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Tönisvorst
Spielverein 1911: Schlaflos in St. Tönis

Tönisvorst. Helmut Thommessen führt den SV St. Tönis weiter für zwei Jahre. Kassierer Heinz-Gerd schlug auf der Mitgliederversammlung Alarm. Die Finanzlage sei "brutal", Sparkassenstiftung lehnte Antrag ab. Von Heribert Brinkmann

Über 60 Mitglieder nahmen am Freitagabend an der Mitgliederversammlung des Spielvereins 1911 im Vereinsheim an der Geldener Straße teil. Wenn auch die Stimmung im Allgemeinen gut war und die Vorstandswahlen zügig und unproblematisch über die Bühne gingen, erlebten sie beim Kassenbericht und unter dem Punkt Verschiedenes eine Lagebeschreibung, die man eigentlich nur als eine Brandrede charakterisieren kann. Die Adressaten waren dabei nicht nur die eigenen Mitglieder, sondern auch die Politiker und Geschäftsleute der Stadt. Die Politiker hätten vor der Wahl versprochen, mit ihnen sei das Hallennutzungsentgelt nicht zu machen. Nach der Wahl sehe alles ganz anders aus. Und beim Versuch, Sponsoren für den Sport zu gewinne, sei die Bereitschaft bei den Geschäftsleute vor Ort wenig ausgeprägt. Besonders enttäuscht zeigte man sich im Vorstand von der Sparkassenstiftung.

Heinz-Gerd Stroecks, erster Kassierer, gestand schlaflose Nächte ein. Was die Situation von Ausgaben und Einnahmen anbetreffe, sei 2014 ein brutales Jahr gewesen. Der Verein war gezwungen, "ans Eingemachte zu gehen". Bei der Frage nach der Sanierung des kleinen Rasenplatzes, die den Verein 30 000 Euro kostete, fühlt sich der SV St. Tönis von der Sparkassenstiftung "im Stich gelassen". In einem Gespräch habe sich Bürgermeister Thomas Goßen "ziemlich betroffen" gezeigt und den Verein ermutigt, den Antrag noch mal zu stellen. Er werde sich für eine Zustimmung stark machen. Es schmerze auch, dass die Sparkassenstiftung die Förderung des Stadtsportverbandes eingestellt habe. Der SV habe daraus 2400 Euro erhalten, die halt jetzt auch fehlten. Dass jetzt die Existenz des Stadtsportverbandes in Frage gestellt sei, müsse traurig stimmen. Dass Tönisvorst ohne Stadtsportverband dastehe, sei undenkbar. Hier sei die Politik gefragt, gerade die Politiker, die mit Sitz im Kuratorium mit der Stiftung vernetzt seien. Seit 2009 "bettelt" der Verein bei der Stadt um Zuschüsse für die vereinseigene Anlage. Nach Goßens Aussage, werde es in den nächsten zwei bis drei Jahren von der Stadt null Cent geben. Stroecks schaute über die Stadtgrenzen und erinnerte daran, dass die Stadt Kempen einen Kunstrasenplatz mitfinanziert habe, und es in Willich rund acht Kunstrasenplätze gebe. Auch der Landessportbund kürzt seine Zuschüsse, und für das Festgeld bei der Bank gebe es Zinsen von 0,15 Prozent. Zudem habe es eine Betriebsprüfung des Finanzamtes Kempen gegeben, das Ergebnis liege noch nicht vor. Aber auch bei der Prüfung habe es nicht interessiert, dass im Sportverein allesamt Ehrenamtler aktiv seien. Das Steuerrecht für Vereine sei sehr diffizil geworden. Da könne es für manch einen Verein noch böse Überraschungen geben.

Die Stadt hat dem SV das Angebot gemacht, den Aschenplatz zu übernehmen. Von der Stadt gebe es grünes Licht, wenn der DJK den Kunstrasenplatz realisiert habe. Um den Platz, dessen erste beiden Schichten kaputt seien, zu sanieren, müsse man 25-30 000 Euro investieren. In diesem Jahr habe der SV keine Mittel für so etwas, eher 2016 aus den Rücklagen. Doch solange es keine Planungssicherheit gebe, werde der Vorstand nichts unterschreiben. Beim Hallennutzungsentgelt spreche die Stadt von einer Kompensation. Wenn die Stadt aus dem Vorsteuerabzug einen Gewinn mache, müsse Geld etwa an den Stadtsportverband zurückgeführt werden, forderte der SV 1911.

Quelle: RP
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