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Tönisvorst
Tönisvorster Rocknacht: ganz großartig

Tönisvorst: Tönisvorster Rocknacht: ganz großartig
Sänger Lukas Gaedtke (Mitte) und Bassist Lukas Kaminski (links) gründeten 2011 die Neusser Reggaeband "Betrayers of Babylon". Zum unverwechselbaren Sound gehören die beiden Bläser Nils Stiller (Posaune) und David Koch (Trompete) . Nicht im Bild: Keyboarder Philipp Hager und Drummer Marvin Andrä. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Rund 1100 Jugendliche und junge Erwachsene feierten im Forum Corneliusfeld eine große Geburtstagsparty: Die Tönisvorster Rocknacht wurde 20. Die jungen Organisatoren boten ein ausgezeichnet gemischtes Programm. Von Heribert Brinkmann

"Wir sind frisch verliebt", schreiben die Jungs der Neusser Band "Betrayers of Babylon" auf ihrer Facebookseite. "Am wunderschönen Abend bei der Tönisvorster Rocknacht durften wir eine sehr sympathische Band in sexy Anzügen kennenlernen. Wir reden vom Provinztheater!" Die jungen Neusser Musiker, die selber nur mit zwei Zugaben von der Bühne durften, dankten auch den Affen von "Mondo Mash Up Soundsystem" und den vielen anderen, "die uns gestern diesen genialen Abend beschert haben." Ja, dieser spontane Enthusiasmus ist völlig legitim. Die 20. Tönisvorster Rocknacht, ehrenamtlich organisiert vom Team rund um die Jugend der Evangelischen Kirchengemeinde St. Tönis, lässt sich mit einem Wort umschreiben: einfach großartig.

Bis auf das Wetter - anfangs regnete es noch - und die mauen Temperaturen stimmte einfach alles: die Musik, die Abfolge, die Bands, das Catering (einschließlich Veggie-Döner) - und auch der Besuch. Rund 900 Karten wurden bis spät in die Nacht verkauft - sogar nach 23 Uhr wurden einige Parkplatz-Gäste von draußen vom Sound der DJs zum Tanzen angelockt. Dazu kommen noch 200 weitere Besucher von Helfern, Orga-Team und Bands. Und auch das Sekundär-Publikum auf dem Parkplatz blieb weitgehend im Rahmen. Die Polizei zeigte Präsenz - das funktionierte.

Die Rocknacht, die sich von den Anfängen mit eigenen Bands aus dem Proberaum des Palm Beach Cafés der Evangelischen Kirchengemeinde längst zu einem regionalen Event gemausert hat, wollte auch zum 20. Geburtstag wieder eine Mischung aus Newcomern und bekannten Bands aufbieten. Gerade die Jungen sollen die Chance haben, vor einem großen Festivalpublikum zu spielen, erklärte Jugendleiter Volkmar Büscher. Doch am Anfang verloren sich ganze 40 Zuhörer im großen Saal, und draußen rettete sich das Publikum unter Zelte und Arkaden. Doch je später der Abend und je trockener der Himmel, desto mehr füllten sich die Räume.

Als dann am Ende die Mainacts "Provinztheater" und "Mondo Mashup Sound System" - beide aus Krefeld - auftraten, war das Publikum dicht gedrängt und gut aufgelegt. Bei "Mondo", der zwölfköpfigen Power-Band, traten nicht nur zwei Tänzer im Gorilla-Kostüm auf, sie brachten das Publikum auch mächtig in Bewegung. Wie Wellen ließ die Band die Zuhörer zur einen Seite und wieder zurück tanzen. Die Band mit zwei Gitarren, Keyboard, Akkordeon, Posaune, Trompete und Saxofon bietet eine fulminante, mitreißende Mischung aus Hip Hop, Jazz, Reggae, Soul und Funk.

"Provinztheater" muss man einfach gesehen haben. Die wunderbaren Musiker lohnen schon das Zuhören, aber die Show auf der mit Wohnzimmerplunder und Koffern vollgestellten Bühne macht das Besondere aus. Man muss die Jungs in ihren Anzügen, die Ansagen, die Blödeleien und Überraschungen wie Konfettiregen erlebt haben, dann wird man sie wiedersehen wollen. Sie werden gerne wiederkommen. 2009 hatte das Provinztheater einen ihrer allerersten Auftritte in Tönisvorst.

Wie ein kurzes Gewitter sausten die vier Jungs von Breakdowns at Tiffany's über die Bühne. Mit ihrem Metal und Hardcore sorgen sie für viel Headbangen im Publikum. Das blonde Energiebündel Delphi van Can ließ es mit der Kölner Alternative Rockband Paper Skies ordentlich krachen, "Ich mag nicht laut" stand auf einem Aufkleber auf der Gitarre von Alex Piratski - war aber nicht ernst gemeint. Doch vorher hatte schon die Reggaeband "Betrayers of Babylon" den Saal zum Kochen gebracht. Sie verbreitete mit guter Musik und guten Texten beste Laune. Ihr Lied "Herzlich willkommen" passte bestens zur Einladung von 30 Flüchtlingen zur Rocknacht.

Draußen hatten es "Jugend von heute", Steven Hein und Alex Amsterdam schwer, gegen das Wetter das noch zögerliche Publikum rumzukriegen. Der gebürtige Tönisvorster Steven Hein, ein Eigengewächs der Rocknacht, hatte solo mit seinen leisen Liedern zur Gitarre einen schweren Stand - was er aber weglächelte. Das Publikum könnte aber noch hinzulernen: Im Zelt direkt vor der Bühne stehen und laut quatschen - das geht gar nicht.

Nach dem überaus starken Programm sorgten erstmals DJs Chris Burton und Wellkee bis 1 Uhr für eine entspannte Tanzatmosphäre zum 20. Geburtstag.

Quelle: RP
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