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Tönisvorst
Vier Geschichten aus Bangladesch

Tönisvorst: Vier Geschichten aus Bangladesch
Die Szenen des selbst geschriebenen Stückes zeigen Ausschnitte aus dem Alltag in Bangladesch. Im Mittelpunkt stehen die Lebensumstände von Mädchen und Frauen. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Mit einem eindrucksvoll inszenierten Theaterstück veranschaulichten 60 Schüler des Michael-Ende-Gymnasiums die Lebenssituation in Bangladesch. Die Tönisvorster Schule unterstützt seit 15 Jahren Hilfsprojekte in dem südasiatischen Land. Von Stephanie Wickerath

Jasmin hat Träume. Sie möchte die Schule abschließen, Lehrerin werden und unabhängig sein. Aber der Vater will das 13-jährige Mädchen mit einem 40-Jährigen aus dem Dorf verheiraten. Sie soll seine Zweitfrau werden. Auch die Mutter hält das für eine gute Idee, obwohl jeder weiß, dass der Mann seine Frau schlägt. Jasmin, gespielt von Corinna Kohnen, ist verzweifelt. Sie liebt die Freiheit und will sich nicht auf die Zwangsehe einlassen.

Diese Geschichte ist eine von vier, die 60 Gymnasiasten aus allen acht Jahrgangsstufen und zwölf Lehrer an einem Wochenende geschrieben und einstudiert haben. Die Szenen zeigen Ausschnitte aus dem Alltag in Bangladesch. Im Mittelpunkt stehen die Lebensumstände von Mädchen und Frauen. "Wir unterstützen über den Verein 'Netz' seit 15 Jahren Hilfsprojekte in Bangladesch", erzählt Lehrerin Julia Krüger. "Netz - Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit", wie der Verein vollständig heißt, ermöglicht den Schulbesuch für Kinder aus den ärmsten Regionen, fördert die Alphabetisierung von Frauen, unterstützt Familien in extremer Armut und schult Menschenrechtsaktivisten. Die Tönisvorster Schule sammelt seit 15 Jahren Spenden für die Projekte von "Netz".

Auch nach der einstündigen Theateraufführung gab es Gelegenheit zur Spende. Zuerst aber bekamen Schüler und Lehrer viel Beifall für die gelungene Aufführung. Die verbindende Klammer zwischen den vier Szenen ist die Suche nach dem Mädchen Rhani. Ihre Freundinnen Famida und Nazrin, gespielt von Clara Müller und Katharina Klein, vermissen sie bereits vormittags in der Schule. In dieser ersten Szene sehen die Zuschauer, wie überfüllt und laut es in Schulen in Bangladesch zugeht. Ein Dia von einer Schulhütte im Hintergrund veranschaulicht die räumlichen Gegebenheiten. Die Lehrerin, gespielt von Gentiane Abazi, erklärte einer Gruppe die Rechenaufgabe, bevor die Kinder sie sich untereinander erklären.

In der zweiten Szene suchen die Freundinnen Rhani in der Frauengruppe. Dort sitzt ihre Mutter, gespielt von Marie Antelman, mit andren Frauen zusammen. Sie beratschlagen, was sie tun können, um an frisches Wasser zu kommen. Das Wasser in den Brunnen ihres Dorfes ist mit Arsen verseucht. Ihre Kinder sind deshalb erkrankt. Nur dank einer Spende aus Deutschland können die Frauen die Medizin bezahlen, die die Kinder brauchen.

Als Rhani immer noch nicht gefunden ist, vermuten die Freundinnen sie in einer Textilfabrik. Diese Szene gehört zur gelungensten und eindrucksvollsten Darstellung in dem selbstkonzipierten Stück. Wie Roboter arbeiten die Frauen an ihren Nähmaschinen. 14 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche, wie sie berichten. Der Lohn für einen Monat: 18 Euro. Und das auch nur, wenn man schon länger dabei ist.

Lange dabei bleiben können viele aber nicht, weil der Rücken schmerzt, die Augen brennen oder weil das Kind krank ist. "Deine Stelle ist längst mit einer anderen Frau besetzt", macht der Aufseher, gespielt von Felix Eßer, einer Frau klar, nachdem diese einen Tag gefehlt hatte. "Ob die Leute, die diese Kleidung kaufen, wissen, wie es hier zugeht?", fragt Anne Marie Seeburg, die eine der Näherinnen spielt.

Quelle: RP
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