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Tönisvorst
Von herkunftsvariablen Neubürgern

Tönisvorst. Auf Einladung des Stadtkulturbunds Tönisvorst kam die "Kanzlersouffleuse" Simone Solga ins Corneliusforum. Zwei Stunden lang unterhielt sie die Gäste mit hochkarätigem, politischem Kabarett. Von Stephanie Wickerath

Im schwarzen Business-Outfit kommt sie auf die Bühne. Ein paar Akten hat sie unter den Arm geklemmt, und kaum haben die Zuschauer die kleine Frau auf den Stöckelschuhen wahrgenommen, sind sie auch schon mittendrin, im Berliner Politbetrieb. Simone Solga kennt sie alle: "den Gabriel" und "die Petry", "den Özdemir" und die "Göring-Eckardt". Als Kanzlersouffleuse hat sie viele Politiker kommen und gehen sehen. Nur Merkel, mit der sie eine innige Freundschaft pflegt, ist immer noch da.

"Im Auftrag Ihrer Kanzlerin" heißt das Soloprogramm, mit dem die 53-Jährige seit vier Jahren durch die Republik tourt. Es ist hochkarätiges Politkabarett, das die kleine Frau mit der großen Klappe bietet. Mit viel Hintergrundwissen, einem guten Blick für die Zusammenhänge und dem Mut, sich auch auf dünnes Eis zu begeben, ist Simone Solga ausgestattet. Damit spielt sie in einer Liga mit Wilfried Schmickler - übrigens auch, was das Sprachtempo angeht - Volker Pispers und anderen politischen Kabarettisten.

Das ist kein Wunder, schließlich hat die gelernte Schauspielerin die ersten Schritte auf der Kabarettbühne 1990 an der Seite von Dieter Hildebrandt in "Scheibenwischer" gemacht. Von 1995 bis 2000 gehörte sie dem Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft an. Seitdem ist Solga mit Soloprogrammen unterwegs. Seit 2013 hat sie ihre Paraderolle mit "Im Auftrag Ihrer Kanzlerin" gefunden.

Nach Tönisvorst ist sie gekommen, um eine wichtige Botschaft der Kanzlerin zu überbringen. Bis die Zuschauer diese Botschaft aber vernehmen, vergehen gut zwei Stunden, in denen Solga die Großen der Weltpolitik abstraft. Zum Flüchtlingsdeal mit Erdogan sagt sie: "Wer mit Hunden ins Bett geht, darf sich nicht wundern, wenn er mit Flöhen aufwacht." Über Trump merkt sie an: "Während Obama jedes Jahr zwei Truthähne begnadigt hat, wird Trump sich dabei filmen lassen, wie er die Viecher mit der Panzerfaust platt macht."

Die SPD, sagt Solga, habe alles mitentschieden, war aber angeblich nie dabei. Dass die AfD ein Führerproblem habe, beweise, dass Gott Humor hat, und den Grünen wirf sie Wendehalspolitik vor. Den CSU-Politiker Markus Söder nennt die 53-Jährige einen "weiß-blauen Alpen-Taliban". Für die Flüchtlingssituation prognostiziert die Kabarettistin, dass "die eskaliert, wenn die alle mal einen Telekomanschluss haben wollen". Beim Thema Flüchtlinge verweilt Solga und traut sich auch, über die schwarzen Schafe unter den "herkunftsvariablen Neubürgern" zu sprechen. Das ist ungewöhnlich und erfordert Mut. Warum sie das tut, sagt Solga selbst: "Wir haben das hohe Gut der Meinungsfreiheit. Das heißt, jeder darf sagen, was er denkt, ohne den Vorwurf zu hören, politisch unkorrekt zu sein. Sonst entsteht ein Vakuum, und das füllen dann die Nazis mit ihren Phrasen."

Ganz nebenbei erfahren die Zuhörer noch, dass Solga die Merkel-Raute erfunden hat und was sie bedeutet ("Der Typ neben mir ist ein Arschloch"). Und die Botschaft, die wird auch überbracht: Tönisvorst ist ausgewählt als Standort für ein atomares Endlager, die Bürger werden in die Arabischen Emirate umgesiedelt, die "Ausreise ist ab sofort möglich".

Quelle: RP
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