag von We Grow bewirtschaftet. We Grow ist als GmbH und Co KG reiner Dienstleister, der für drei Investoren-Gesellschaften - gerade kommt eine vierte hinzu - die Bäume pflanzt, pflegt und erntet. Die Investoren steigen mit 5000 Euro für 100 Bäume ein. Die Investition ist auf zehn bis zwölf Jahre angelegt. Von den bisherigen Pflanzungen steht bei Heidelberg in vier bis fünf Jahren die erste Holzernte an. Die nächste Anpflanzung ist in Tönisberg. Bisher hat We Grow drei eigene Züchtungen patentieren lassen.

Das Holz des Kiribaums wird gern als Aluminium der Hölzer gefeiert. So wie Aluminium nur ein Drittel des Gewichtes von Stahl hat, so bringt Kiri auch nur ein Drittel der Eiche auf der Waage. Noch vor vier Jahren kannte in Deutschland kein Schreiner Kiri-Holz. In diesem Jahr haben die Hülsta-Möbelwerke Kiri-Holz in einer Produktionslinie eingebracht. Aber nicht nur das schnelle Wachstum macht das Holz interessant, es ist auch beständig, zeigt keine Risse und hat gute Dämmeigenschaften. Weil es flexibel ist und gut Klangeigenschaften hat, wird es sowohl für Surfbretter als auch für Snowboards und Skier eingesetzt. In Zukunft wird es als Fassadenholz eingesetzt. In Asien werden Kiri von Türen bis zum Korpus von E-Gitarren verwendet. Die attraktive Maserung macht das Holz auch für Deko-Artikel attraktiv. Das neu nach Tönisvorst gezogene Unternehmen Fleur ami hat eine Vase im Programm. An der Uni Göttingen wird geforscht, wie mit Kiri Spanplatten leichter gemacht werden können. Bei seinem Bonner Doktorvater Prof. Dr. Ralf Pude arbeitet Diessenbacher an seiner Promotion im Bereich nachwachsende Rohstoffe. Für die Landesgartenschau 2002 hatten sie bei Schloss Dyck Chinaschilf geliefert. Als die EU 2009 erlaubte, Bäume auch außerhalb des Waldes gewerblich für die Holzwirtschaft anzubauen, entstand die Firma We grow. Als ein Spin-Off-Unternehmen ist We grow aus der Forschung der Universität Bonn erwachsen. Das Rheinland bietet sich wegen der milden Winter besonders gut für den Anbau der Kiribäume an. Auf der Plantage in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern sind wieder ganz andere Standortbestimmungen gegeben. Gesteuert und geforscht wird in Tönisvorst-Kehn. Dort arbeiten 15 Mitarbeiter an der Verbreitung des Kiri, zehn Saisonarbeiter kommen noch dazu.

Im Vergleich eine gleichalte Buche (links) mit Kiribaum. FOTO: BRINKMANN
Quelle: RP
 
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