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Tönisvorst
"Zuhören gehört zu meiner Arbeit dazu"

Tönisvorst: "Zuhören gehört zu meiner Arbeit dazu"
Für die Tönisvorster Hilfe ist der Rentner Heinz Dahmen unablässig im Einsatz. Die Suche nach Spendern aus der Bevölkerung ist ein wesentlicher Teil seiner ehrenamtlichen Arbeit. FOTO: : Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Als ehrenamtlicher Fahrer des Bürgerbusses hat Heinz Dahmen stets ein offenes Ohr für die Geschichten und Nöte seiner Fahrgäste. Auch als freiwilliger Helfer bei der Tönisvorster Hilfe macht der 69-Jährige zig Kilometer. Von Beate Wyglenda

Sie sind Helfer im Stillen. Nicht als Vereinsfunktionäre, nicht als Menschen der Öffentlichkeit sind sie bekannt. Und doch ist ihr ehrenamtlicher Einsatz von großem Wert für ihre Stadt. In der Adventsserie der Rheinischen Post "Engel im Alltag" sollen diese Helfer einmal vorgestellt werden.

Einer dieser "Engel im Alltag" ist Heinz Dahmen aus Tönisvorst. Erstvergangenes Jahr ist der 69-Jährige aus Krefeld nach St. Tönis gezogen. Schon bald darauf nahm er seine ehrenamtliche Arbeit bei der Tönisvorster Hilfe sowie dem örtlichen Bürgerbusverein auf. "Ich habe die Zeit dafür und Spaß an der Arbeit", sagt der Rentner. "Was soll ich denn zu Hause sitzen, wenn ich anderen Menschen stattdessen helfen kann?"

Seit März dieses Jahres fährt Dahmen deshalb ein- bis dreimal die Woche Bürgerbus. Freunde haben ihn auf die bürgerschaftliche Initiative aufmerksam gemacht und erklärt, dass der Bus Unterstützer braucht. "Ich habe mir gedacht, das könne man mal ausprobieren, und schon bei den ersten Fahrten Gefallen gefunden", sagt Dahmen. Vor allem das Vertrauen der Menschen und die zahlreichen Geschichten, die "seine Senioren" erzählen, begeistern den Ehrenamtler. Aber auch die Dankbarkeit, die ihm begegnet, ist Antrieb, sich weiter zu engagieren. "Es sind ja hauptsächlich ältere Herrschaften, die den Bus nutzen", erklärt Dahmen. "Für viele ist der Bürgerbus nicht nur das einzige Verkehrsmittel, um aus den Außenbezirken in die Stadt zu kommen, sondern oft auch eine der seltenen Möglichkeiten, um mit jemandem zu reden."

Meist sind es amüsante Geschichten, die Dahmen bei den Fahrten zu hören bekommt. Von Familienfeiern ist die Rede, von Ausflügen oder dem neuesten Klatsch. Doch gerade während der letzten Touren kriegt der Helfer auch ernste Themen mit. "Wenn die Leute alleine sind und mir vertrauen, kommen schon mal traurige Geschichten zur Sprache, von Krankheiten oder den schwierigen Verhältnissen in der Familie", so Dahmen. "Oft ist ja niemand zu Hause, bei dem sie sonst ihr Herz ausschütten können." Das aufmerksame Zuhören gehört für den 69-Jährigen daher genauso zur Arbeit wie das vorsichtige Fahren oder das Ein- und Ausladen der Einkaufstaschen, Rollatoren und Co. "Manche steigen auch ein und fragen, ob sie einfach so für eine Stunde mitfahren dürfen", erzählt Dahmen.

Mindestens genauso wichtig ist dem Freiwilligen jedoch die ehrenamtliche Arbeit bei der Tönisvorster Hilfe. Alle zwei Wochen bietet die Organisation im Marienheim, Friedensstraße 1, finanzschwachen Menschen wie Hartz-IV-Empfängern, Obdachlosen oder Flüchtlingen Lebensmittel kostenlos an. "Da hängt eine ganze Menge Arbeit mit dran", sagt der Rentner. "Doch zu sehen, wie dieses Angebot bedürftigen Menschen - darunter auch Kindern - hilft, ist einfach toll. Das macht mir Freude", betont er.

Dienstag ist der "Abhol-Tag". Da besuchen die Helfer verschiedene Bauernhöfe, um nach Spenden von Obst und Gemüse zu fragen. Weitere Unterstützung bekommt die Tönisvorster Hilfe dank Kooperationen auch von Bäckereien, Metzgereien, der Krefelder Tafel und dem Rewe-Markt oder bei Aktionen wie "Kauf ein Teil mehr" direkt von den Bürgern. Darüber hinaus hält die Organisation in drei Lagern nichtverderbliche Lebensmittel wie Mehl oder Zucker auf Vorrat bereit. "Das ist unser Wanderzirkus", sagt Dahmen. "Da die Lager verstreut liegen, ist das Abholen der Lebensmittel stets sehr aufwendig und eine ganz schöne Schlepperei. Toll wäre eine kleine zentrale Halle, die wir für kleines Geld anmieten könnten."

Sind am Mittwoch alle Lebensmittel im Marienheim zusammengetragen, fängt die Arbeit erst richtig an. Das gesamte Obst und Gemüse wird nach Schad- und faulen Stellen durchsucht, geputzt und portionsweise verpackt. Hinzu kommt der Auf- und Abbau der Ausgabetheke. Um 11.30 Uhr beginnt dann die Verteilung. Die ersten Abholer, so Dahmen, stehen allerdings schon um 8 Uhr parat. "Genauso wie die Helfer", sagt er schmunzelnd. Nur dass die Helfer bis zum späten Nachmittag bleiben. Missen will Dahmen den Einsatz dennoch nicht: "Jeder muss selbst entscheiden, ob er das auf sich nehmen will. Mir ist die Arbeit einfach wichtig, und Spaß macht sie allemal", erklärt der Ehrenamtler.

Quelle: RP
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