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Brüggen
76 Tiere bei Drückjagd erlegt

Brüggen: 76 Tiere bei Drückjagd erlegt
Brüggens Bürgermeister Frank Gellen (v.l.), Hegeringleiter Jörg Weinmann und Richard Holthausen, Betriebsleiter der Diergardt'schen Forstverwaltung, im Museum Mensch und Jagd in der Burg. Vorn im Bild ein im Museum ausgestellter Frischling. FOTO: Ronge
Brüggen. Mit einer revierübergreifenden Maßnahme haben rund 100 Jäger und 60 Treiber Wildschweine im Brüggener Wald aufgebracht. Die wachsende Population stellt zunehmend eine Gefahr dar Von Birgitta Ronge

In einer großen gemeinsamen Aktion haben Jäger im Brüggener Wald eine revierübergreifende Drückjagd organisiert. Auf einer Fläche von rund 1300 Hektar brachten die Teilnehmer Tiere auf. Dabei waren rund 100 Schützen im Einsatz sowie 60 Treiber und 70 Hunde, sie erlegten 76 Wildschweine.

Unterstützt wurden die Jäger von der Gemeinde Brüggen, der Forstbehörde, den Behörden auf der niederländischen Seite, der Feuerwehr und der Polizei, die halfen, die L 373 zwischen Brüggen und Swalmen für die Jagdzeit zu sperren, und dem Kreis Viersen, dessen Veterinäramtsmitarbeiter vor Ort Blutproben der erlegten Wildschweine nahmen und die Kadaver auf Trichinen prüften. Die Burggemeinde hatte die revierübergreifende Drückjagd und die damit verbundene Straßensperrung angekündigt, jetzt zogen Jäger mit Brüggens Bürgermeister Frank Gellen (CDU) eine erste Bilanz. Eine Nachbesprechung der Beteiligten soll im Februar folgen.

Grund für den Großeinsatz der Jäger ist der steigende Wildschwein-Bestand. Er stellt nach Einschätzung der Organisatoren zunehmend eine Gefahr dar, und zwar aus mehreren Gründen: Da ist zum einen die Afrikanische Schweinepest (ASP), eine Tierseuche, die sich seit 2007 in Osteuropa ausbreitet. Erkrankte Wild- und Hausschweine wurden aus Russland, Georgien, der Ukraine, Litauen, Polen, Lettland und Estland gemeldet, im Juni 2017 wurde der erste Fall in der Tschechischen Republik bekannt.

Das Friedrich-Loeffler-Institut bewertet die Gefahr, die Seuche nach Deutschland einzuschleppen, als sehr hoch, und warnt vor den Folgen für Tiergesundheit und Handel: Erkrankt ein Hausschwein in einem Mastbetrieb, muss der gesamte Bestand gekeult werden.

Als vorbeugende Maßnahme hat das Land Nordrhein-Westfalen daher die Schonzeit für die Bejagung von Wildschweinen aufgehoben, Jäger erhalten außerdem einen Zuschuss für die Trichinenuntersuchung von Frischlingen. Ziel ist es, die hohe Schwarzwilddichte zu minimieren und so das Risiko zu verringern, dass die Seuche eingeschleppt wird und sich ausbreitet.

Durch mehr Wildschweine steigt auch das Risiko für Wildunfälle und Schäden durch die Tiere. Bürgermeister Gellen war bei der Drückjagd dabei und berichtet: "Ich habe an vielen Stellen Wildschäden gesehen und glaube, dass man etwas tun muss. Das weiß ich auch aus Gesprächen mit Landwirten. Die Vielzahl der Schäden häuft sich."

Dass sich Wildschweine so stark vermehren, liege an den milden Wintern, erklärt Jörg Weinmann, Hegeringleiter in Brüggen: Wildschweine wühlen mit der Schnauze die Erde auf, um Nahrung zu finden. Unter einer Schneedecke, im gefrorenen Boden, ist das nicht möglich, die Tiere verhungern. Hinzu komme der große Anteil von Maisfeldern, in denen sich Wildschweine "sehr wohl fühlen", ergänzt Richard Holthausen, Betriebsleiter der Diergardt'schen Forstverwaltung.

Unter den 76 erlegten Tieren waren Wildschweine in jedem Alter - vom Frischling bis zum vierjährigen Keiler. "Jäger sind gehalten, immer zuerst die jungen Tiere zu schießen", sagt Weinmann, "nicht die Muttertiere. Es ist verboten, Muttertiere von den Frischlingen wegzuschießen, dann haben die Jungtiere keine Führung mehr." Würde man nur ältere Tiere schießen, nicht aber den Nachwuchs, wäre das "kontraproduktiv", sagt Holthausen, "weil wir den Bestand dann nicht reduzieren würden".

Auch wenn der Aufwand für die Drückjagd groß war, können sich Holthausen und Weinmann eine Wiederholung vorstellen. "Aber nicht für fünf Schweine", betont Weinmann, "sondern höchstens einmal im Jahr". In welchen Abständen man revierübergreifende Jagden organisiere, müsse man vom Bestand abhängig machen. Im Vergleich zu der normalen Bejagung im Revier habe solch eine große Aktion "die höchste Effizienz", so Holthausen. Er warnt: "Wenn man nicht an den Erfolg anknüpft, verpufft die Wirkung ganz schnell."

Quelle: RP
 
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