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Tönisvorst
St. Tönis: Bürger setzen sich für Flüchtlinge ein

Tönisvorst: St. Tönis: Bürger setzen sich für Flüchtlinge ein
Im Marienheim trafen sich Tönisvorster Bürger, um sich für die rund 200 Flüchtlinge in der Stadt zu engagieren. Koordiniert wird die Flüchtlingshilfe von der Diakonie Krefeld Viersen. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. In Tönisvorst hat sich der "Runde Tisch Flüchtlingshilfe" gegründet. 20 Menschen engagieren sich für die rund 200 Flüchtlinge. Von Stephanie Wickerath

Ibrahim ist 20 Jahre alt. In Syrien lebte er mit seinem Bruder zusammen im Haus der Eltern. Er hat studiert, hatte Freunde, eine Zukunft. Jetzt lebt Ibrahim in einer Turnhalle in St. Tönis zusammen mit 24 weiteren Flüchtlingen aus Albanien und dem Kosovo, aus asiatischen und arabischen Ländern. Wenn Ibrahim von seiner Heimat erzählt, stehen Tränen in seinen Augen. Sein Bruder ist tot, seine Eltern leben auf der Straße. Das Haus wurde von Raketen zerstört. Ibrahim hat zuerst die Gräueltaten der Regierung erlebt, dann die Terrorakte des Islamischen Staates. Die Hilferufe der Menschen hört er immer noch.

Als der junge Mann mit Hilfe eines Dolmetschers seine Geschichte zu Ende erzählt hat, ist es still im Raum. Betroffen blicken die 20 Zuhörer auf den Boden. Gleichzeitig aber bestärkt Ibrahims Geschichte sie, sich zu engagieren und dazu beizutragen, dass Menschen wie Ibrahim wieder eine Zukunft haben. Seit ein paar Monaten gibt es den "Runden Tisch Flüchtlingshilfe" in Tönisvorst. Für die Menschen, die in der Turnhalle an der Jahnsportanlage in St. Tönis leben, hat der Runde Tisch ein Grillfest organisiert. Regelmäßig sind die Ehrenamtler in Kontakt mit den Menschen aus aller Herrn Länder, die vor Krieg und Hunger, vor Gewalt und Perspektivlosigkeit geflohen sind.

Mehrere Freiwillige, darunter auch einige Lehrer, bieten Deutschunterricht für die Flüchtlinge an. Andere helfen beim Ausfüllen von Formularen und bemühen sich Kontakte, etwa zu Sportvereinen, herzustellen. "Die Menschen brauchen Ablenkung und einen strukturierten Tagesablauf", sagt Jovana Mohring. Die gebürtige Israelin, die seit fast 30 Jahren in Deutschland lebt, hilft mit ihren Englisch- und Arabischkenntnissen, wo sie nur kann. "Die Flüchtlinge bleiben sich mit all ihren Ängsten und traumatischen Erlebnissen im Grunde selber überlassen", sagt Jovana Mohring. Weil sie nicht arbeiten dürfen, nicht mal einen offiziellen Sprachkursus besuchen können, bevor sie anerkannt sind, sind sie zum Nichtstun verdammt.

"Ohne den Runden Tisch und dessen Hilfe wäre die Situation noch schwieriger", sagt Fenna Botta, Leiterin der Abteilung Soziales und Wohnen bei der Stadt. Die Verwaltung hadere selber mit der Tatsache, dass sie vor ein paar Wochen die ersten Flüchtlinge in einer Turnhalle unterbringen musste. "Wir hätten uns auch eine bessere Lösung für die Menschen gewünscht", beteuert die Vertreterin der Stadt. Aber alle Wohnungen, auf die die Stadt zurückgreifen kann, seien belegt, freier Mietraum nicht angeboten worden.

Vermutlich wird es nicht bei 25 Flüchtlingen bleiben, die in der Turnhalle leben müssen. Die Verwaltung geht davon aus, dass noch 15 bis 20 weitere Menschen in die Halle ziehen werden. "Wir erfahren oft erst am Tag vorher, dass neue Flüchtlinge kommen und müssen dann ganz schnell handeln", erklärt Fenna Botta die für alle Beteiligten missliche Lage. Aufgrund der vielen Krisenherde auf der Welt sei ein Ende der Flüchtlingsströme nach Europa nicht in Sicht.

Um den Menschen, die in der Turnhalle gestrandet sind, ein bisschen Ablenkung und Mobilität zu ermöglichen, brauchen die Mitglieder des Runden Tisches mehr Hilfe und sind auf Spenden angewiesen. "Fahrräder wären toll und Sportkleidung, weitere Dolmetscher für alle möglichen Sprachen werden gesucht, mit Geldspenden könnten wir mehr Bücher für den Deutschunterricht kaufen und wenn sich weiter Menschen finden, die Deutsch unterrichten möchten, wären wir auch dankbar", fasst Silke Weich die Wünsche zusammen.

Quelle: RP
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