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Kreis Viersen
40 Prozent sind fremdenfeindlich

Anders als jener Viersener Ratsherr, der nach dem Rechtsextremismus-Bericht gut schlafen kann, kommt der Politikwissenschaftler Klaus-Peter Hufer zu einem anderen Schluss: Das Potenzial für Rechtsextremismus ist vorhanden, es ist unauffällig, aber im Ernstfall mobilisierbar.

Hufer zieht seine Erkenntnisse weniger aus der Polizeistatistik, sondern aus soziologischen Untersuchungen wie den so genannten "Mitte"-Studien, die die rechtsextremen Einstellungen der Deutschen bundesweit unter die Lupe nehmen. Das Bild, das die Studien zeichnen, sei wesentlich subtiler, erklärt Hufer. Zwischen sieben und zehn Prozent der Bevölkerung haben ein geschlossenes, rechtsextremes Weltbild. Dies ist gegeben, wenn jemand eine anti-demokratische, antisemitische, nationalistische und fremdenfeindliche Einstellung hat, keine Toleranz gegenüber Andersdenkenden zeigt und den Nationalsozialismus relativiert.

Viel beunruhigender als die Minderheit mit geschlossenem Weltbild findet der Politikwissenschaftler aber noch eine andere Zahl aus den Studien: Rund 40 Prozent der Bevölkerung haben fremdenfeindliche Einstellungen. Dies zeige, dass Fremdenfeindlichkeit kein Randphänomen sei. "Es kommt aus der Mitte", sagt Hufer.

Gespeist würden die fremdenfeindlichen Einstellungen durch viele soziale Faktoren, auch durch die Abstiegsangst der Mittelschicht. Da komme soziale Besitzstandswahrung zum Tragen, es gebe Bedrohungsgefühle ("Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg", "Die leben auf unsere Kosten").

"Es ist kein Widerspruch, dass wir derzeit eine aufgeschlossene Haltung und eine große Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen erleben", sagt Hufer. Die Nagelprobe werde kommen, wenn die Flüchtlingslage zur Normalität geworden sei, wenn man allen vielen Ecken mit materiellen und sozialen Herausforderungen zu kämpfen habe. "Dann wird sich zeigen, wie stabil die freundlichen Gefühle sind."

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(saja)
 
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