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Tönisvorst
Vom Schandfleck zum Wohlfühlort

Tönisvorst: Vom Schandfleck zum Wohlfühlort
Fünftklässler, die in der Schule nichts trinken, um auf Toilette gehen zu müssen? Die Sekundarschule hat mit den Schultoiletten ein großes Problem. Die Eltern wollen das Thema jetzt kreativ angehen. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Schultoiletten waren noch nie ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche sich gerne aufhalten. Die Toiletten im Schulzentrum Tönisvorst bilden da keine Ausnahme. Die Schulpflegschaft der Sekundarschule will das jetzt ändern. Von Stephanie Wickerath

Maria klagt über Kopfschmerzen. Es ist der lange Donnerstag an der Sekundarschule, das heißt: Unterricht bis 16 Uhr. Seit dem Frühstück hat Maria nichts mehr getrunken. So will die Fünftklässlerin vermeiden, dass sie die Schultoilette aufsuchen muss. "Das ist zu ekelig", findet das Mädchen und nimmt lieber die Kopfschmerzen in Kauf.

Im Kollegium der Sekundarschule sind Fälle wie dieser bekannt. Auch die Eltern wissen um die Not der Kinder, die Toiletten nicht aufsuchen zu wollen. "Wir haben darüber gesprochen und wollen was ändern", sagt Thomas Keymel, stellvertretender Schulpflegschaftsvorsitzender. So soll es in zwei Wochen eine Begehung der Toilettenanlagen mit einem Vertreter der Stadt geben. "Wir wollen die baulichen Mängel aufnehmen und die Stadt als Schulträger bitten, diese zu beseitigen", sagt Keymel.

Im nächsten Schritt wolle man gemeinsam mit den Schülern eine Verschönerungsaktion starten. "Die Kinder sollen selber Vorschläge machen, wie sie die Toiletten umgestalten wollen, damit sie zu einem Ort werden, den sie ohne Ekel und Furcht aufsuchen können", sagt der stellvertretende Pflegschaftsvorsitzende. Weil es dafür aber vermutlich kein Geld aus der Stadtkasse gebe, sind die Eltern auf der Suche nach Sponsoren und wollen selber Hand anlegen. "Wir habe in der Klasse meiner Tochter zum Beispiel einen Fliesenleger", weiß Thomas Keymel, der weitere Eltern ansprechen möchte, um für tatkräftige Unterstützung zu werben. "Mit der 5b wollen wir dann noch in diesem Schuljahr ein Pilotprojekt starten", sagt Keymel weiter. Das "Reverenz-Klo" soll so gestaltet werden, wie die Schüler es sich wünschen. Wer die Toilette benutzt, bekommt einen Schlüssel und wird auf eine Liste geschrieben. "Zwischen Sommer- und Herbstferien wollen wir dann sehen, ob die Kinder die von ihnen gestaltete Toilette benutzen und in sauberem Zustand auch wieder verlassen." Dank der Benutzerliste sei der Verursacher schnell gefunden, wenn die Toilette verunreinigt oder gar beschädigt sei.

"Wenn die Schüler pfleglich mit der Toilette umgehen, wollen wir nach den Herbstferien alle Toiletten, die von den Sekundarschülern benutzt werden, modernisieren", sagt der 47-Jährige. Auch die "Legebatterien", wie Keymel sie nennt, die die Kinder in der Pause benutzen können, will der engagierte Vater abschaffen. "Statt zwölf superenge, düstere Klos stellen wir uns sechs kleine, helle Badezimmer vor." Auch die sollen die Kinder mitgestalten. "Wir hoffen, dass die Schüler sich für die Toiletten verantwortlich fühlen, wenn sie sie selber gestaltet haben und die Räume einen freundlicher wirken ."

Quelle: RP
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