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Serie Was Ist Drin Im Einsatzfahrzeug? (3)
2000 Liter Wasser für zwei Minuten Löschen

Serie Was Ist Drin Im Einsatzfahrzeug? (3): 2000 Liter Wasser für zwei Minuten Löschen
Das Fahrzeug mit dem Namen "Florian Nkr. 3 HLF 20 1" hat Wassertanks, Pumpen und viel technisches Gerät an Bord. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Das Gefährt ist so hoch wie ein Bungalow und in Länge und Breite größer als eine Garage. Das 2011 angeschaffte "Hilfeleistungs- und Löschfahrzeug" der Niederkrüchtener Feuerwehr bietet modernste Technik auf engstem Raum. Von Jochen Smets

NIEDERKRÜCHTEN "Florian Nkr. 3 HLF 20 1" ist ein ziemliches Ungetüm. Schon hinter einem Reifen könnte sich ein i-Dötzchen bequem verstecken. Über den vier Rädern türmt sich modernste Feuerwehrtechnik. Das Hilfeleistungs- und Löschfahrzeug, das da bullig und extrem breitschultrig im Oberkrüchtener Gerätehaus steht, bringt es auf 15 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Da braucht es dann schon 300 PS unter der Haube. Die beschleunigen das Schwergewicht auf 90 Stundenkilometer.

Wenn Michael Dempsey, Gerätewart bei der Gemeindefeuerwehr, den Laderaum öffnet, verblüfft schon die Vielzahl der Geräte und Utensilien. Kein Kubikzentimeter Laderaum ist verschwendet. Da gibt es die hydraulische Rettungsschere, die mit ihren gewaltigen Scherblättern mal eben ein Autodach durchtrennt.

Da gibt es aber auch Kleinzeug, das man glatt übersehen könnte. Klebeband zum Beispiel - unscheinbar, aber wichtig: Bei Autounfällen wird damit die Seitenscheibe abgeklebt, die der Einsatztrupp dann zertrümmern und in einem Stück herausnehmen kann.

Im ersten der sechs Seitenfächer verbirgt sich eine Pumpe, mit der ein autarkes Löschen möglich ist, wenn die übrige Fahrzeugtechnik ausfallen sollte. Im zweiten Fach befinden sich eine Kabeltrommel, eine elektrische Tauchpumpe für vollgelaufene Keller, Ölbindemittel, ein Elektro-Werkzeugkasten, ein 20-Liter-Dieselkanister und ein Drucklüfter für verqualmte Räume. Zwei 1000-Watt-Strahler machen im Einsatzfall die Nacht zum Tag.

Hitzeschutzgarnituren, ein Hygienebord, Schutzbrillen und eine Auswahl von Strahlrohren finden sich im dritten Fach. Die Strahlrohre gibt es in diversen Durchlassmengen von 50 bis 235 Liter pro Minute. "Je nach Stärke des Brandes versuchen wir, mit so wenig Löschwasser wie möglich auszukommen", erklärt Dempsey. Bei einem Wohnungsbrand zum Beispiel ist es das Ziel, sicher und schnell zu löschen, aber dabei den Wasserschaden so gering wie möglich zu halten.

Im hinteren Teil sind auf einer Haspel 140 Meter Schlauchmaterial aufgerollt. Im Heck befindet sich der 2000 Liter fassende Löschwassertank. Hinzu kommt ein Schaummitteltank mit 200 Liter Volumen. 2000 Liter Wasser sind in Feuerwehr-Dimensionen übrigens ein Schnapsglas: Diese Menge reicht im Löscheinsatz gerade mal für zwei Minuten. Aber die sind zur Erstbekämpfung eminent wichtig. Während dieser Zeit zapft der Wassertrupp den nächsten Hydranten an.

Einige teils brachial anmutende Gerätschaften runden das Material-Sortiment ab. Dazu gehören Äxte, zwei Motorsägen, ein Einbruchswerkzeug (falls eine zu rettende Person ohnmächtig hinter der Eingangstür liegt) und eine hydraulische Winde, die unter Wehrleuten treffend "Büffelheber" genannt wird. Beim Blick in die Fahrerkabine, die neun Mann Besatzung beherbergt, fallen im Mannschaftsbereich Atemschutzgeräte, Funkgeräte und Schutzmasken ins Auge. All das legen die Kameraden während der Fahrt an, damit möglichst wenig Zeit verloren geht. Über eine Überwachungstafel kann der Maschinist den Füllstand der Atemschutzgeräte kontrollieren und so die maximale Einsatzdauer und den damit verbundenen Rückzug koordinieren. Und dann ist da ein Navi, das nur auf den ersten Blick handelsüblich ist: Das Ziel samt passender Route wird direkt aus der Kreisleitstelle aufgespielt. Und dann geht es mit 300 PS zum Einsatzort.

Quelle: RP
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