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Tönisvorst
St. Godehard in Vorst: Die Rettung eines Orgeljuwels

Tönisvorst. Nach sieben Jahren feierten die Kirchengemeinde und der Orgelbauverein in Vorst die Wiedereinweihung der wertvollen Klais-Orgel. Von Heide Oehmen

Was wäre unsere Gesellschaft ohne ehrenamtliches Engagement! Das betrifft inzwischen alle Bereiche, gerade auch die Kirchengemeinden. Der im Jahre 2009 gegründete "Orgelbauverein St. Godehard Vorst e.V." stellte sich der wichtigen Aufgabe, die im Jahre 1901 von der Bonner Orgelbaufirma Johannes Klais gebaute historische Orgel, die im Laufe der Jahre mehr als reparaturbedürftig und nur noch sehr eingeschränkt für den gottesdienstlichen Gebrauch zu nutzen war, wieder zu ihrem ursprünglichen Zustand zu verhelfen. Trotz großen Einsatzes, wie einer ganzen Reihe von Benefizkonzerten, eigens an der Mosel geordertem Orgelwein, Orgelkollekten und Patenschaften für Orgelpfeifen erwies sich das honorige Unternehmen als äußerst mühsam. Schließlich motivierten ein Zuschuss des Landschaftsverbandes Rheinland von 50.000 und 10.000 Euro vom Bistum Aachen die Verantwortlichen, mit drei Orgelbaufirmen Kontakt aufzunehmen. Die holländische Firma Verschueren aus Heythuysen bekam schließlich den Zuschlag, weil sie als einzige zu einem Stufenplan bereit war. Zunächst wurde die Orgel soweit wiederhergestellt, dass sie nun für liturgische Zwecke uneingeschränkt spielbar ist. Später sollen dann die im Jahre 1951 (im Rahmen der damals favorisierten Barockisierung von Orgeln) ausgetauschten Register wieder in ihren Originalzustand zurückgeführt werden. Dafür wird sich der Orgelbauverein auch in Zukunft stark machen.

Dass die wertvolle Klais-Orgel auch jetzt schon ein Klangjuwel ist, konnten die Zuhörer im voll besetzten Kirchenraum anlässlich eines Konzertes zur Wiedereinweihung erleben. Maßgeblichen Anteil an diesem sehr guten Eindruck hatte der 18 Jahre junge Hannes Joachimi aus Krefeld-Bockum, der - nach mehreren Preisen bei "Jugend musiziert" - zu Recht bereits Jungstudent an der Kölner Musikhochschule ist. Mit ausgereifter Technik, fantasievoller Wahl der passenden Register (vor allem der weichen, romantischen in den entsprechenden Kompositionen) und einem untrüglichen Gespür für adäquate Interpretation begeisterte er mit Johann Sebastian Bach (Präludium und Fuge a-Moll BWV 543) ebenso wie mit "Prelude, Fugue et Variation op.18" von César Franck, der "2. Fantaisie op.101 Des-Dur" von Camille Saint-Saens und Max Regers "Introduktion und Passacaglia".

Maria Gurzynska, Sopran, und Jerzy Gurzynsky, Tenor - seit vielen Jahren wichtige Leistungsträger des Opernchores der Vereinigten Bühnen Krefeld-Mönchengladbach - hatten den vokalen Part dieses mit viel Beifall aufgenommenen Konzertes übernommen. Hier saß die Organistin und Chorleiterin von St. Godehard, Urszula Neugebauer, an der Orgel. Sie begleitete einfühlsam und fast immer angepasst - lediglich beim fragilen "Ave verum" von Mozart (als Duett) wäre eine dezentere Registrierung vonnöten gewesen. Der Tenor wusste vor allem in Francesco Durantes Arie "Vergin, tutto amor" sehr zu gefallen, während die Sopranistin ihre hohen stimmlichen Qualitäten sowohl in einer Arie aus Händels Oper "Rinaldo" als auch im wunderschön gestalteten "Ave Maria" von Giuseppe Verdi unter Beweis stellen konnte.

Quelle: RP
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