| 00.00 Uhr

Heimat genießen in Tönisvorst
Vom Euter in die Zapfanlage

Heimat genießen in Tönisvorst: Vom Euter in die Zapfanlage
"Wir sorgen für Kuh-Komfort", sagt Landwirt Heinrich Driehsen. Alle drei Hallen und das Altgebäude sind luft- und lichtdurchlässig, im Sommer kühlen Ventilatoren die Luft. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Seit September vorigen Jahres gibt es in Tönisvorst auf dem Hof der Familie Driehsen eine Milchtankstelle. Zahlreiche Stammkunden kommen regelmäßig, um dort frische, unverarbeitete Rohmilch zu zapfen. Von Stephanie Wickerath

Sie schmeckt anders, da sind sich alle einig. Runder im Geschmack, vollmundiger, frischer, gesünder, sahniger, kräftiger, leckerer, sättigender, cremiger - den Kunden der Familie Driehsen fallen zahlreiche Adjektive für das Produkt ein, das Heinrich Driehsen zweimal am Tag in den Tank füllt, der in einem Holzhäuschen vor dem Hof der Familie seinen Platz gefunden hat. "Milchtankstelle" steht auf einem Schild über dem Eingang des Häuschens.

Vor einem halben Jahr hat die Familie aus St. Tönis eine Idee in die Tat umgesetzt: "Freunde aus Westfalen haben uns von den Milchtankstellen in ihrer Region erzählt", erinnert sich Marietta Driehsen. Und weil es am Niederrhein bis dahin kaum Milchtankstellen gab, fanden die Milchbauern, es lohne sich, in eine solche Anlage zu investieren. Der Erfolg gibt ihnen Recht: "Ich bin zwar noch ein Kind, aber das ist die beste Milch, die ich je getrunken habe", steht auf einem der zahlreichen Zettel, die mittlerweile an den Wänden im Holzhäuschen kleben. Und: "Die Milch schmeckt so gesund, mit der kann man bestimmt auch Krebs heilen."

So sieht sie aus, die Milchtankstelle. Heinrich und Marietta Driehsen freuen sich über viele positive Rückmeldungen ihrer Kunden FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Ursprünglich hatten die Betreiber den Zettelblock ausgelegt, um den Kunden Gelegenheit zu geben, Anregungen und Beschwerden loszuwerden. Dass die Kunden die kleinen Klebezettel nutzen, um das Produkt des Hofs mit Komplimenten zu überschütten, hätte die Familie nicht gedacht. "Aber das freut uns natürlich sehr", sagt Heinrich Driehsen. Das Besondere an der Milch aus der Milchtankstelle ist die Tatsache, dass das Produkt gänzlich unbehandelt ist. Zweimal am Tag, nach dem Melken, wird die Milch in den Tank gefüllt. Dort wird sie auf vier Grad heruntergekühlt und kann von den Kunden selbstständig abgefüllt werden. Flaschen stehen bereit, mitgebrachte Behältnisse sind auch willkommen.

Ein Euro kostet der Liter Rohmilch. Für die Driehsens lohnt sich die Investition, denn wenn sie ihre Milch an eine große Molkerei verkaufen, bekommen sie 27 Cent für den Liter, an ihrer Tankstelle hingegen bekommen sie den ganzen Preis. Im Kühlschrank ist die Milch aus der Flasche zwei bis drei Tage haltbar. Es wird empfohlen, sie vor dem Trinken abzukochen. Neben Frische, wegfallendem Transport, Unterstützung eines regionalen Produkts und Förderung der heimischen Milchwirtschaft hat der Kauf an der Milchtankstelle noch einen weiteren Vorzug: "Unsere Kunden können die Milch sieben Tage in der Woche 24 Stunden am Tag kaufen."

So wundert es nicht, dass besonders sonntags viele Autofahrer den Hof in St. Tönis ansteuern. Dass sie außerdem ein vielfach ausgezeichnetes Produkt kaufen, wissen die Kunden nicht. Die Ehrenurkunden des Rinderzuchtverbands hängen alle im Flur des Wohnhauses. Zehn Jahre in Folge hat Heinrich Driehsen die Auszeichnung bekommen - als einziger Milchbauer in Nordrhein-Westfalen. Die Kriterien: seine Kühe geben mehr Milch, als andere, die Qualität der Milch ist besonders hoch, nie wurden Hemmstoffe, wie etwa Antibiotika, gefunden, und die Kühe der Driehsens leben länger als andere. "Wir sorgen für Kuh-Komfort", erklärt der Landwirt.

Daniela Driehsen mit einem Kälbchen. Bis es Milch für die Tankstelle geben kann, wird es noch ein bisschen dauern. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Bei einem Gang über den Hof wird deutlich, was er meint: Es gibt einen Reha-Stall mit besonders viel Platz und dickem Strohbett für kranke Kühe und solche, die gerade ein Kälbchen bekommen haben. In einem anderen Stall hängen Bürsten, die sich wie in einer Waschanlage drehen und den Kühen den Rücken schrubben. Auf dem Boden sind Gummimatten, die das Stehen und Laufen angenehmer machen. Alle drei Hallen und das Altgebäude sind luft- und lichtdurchlässig, im Sommer kühlen Ventilatoren die Luft. Vögel zwitschern, Tauben fliegen auf. "Wir haben die Weide in den Stall geholt", bringt es Marietta Driehsen auf den Punkt. Die Kühe danken es ihnen mit wirklich köstlicher Milch.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Heimat genießen in Tönisvorst: Vom Euter in die Zapfanlage


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.