| 00.00 Uhr

Tönisvorst/Willich
Lisa Nysen: "Aufstehen und weitermachen"

Welt-Rheuma-Tag: Aufstehen und weitermachen
Die 23-jährige Tönisvorsterin Lisa Nysen arbeitet in der Personalabteilung einer Willicher Spedition. FOTO: KN
Tönisvorst/Willich. Heute am Welt-Rheuma-Tag wird in Berlin der Rheuma-Preis an drei Menschen verliehen, die trotz Rheuma weiter berufstätig sind, darunter auch die Tönisvorsterin Lisa Nysen, Speditionsangestellte bei Meyer Logistics in Willich. Von Kai Aussen

Bereits im Alter von fünf Jahren erhielt die Rheuma-Preis-Trägerin 2015 Lisa Nysen die Diagnose "Rheumatoide Arthritis", eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Für das Kind war es damals ein Schock und nicht einfach zu verstehen, warum es nicht mit anderen Kindern ausgelassen rennen oder spielen konnte. Heute sagt die 23-Jährige jedoch selbstbewusst: "Die Krankheit hat mich nur stärker gemacht." In ihrem aktuellen Beruf als Sachbearbeiterin in der Personalabteilung einer Spedition ist sie glücklich und hat den Arbeitgeber mit ihrem Kampfgeist und starken Arbeitswillen überzeugt. Fest im Arbeitsleben zu stehen, wie jeder andere gesunde Mensch auch, bedeutet Lisa Nysen sehr viel. In ihrem Arbeitsalltag wird sie sowohl von den Kollegen als auch von ihren Vorgesetzten geschätzt und alle haben ein offenes Ohr für die Speditionskauffrau. "Mein Arbeitgeber und ich haben bei Problemen immer gemeinsam eine Lösung gefunden, mit der wir alle gut zurechtkommen", erklärt Lisa Nysen. Dieses beidseitige Engagement wurde von der Rheuma-Preis-Jury anerkannt und mit dem Preis ausgezeichnet.

Dafür, dass sich beruflich alles so gut entwickelt hat, hat Lisa Nysen einiges getan: Gleich am ersten Tag ihrer Ausbildung erzählte sie dem Personalverantwortlichen von ihrer entzündlich-rheumatischen Krankheit und den damit verbundenen körperlichen Einschränkungen. Zunächst wurde die junge Frau mit skeptischen Fragen konfrontiert "So jung und schon Rheuma?" Aber heute bereut sie nichts und ist froh, dass sie von Anfang an offen mit ihrer Erkrankung umgegangen ist. Die Ausbildung zur Speditionskauffrau hat sie erfolgreich abgeschlossen und bekam im Anschluss daran eine Festanstellung in der Personalabteilung des Unternehmens. Dort ist sie unter anderem für die Spesenabrechnung und Überwachung bzw. Organisation von Schulungen verantwortlich. Sie hat gelernt, pragmatisch zu denken und selbstsicher mit der Diagnose Rheuma umzugehen. Auch seitens ihres Arbeitgebers erfuhr Lisa Nysen große Unterstützung und bekam ein eigens für sie eingerichtetes Büro mit für sie zugeschnittenen Hilfsmitteln zur Verfügung gestellt. Darunter finden sich z. B. zwei neue Bildschirme mit Schwenkarmen oder eine Kuvertiermaschine für das Eintüten von Briefen. Lisa Nysen trägt auch mit eigenen Ideen zu einer guten Büroorganisation bei, wovon wiederum die Kollegen profitieren: "Bedingt durch ihre rheumatischen Beschwerden ist Frau Nysen immer motiviert, Arbeitsabläufe zu vereinfachen oder zu optimieren", berichtet ihre Kollegin und Vorgesetzte Weege. "Das ist auch ein Gewinn für die gesamte Abteilung."

Fünf Fragen zu Rheuma FOTO: dpa, Andrea Warnecke

Getreu ihrem Motto "Nicht unterkriegen lassen! Aufstehen und weitermachen!" meistert Lisa Nysen ihr Leben mit der schweren Erkrankung. Erst kürzlich hat sie erfolgreich eine Weiterbildung zur Ausbilderin absolviert und wird in Zukunft für Auszubildende aller Unternehmensbereiche in ihrem Betrieb verantwortlich sein. Somit dient sie als gutes Vorbild für den Nachwuchs der Firma und für andere Arbeitnehmer mit rheumatischen Erkrankungen. Diese ermutigt sie, immer ehrlich über die Erkrankung und eventuelle Einschränkungen zu sprechen. "Nicht jeder kennt sich mit der Krankheit Rheuma aus, und durch einen offenen Umgang wird es für die Kollegen einfacher, Verständnis zu entwickeln und zu unterstützen", gibt sie anderen Betroffenen mit auf den Weg.

Lisa Nysen findet, dass der Rheuma-Preis eine tolle Möglichkeit bietet, Arbeitgebern Mut zu machen sich mit dem Thema "Rheuma am Arbeitsplatz" auseinanderzusetzen. Das Ziel sollte sein, dass mehr Rheumakranke eingestellt werden und dass sich eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber durchsetzt. Für die Zukunft wünscht sich die zielstrebige Niederrheinländerin, "dass alles so gut weiterläuft wie bisher". Mit dem Preisgeld möchte sie sich gerne einen kleinen Wunsch erfüllen und gemeinsam mit ihrem Freund auf die griechische Insel Karpathos reisen, wo es ihr bei einem früheren Urlaub gut gefallen hat.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Welt-Rheuma-Tag: Aufstehen und weitermachen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.