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Tönisvorst
Wein trinken für die Klais-Orgel

Tönisvorst: Wein trinken für die Klais-Orgel
Ursula Neugebauer, Kirchenmusikerin von St. Godehard in Vorst, präsentiert die Weinflasche, die Foto der Vorster Klais-Orgel ziert. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Ein ganzes Dorf hat dazu beigetragen, dass die Klais-Orgel in der Vorster Pfarrkirche restauriert werden konnte. Zusammen gekommen ist das Geld für die Restauration unter anderem, weil die Vorster Wein getrunken haben. Von Stephanie Wickerath

Übermäßig groß war der Gewinn nicht, den der Orgelbauverein St. Godehard durch den Verkauf des Orgelweins gemacht hat, aber wie heißt es so schön: Edler Tropfen höhlt den Stein. Oder in diesem Fall vielleicht: Edler Tropfen trägt dazu bei, dass ein Verein innerhalb von acht Jahren 200.000 Euro sammelt und dadurch in der Lage ist, eine historische Orgel in den Originalzustand zurückbauen zu lassen. "Der Gewinn aus dem Verkauf des Orgelweines war ein Baustein von vielen", sagt Ursula Neugebauer. Die Kirchenmusikerin von St. Godehard ist die Vorsitzende des Orgelbauvereins und hat zusammen mit einem tatkräftigen Vorstandskollegium in den vergangenen Jahren viele Ideen umgesetzt, um Geld in die Vereinskasse zu spülen.

So gab es einen Sponsorenlauf der Kommunionkinder, es gab Patenschaften über die Orgelpfeifen, die 30 Mitglieder des Vereins zahlten jahrelang ihre Beiträge, es gab Benefiz-Konzerte zugunsten der Orgel und zahlreiche Kollekten. "Außerdem hat der Landschaftsverband Rheinland 50.000 Euro dazu gegeben", ergänzt Neugebauer. Auch das Bistum habe die Restauration mit 10.000 Euro mitfinanziert, Sparkasse und Volksbank unterstützten das Vorhaben ebenfalls.

Die Sache mit dem Wein hatte Familie Thommeßen organisiert. "Ingrid und Joachim Greinert-Thommeßen kannten einen Winzer an der Mosel", erzählt die Organistin. Das Ehepaar bat den Winzer, verschiedene Weine und einen Prosecco aus seinem Sortiment mit dem Foto der Vorster Klais-Orgel und dem Aufdruck "Orgelwein St. Godehard" zu versehen. "Der Winzer kam dann regelmäßig mit 1500 Flaschen Riesling, Rotling, Dornfelder und Prosecco nach Vorst", schildert Neugebauer.

Bei Konzerten und Stadtfesten, kirchlichen Veranstaltungen und anderen Gelegenheiten wurde der Wein ausgeschenkt und verkauft. "Auch das Vorster Kulturcafé Papperlapapp hat uns viele Flaschen abgekauft", erzählt die Vereinsvorsitzende. Wie viel Geld der Wein schließlich eingebracht hat, weiß Ursula Neugebauer nicht, fest steht aber: Nach fünf Jahren voller Aktionen hatte der Orgelbauverein 180.000 Euro zusammen. Genug, um alle Register bis auf drei restaurieren zu lassen.

Und so erklang die historische Klais-Orgel im November 2014 zum letzten Mal mit ihren in den 50er Jahren zum Teil abgesägten und umgebauten Pfeifen. Ein ganzes Jahr sollte es dauern, bis die Orgel wieder an ihrem Platz stand und die Organistin ein Instrument spielen konnte, das es nur noch sehr selten gibt. "Mit der Klais-Orgel von 1901 verfügt die Kirchengemeinde St. Godehard Vorst über ein äußerst wertvolles Denkmal der niederrheinischen Orgelbaugesichte", schreibt der Orgelsachverständige Bernd Godemann in seinem Gutachten. Und weiter: Die Orgel besitze historisch einen hohen Wert, da das Pfeifenwerk in großen Teilen noch dem Originalinstrument entstamme und die Steuerung durch die noch intakte pneumatische Spiel- und Register-Traktur einen wichtigen Teil der Orgelbaugeschichte um 1900 repräsentiere.

"Bis Ende Juni werden auch die letzten Register, die bisher noch fehlen, eingebaut", berichtet Neugebauer. Dann ist die Vorster Klais-Orgel tatsächlich wieder so, wie sie einst vor 116 Jahren vom Orgelbauer gedacht war. 26.000 Euro wird die Vollendung des Werks noch einmal kosten. Der Verein hat das Geld bereits zusammen. Aber der Verein hat auch noch ein paar Flaschen Orgelwein. Werden die zur Feier der vollständigen Restauration geköpft? "Wir werden die letzten Flaschen noch verkaufen", sagt die Kirchenmusikerin, "schließlich brauchen wir auch weiterhin Geld, um die Orgel zu pflegen, zu reinigen und zu warten."

Quelle: RP
 
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