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Tönisvorst
Was wird aus der Sekundarschule?

Tönisvorst. Zahlreiche Eltern kamen am Mittwochabend in den Tönisvorster Schul- und Kulturausschuss. Auf der Tagesordnung stand der Antrag der Sekundarschule auf Umwandlung in eine Gesamtschule. Von Stephanie Wickerath

Um es vorwegzunehmen: Eine Entscheidung ist nicht gefallen. Und wie es aussieht, wird das auch noch eine Weile dauern. Denn obwohl der Antrag der Tönisvorster Sekundarschule auf Umwandlung in eine Gesamtschule bereits seit Ende April vorliegt, will sich keine Fraktion im Schulausschuss eindeutig dafür oder dagegen aussprechen. Den Antrag auf Umwandlung hat die Sekundarschule gestellt, weil nach drei Eingangsjahrgängen mit je rund 100 Schülern zum aktuellen Schuljahr nur noch 66 Kinder angemeldet worden sind.

"Auf der Grundlage der Informationen, die wir bisher haben, können wir uns nicht festlegen", sagt Christa Voßdahls (SPD). Sabine Zeuner (CDU) findet, vor der Entscheidung sollten die betroffenen Eltern umfassender informiert und befragt werden. Die SPD geht sogar so weit, einen Bürgerentscheid in Erwägung zu ziehen, was aber aufgrund des engen Zeitrahmens organisatorisch nicht möglich sei, wie Bürgermeister Thomas Goßen klarstellt.

Michael Lambertz (UWT) merkt an, das Thema Gesamtschule werde in der Bevölkerung sehr emotional diskutiert, was eine sachliche Entscheidung erschwere. Hinzu komme, dass viele Bürger gar nicht wüssten, was eine Sekundarschule eigentlich sei. Darauf fragt Peter Siegel (CDU), wie es sein könne, dass eine Schule, die seit drei Jahren in der Stadt existiert, nicht bekannt sei. "Was wird von Seiten der Sekundarschule getan, um sich bekannt zu machen, um Schüler zu werben?", fragt der CDU-Vertreter. Christa Voßdahls (SPD) wird deutlicher: Es sei "unerträglich, wie sich zurzeit eine Schule selber beschädigt" - gemeint ist die Sekundarschule.

Im Sommer 2013 ist der erste Jahrgang der Tönisvorster Sekundarschule eingeschult worden. 104 Kinder mit Real- und Hauptschulempfehlung, auch einige Kinder mit Gymnasialempfehlung, besuchten die neue Schule, die dasselbe System wie eine Gesamtschule hat, aber keine eigene Oberstufe. Dafür gibt es eine enge Kooperation mit dem benachbarten Michael-Ende-Gymnasium. Sekundarschüler, die nach der zehnten Klasse die Qualifikation haben, können die dreijährige Oberstufe am Michael-Ende-Gymnasium oder jede andere gymnasiale Oberstufe besuchen.

Paul Birnbrich, Leiter des Michael-Ende-Gymnasiums, macht im Schulausschuss deutlich, dass seine Schule sich an den Kooperationsvertrag halte. So könnten Sekundarschüler schon früh eine zweite Fremdsprache, die im Abitur Pflicht ist, am Michael-Ende-Gymnasium besuchen, und in der zehnten Klasse würden Lehrer des Gymnasiums Kinder der Sekundarschule in Schwerpunktfächern unterrichten, um den Übergang abzufedern. Annette Stephan, seit fast einem Jahr kommissarische Leiterin der Sekundarschule, hält dagegen, dass ihre Schule selbst vier Fremdsprachen anbiete, neben Englisch auch Französisch, Spanisch und Niederländisch, man aber an einer Kooperation interessiert sei.

Der Schulausschluss einigt sich schließlich darauf, dass es im nächsten Schritt eine umfassende Bürgerinformation von der Stadt geben soll. Dem soll eine Elternbefragung der Grundschuljahre eins bis vier folgen. Sollte es ein eindeutiges Votum für eine Gesamtschule geben, muss die Stadt der Bezirksregierung nachweisen, dass die Schülerzahlen in Tönisvorst für die nächsten fünf Jahre für ein Gymnasium und eine Gesamtschule ausreichen. Außerdem muss die Stadt genügend Räume für die beiden Schulen nachweisen und finanziell in der Lage sein, zwei weiterführende Schulen dieser Größenordnung zu betreiben. Auch müssen die umliegenden Kommunen einer Gesamtschule in Tönisvorst zustimmen. Erst dann entscheidet die Bezirksregierung, ob sie dem Antrag auf Umwandlung stattgibt.

Quelle: RP
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