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Niederkrüchten
800 Teilnehmer bei AfD-Gegendemo – beeindruckend friedlich

AfD-Demo in Niederkrüchten-Elmpt: 800 Teilnehmer bei Gegendemo
Mit einer bunten und fröhlichen Vielfalt demonstrierten Bürger in Niederkrüchten gegen die Kundgebung der AfD. Auslöser war das Vorhaben, in Elmpt demnächst etwa 2500 Flüchtlinge in der Erstaufnahme unterzubringen. FOTO: Siemes
Niederkrüchten. Mehr als 800 Bürger hauptsächlich aus Niederkrüchten und Umgebung begegneten am Freitagabend einer AfD-Kundgebung in Elmpt mit fröhlicher Präsenz und einer geschickten Strategie. Die AfD zog etwa 150 Demonstranten an. Von Heike Ahlen und Jochen Smets

Die vom Landesverband der AfD initiierte Kundgebung am Freitagabend in Elmpt und die Gegendemonstrationen sind ruhig verlaufen. Etwa 800 bis 900 Bürger, überwiegend aus Niederkrüchten und Umgebung, standen nach Schätzung der Polizei rund 150 Anhängern der AfD gegenüber. Die Polizei war mit einem nicht näher bezifferten Großaufgebot nach Niederkrüchten gekommen. Elmpt war Ziel der Demonstration, weil auf dem früheren britischen Militärgelände etwa 2500 Flüchtlinge untergebracht werden sollen.

Die Gegendemonstranten schlossen sich gegen 20 Uhr am Rathaus und auf der Poststraße zu einer fröhlichen und bunten Gesellschaft zusammen, in der die drei Gruppen verschmolzen. Sie waren zunächst getrennt und unterschiedlich gegen die AfD-Veranstaltung vorgegangen. Im "Malerviertel" hatte die "Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken" rund 350 Menschen mobilisiert, die auf der Straße ihren Unmut über die AfD äußerten. Christoph Szallies (Grüne) rechnete den sich diszipliniert und ruhig verhaltenden Zuhörern vor, dass eine Million Flüchtlinge zwar zehn Milliarden Euro in diesem Jahr kosten, aber Deutschland ganz andere Summen für die Euro-Rettung oder die Rüstung ausgebe.

In der nahen Pfarrkirche St. Laurentius hatte die Kolpingbewegung einen Wortgottesdienst organisiert, an dem mehr als 250 Menschen teilnahmen. Pfarrer Wolfram Weihrauch stellte aus dem Römerbrief des Paulus den Satz "Wir müssen als die Starken die Schwäche derer tragen, die schwach sind und dürfen nicht für uns selbst leben" in den Mittelpunkt, später ausgelegt in der Predigt von Dietmar Prielipp aus Hinsbeck, dem Geistlichen Leiter des Kolpingwerkes im Bistum Aachen. Der evangelische Pfarrer Bernd Mackscheidt stellte fest: "Gäste, das sind Fremde, Reisende. Sie hoffen darauf, dass jemand ihnen die Tür öffnet."

In und an der Gaststätte "Zur Post" trafen sich mit Vertretern des öffentlichen Lebens mehr als 300 Bürger. Niederkrüchten stehe für Offenheit und Toleranz, unterstrich Bürgermeister Kalle Wassong. Er sei "beeindruckt und bewegt" von der Teilnahme so vieler Menschen. Er knüpfte an den in Elmpt intensiv begangenen Weltjugendtag 2005 und das offizielle Lied mit dem Titel "Gäste sind ein Segen" an. Hatte es anfangs einige Irritationen zur Strategie gegeben, sich in der Kirche oder in der Gaststätte zu treffen, so erwies sie sich als sehr wirkungsvoll. Die Menschen zeigten in ihrer Ruhe eine beeindruckend friedliche und friedfertige Präsenz und ein fröhliches Miteinander. Es wurden weder Lieder gesungen noch Parolen geschmettert.

Die AfD hatte sich just in Bewegung gesetzt, als es stark zu regnen begann. An der Alten Zollstraße im weiteren Verlauf durch den Ort blieben viele Häuser dunkel. Dafür waren entlang der Strecke viele bunte "Männchen" angebracht, die auch etliche Gegendemonstranten mit sich trugen. Als an einem Haus dessen Bewohner den AfD-Anhängern "Pfui, ihr solltet euch schämen" zuriefen, war bei einigen für einen Augenblick die äußere Zurückhaltung vorbei. Sie schrien "Volksverräter" und andere Beleidigungen, wurden aber von Begleitern zur Ruhe ermahnt. Die AfD suchte offensichtlich unter allen Umständen ein prolliges Auftreten zu vermeiden. NRW-Vorsitzender Marcus Pretzell war Hauptredner am Adolf-Kolping-Platz.

Unterdessen trafen sich die drei Gruppen aus Gegendemonstranten im Umfeld des Rathauses. Vereinzelt gab es höhnische Rufe ("Kein Abschluss, aber eine Partei") in Richtung AfD, aber im wesentlichen konzentrierten sich die Bürger auf sich. Von ihnen hörte so gut wie niemand zu, was bei der AfD gesagt wurde - das wäre allerdings auch schwierig gewesen, weil die Polizei beide Gruppen auf Abstand hielt.

Quelle: RP
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