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Tönisvorst
Vom Glück am Wegesrand

Tönisvorst: Vom Glück am Wegesrand
Stephanie Pardula als Staphylea Colchica und Adrian Thomser als Flor Papel spielten ihre Rollen im Kindertheaterstück "Koffer auf Reisen" im Jugendfreizeitzentrum großartig. FOTO: BJÖRN KLEI/LANDEStheater Detmold
Tönisvorst. "Koffer auf Reisen" hieß das Stück, das der Stadtkulturbund mit Unterstützung der Sparkassenstiftung ins Jugendfreizeitzentrum St. Tönis holte. Das Theater für Kinder war voller Poesie und Lebensweisheit. Von Stephanie Wickerath

Zuhause, das ist da, wo jemand ein Bad für dich einlässt, einen Tee für dich kocht und dein Bett aufschüttelt. Dieses Zuhause hat die stets korrekte, sachliche und gut organsierte Staphylea Colchica noch nicht gefunden, denn sie ist so auf ihr Ziel konzentriert, dass sie das Glück am Wegesrand nicht sieht. Flor Papel hingegen geht mit offenen Augen durch die Welt. "Der Weg ist das Ziel" ist sein Motto und so übersieht er sie natürlich nicht, diese reizende Frau mit dem strengen Kostüm und dem kecken roten Hütchen.

"Koffer auf Reisen" heißt das Stück, und der Titel ist das einzige Nichtssagende an dem Schauspiel von Geert Genbrugge. Ansonsten stecken in der Geschichte, die im St. Töniser Jugendfreizeitzentrum vom Landestheater Detmold gezeigt wurde, jede Menge Lebensweisheiten, die mit poetischen Bildern und in schöner Sprache erzählt werden.

Vordergründig geht es um zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Papierblumenkünstler Flor Papel, voller Charme dargestellt von Adrian Thomser, ist lebenslustig, weltoffen, neugierig, romantisch und optimistisch. Für ihn ist das Glas immer halb voll. Staphylea Colchica, großartig gespielt von Stephanie Pardula, ist misstrauisch, nüchtern bis sarkastisch und braucht die von ihr geschaffene Ordnung um sich herum. Für sie ist das Glas immer halb leer.

Diese beiden gegensätzlichen Menschen begegnen sich nun mit einer Unmenge von Koffern, die sie nach und nach auf die Bühne hieven. Natürlich kommt es schnell zu einem Durcheinander, das Staphylea an den Rande eines Nervenzusammenbruchs bringt und sie daran hindert, schnell nach Hause zu kommen. Für Flor hingegen bietet das Kofferchaos die Gelegenheit, einen neuen Menschen kennenzulernen. Voller Freundlichkeit lässt er sich auf die Begegnung mit dieser interessanten Frau ein, der er gerne eine seiner zauberschönen Papierblumen schenkt.

Bis er es mit seinem Charme und seinen Blumen schafft, Staphylea für sich zu gewinnen, vergeht eine ganze Weile, in der der Zuschauer viel lernt über die beiden so unterschiedlichen Charaktere. "Sehen Sie, welche schreckliches Durcheinander Sie angerichtet haben", wirft Staphylea ihrem Gegenüber vor. "So ist die Welt entstanden", sagt Flor, "zuerst gab es ein großes Durcheinander und dann ist daraus etwas sehr Schönes geworden."

Es ist immer eine Frage der Sichtweise, wie die Lage gerade ist und was man daraus macht. Ihm geht es ums Suchen, ihr ums Finden. Er kennt die Richtung, sie sieht nur das Ziel. Regisseurin Claudia Göbel schafft es mit ihrer Inszenierung, die Botschaft auch für die jungen Zuschauer über Kleidung und Requisiten zu vermitteln. Die beiden großartigen Schauspieler tragen mit Mimik, Gestik und Körpersprache das Ihrige dazu bei.

Als Staphylea und Flor sich nach einer Stunde Spielzeit doch zusammen tun, beschließen sie, zunächst die leichten Koffer gemeinsam zu tragen, bevor sie sich an die schweren Koffer mit dem zerbrechlichen Inhalt wagen. Auch das eine Lebensweisheit, über die sich nachzudenken lohnt.

Quelle: RP
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