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Tönisvorst
Sich selbst und seinen Weg finden

Tönisvorst: Sich selbst und seinen Weg finden
Auf dem Foto sind Stefan Hüsch (hinten), Sozialpädagoge Dietmar Winkels, Andreas Tauer, Florian Slanar (Bewohner) zu sehen. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Vor fünf Jahren eröffnete der Landschaftsverband Rheinland eine Wohngruppe für Jugendliche in der Hüserheide. Jungen zwischen 14 und 18 Jahren, die nicht in ihrer Familie bleiben können oder wollen, werden hier aufgefangen. Von Stephanie Wickerath

Es gibt Geschichten, die zaubern Dietmar Winkels ein Lächeln ins Gesicht. Etwa die des Jungen mit den türkischen Wurzeln, der nicht zurechtkam mit der Rolle, die er in seiner konservativen Familie zu spielen hatte und der Rolle in der modernen, westlichen Gesellschaft außerhalb dieser Familie. "Er hat sich an die LVR-Jugendhilfe gewandt und kam so zu uns in die Wohngruppe", erzählt Winkels, der seit 37 Jahren als Sozialpädagoge beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) tätig ist und seit fünf Jahren in der Wohngruppe Hüserheide arbeitet.

Zwei Jahre blieb der Jugendliche, fand mit Hilfe der Betreuer zu sich und ging seinen Weg: Er schloss die Schule mit dem Abitur ab, suchte sich eine eigene Wohnung und studiert heute Chemie an der Fachhochschule. "Die meisten Jungen, die zu uns kommen, müssen erst mal zur Ruhe kommen", weiß Winkels. Manche kämen aus schwierigen familiären Verhältnissen, hätten Gewalterfahrungen gemacht, einige seien straffällig geworden, andere hätten die Schule abgebrochen. "Zurzeit haben wir auch zwei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Haus", erzählt der 64-Jährige. Ein junger Mann aus Syrien und einer aus dem Tschad sind in der Wohngruppe untergebracht.

Für die fünf Betreuer, die sich um die sieben Jugendlichen im Haus kümmern, ist jeder Neuzugang eine Herausforderung, weil alle ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Probleme mitbringen. Und nicht alle bleiben. "Nicht jeder wird den Anforderungen gerecht", erzählt Winkels. Auch habe es schon straffällige Jugendliche gegeben, die das Gefängnis der Wohngruppe vorzogen. Die meisten jungen Männer aber, die bei Winkels und seinen Kollegen waren, haben es geschafft, beziehungsweise sind auf einem guten Weg. Tagsüber gehen sie zur Schule, zum Berufskolleg oder absolvieren eine Ausbildung in den LVR-Werkstätten am Tempelsweg. In der Freizeit spielen sie Fußball, gehen ins Kino und machen das, was andere Jugendliche auch machen.

In der LVR-Jugendhilfe Wohngruppe Hüserheide hat jeder Bewohner sein eigenes Zimmer. Es gibt eine gemeinsame Küche, in der die Jugendlichen am Wochenende beim Kochen helfen und einen Raum mit Waschmaschinen. "Unser Ziel ist es, den Jungen möglichst viel Eigenverantwortung mitzugeben", sagt Winkels. Auch ein großes Gemeinschaftszimmer mit Esstisch, Sitzgarnitur, Fernsehgerät, gut gefülltem Bücherregal und vielen Gesellschaftsspielen gibt es. Alkohol und Computer finden sich hingegen nicht im Haus.

"Alkohol ist strikt verboten, und Computer haben wir nicht, weil wir kein Internet haben", erklärt der Sozialpädagoge. Dafür gibt es eine Dart-Scheibe, eine Tischtennisplatte, einen großartigen Ausblick in die Natur, und es ist immer jemand zum Reden da. Einmal im Jahr geht die Gruppe mit ihren Betreuern auf Ferienfahrt. "Wohlbefinden vermitteln, sich kümmern und verlässlich sein, das sind unsere drei großen Aufgaben", fasst der Sozialpädagoge zusammen. Konflikte gebe es natürlich auch, "aber die Jugendlichen lernen hier, damit umzugehen und Konflikte fair und ohne Gewalt auszutragen", sagt Winkels.

In der Hüserheide, einer Ansammlung von wenigen Häusern zwischen Vorst und Kempen, sind die Jugendlichen gut integriert. Zweimal im Jahr lädt die Wohngruppe zum Reibekuchenessen und zum Kaffeeklatsch ein. In diesem Jahr kamen die Nachbarn aber auch außerhalb der Reihe. Schließlich galt es, die Eröffnung der LVR-Wohngruppe Hüserheide vor fünf Jahren zu feiern.

Quelle: RP
 
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