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Tönisvorst
Von geflochtenen Zöpfen und Lederhosen

Tönisvorst: Von geflochtenen Zöpfen und Lederhosen
Archivar Werner Lessenich zeigt ein Bild aus der Sammlung, die zum größten Teil aus den Nachlässen der Lehrer Albert Merkelbach und Josef Ramisch stammt. FOTO: Stephanie Wickerath
Tönisvorst. "Klasse(n)fotos" heißt die aktuelle Ausstellung im Haus des St. Töniser Heimatbundes. Archivar Werner Lessenich hat mit der Idee, historische Einschulungsfotos aus den Grundschulen zu zeigen, den Nerv der Besucher getroffen. Von Stephanie Wickerath

Es ist etwas los im Heimathaus an der Antoniusstraße. Zahlreiche Besucher drängen in den Ausstellungsraum. Großmütter kommen mit ihren Enkelkindern, um Fotos von der eigenen Einschulung, der des Großvaters und der Mutter der Enkel zu suchen. Eine Frau fragt nach dem Einschulungsbild ihres Bruders. Jemand anders sucht die Bilder seiner inzwischen verstorbenen Eltern. Werner Lessenich, Archivar beim Heimatbund und Organisator der Fotoausstellung, kann helfen. Er hat auf seinem Laptop alle Namen und Jahrgänge gespeichert und findet schnell den richtigen Ordner.

Aber die Besucher kommen auch selbst gut zurecht. Je ein großes Foto hängt plakativ über einem Ordner mit weiteren Bildern aus den jeweiligen Jahrgängen. Alles ist gut beschriftet, dank Vergrößerung deutlich zu erkennen, und da, wo die Namen bekannt sind, stehen auch die Namen in entsprechender Reihenfolge unter den Bildern.

Fast 150 Fotos von mehr als 100 Schulklassen aus St. Tönis sind es, die Werner Lessenich gesichtet, sortiert, eingescannt und vergrößert ausgedruckt hat. "Das älteste Klassenfoto stammt aus dem Jahr 1898", erzählt der Archivar und weist auf eine Aufnahme hin, die in der Vitrine steht. Die eigentliche Sammlung beginnt mit dem Einschulungsjahrgang 1906. Bis in die 1980er-Jahre gibt es Fotos. Teilweise sind es Einschulungsbilder, teilweise Entlassfotos nach der Klasse acht, und manchmal sind sogar noch Bilder vom ersten Klassentreffen nach der Schulzeit dabei.

Die meisten Fotos stammen von der katholischen Knabenschule, der heutigen katholischen Grundschule Schulstraße, und der katholischen Mädchenschule, die im 2015 abgerissenen Schulgebäude am Kirchplatz untergebracht war. Aber auch einige Jahrgänge der evangelischen Volksschule, die ab 1952 im heutigen Grundschulgebäude an der Hülser Straße ansässig war, können im Heimathaus bewundert werden.

Die stolze Sammlung stammt zum größten Teil aus den Nachlässen der Lehrer Albert Merkelbach und Josef Ramisch, die bis in die 1950er-Jahre hinein im Schuldienst tätig waren und als Mitglieder des Heimatbundes dem Verein viele Fotos überlassen haben. "Ich habe aber in den letzten beiden Heimatbriefen auch darum gebeten, uns Einschulungsfotos aus den St. Töniser Grundschulen zur Verfügung zu stellen", erzählt Lessenich, der die Ausstellung von langer Hand geplant hat.

Neben mehr oder weniger bekannten Gesichtern, die es zu entdecken gibt, lassen sich anhand der Fotos interessante Studien betreiben. So waren in den 1920er-Jahren Matrosenanzüge offensichtlich hochmodern, in den 1940er-Jahren war der Karo-Look in, und in den 1970er-Jahren trug so ziemlich jeder Junge eine kurze Lederlatzhose. Nur die langen, geflochtenen Zöpfe der Mädchen, die überdauerten fast jede Mode.

Wer heute über zu große Klassen schimpft, sollte sich mal die Eingangsklassen kurz nach der Jahrhundertwende ansehen. Auf einem Foto aus dem Jahr 1906 sind mehr als 50 Kinder in einer Klasse - alles Jungs. Während der Betrachter noch den armen Lehrer bedauert, der diese Schar zu bändigen hatte, weist Werner Lessenich auf eine Klasse hin, in der Drillinge und zwei Zwillingspärchen sind. "Auch nicht leicht für die Lehrerin, die alle auseinanderzuhalten", ist der St. Töniser sicher.

Übrigens gibt es auch ein paar Fotos in der Ausstellung, zu denen Namen und Jahreszahlen fehlen. Aber vielleicht kann der ein oder andere Besucher diese Datenlücke in den nächsten Wochen schließen. Archivar Lessenich hält seinen Laptop jedenfalls bereit.

Quelle: RP
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