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Tönisvorst
Zwei Königinnen verleihen den Tasten Flügel

Tönisvorst. Mit ihrer Mischung aus virtuosem Klavierspiel, eingängigen Gesangseinlagen, charmanter Moderation und einem guten Schuss Selbstironie und Humor begeisterten Jennifer Rüth und Anne Folger ihr Publikum. Zusammen sind sie die "Queenz of Piano" und bewiesen mit ihrem turbulenten Programm "Tastenspiel", dass sie wahre "Tastenteufelinnen" sind. Souverän im Umgang mit dem Publikum, meisterhaft mit Effekten spielend, mit komödiantischem Talent gesegnet und dabei noch erstklassige Pianistinnen, so gewannen die aus Freiburg und München stammenden Künstlerinnen die Herzen ihrer Zuschauer im Forum Corneliusfeld. Von Jürgen Karsten

Ob sie sich einen gut inszenierten Zickenkrieg im imaginären Pianowettstreit liefern oder den populären Türkischen Marsch von Mozart als kulturelles Sparpaket kürzen (nicht neu der Einfall, aber gut umgesetzt) - immer sind die beiden Pianistinnen an zwei Flügeln musikalisch auf der Höhe der Zeit. Sie decken eine immense Bandbreite ab: Von der Klassik bis zum Jazz und zur lateinamerikanischen Musik ist alles im Programm enthalten.

Das Konzert beginnt mit Filmmusik aus "Mission Impossible", die sie mit donnernden Anschlägen intonieren, gefolgt von dem Westernsound aus den "Glorreichen Sieben". Dann spielt Anne Folger Antonio Vivaldi eindrucksvoll mit Pizzicatoklängen. Später beweist sie außergewöhnliches Jazzfeeling und spielt mit viel Drive und Temperament. Jennifer Rüth ist nicht minder brillant am Flügel, hat dazu noch eine eindrucksvolle Stimme. Das Spiel der immer flinken Finger ist auf einem großen Schirm als Projektionsfläche zu bewundern. Die "Klaviergöttinnen" im schicken Auftrittsdress fügen überraschende Effekte ein: Sie zupfen im Innern des Flügels Saiten, machen Musik mit Dosendeckel, Schlosskette und Milchaufschäumer und sind zwischendurch auch noch ihre eigene Percussiongroup. Eine Hommage an den Geliebten ("Was Du mir bedeutest") entpuppt sich am Ende als Ode an das geliebte Klavier. Die Damen sind dabei noch so gelenkig, dass sie auch mit Körperverdrehungen ihr Klavier seitwärts und rückwärts spielen können und tragen dazu einen regelrechten Rhapsody-Ringkampf zu Werken von Liszt auf ihrem Klavierschemel aus. Slapstick in Reinkultur und Meisterschaft auf der Tastatur. Beide spielen - perfekt aufeinander eingestimmt - an zwei Flügeln oder vierhändig an einem Piano, immer ein Ohrenschmaus und eine Augenweide. Da wird das Klavier im Innenleben nach Art der Zither gezupft und dazu bayrisch-fröhlich gesungen, das fetzige "Brazil" entführt in südliche Gefilde, Ragtime-Zeit ist auch noch und selbst der Tango Argentino nach Art des Astor Piazolla fehlt nicht. Das Publikum, längst bestens animiert, summt den Grundsong mit, wenn die beiden Ausnahmetalente ihre musikalischen Themen variieren. Mitreißend: der "Säbeltanz" von Chatschaturjan und am Ende ganz global das traditionelle "Der Mond ist aufgegangen", übersetzt in Sprachen von Ungarisch bis Koreanisch.

Begeisterter Applaus und viele Zugaben.

Quelle: RP
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