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Niederkrüchten
AG Fluglärm hört nach fast 30 Jahren auf

Niederkrüchten. Am 30. Oktober 1987 begann der Kampf der Aktionsgemeinschaft Fluglärm gegen Tornado-Jets der Royal Air Force. Die Flugzeuge wurden abgezogen, der Flughafen wird als solcher nicht mehr genutzt. Nun löst sich der Verein auf Von Jochen Smets

Die Aktionsgemeinschaft Fluglärm löst sich auf. Sie ist schlicht überflüssig geworden. Fluglärm gibt es in Elmpt seit dem Abzug der letzten Tornadostaffel Ende 2001 nicht mehr. Dennoch war die Aktionsgemeinschaft stets in Alarmbereitschaft: Immer mal wieder kursierten Szenarien einer irgendwie gearteten fliegerischen Folgenutzung, zum Beispiel als Frachtflughafen, Sportflughafen oder regionaler Touristikflughafen.

Das alles ist lange vom Tisch: Das auf breiter Ebene zwischen Gemeinde, Kreis und Land abgestimmte Folgenutzungskonzept sieht die drei Säulen Natur ("Grün bleibt Grün"), Gewerbe und erneuerbare Energien vor. Eine fliegerische Nutzung spielt darin keine Rolle mehr. Damit ist der Vereinszweck der Aktionsgemeinschaft, nämlich der Kampf gegen Fluglärm, nicht mehr gegeben. Am 12. Mai beschlossen die 16 zur letzten Versammlung erschienenen Mitglieder daher die Auflösung zum 30. September 2016. Es war das unspektakuläre Ende eines mitunter ziemlich spektakulären Vereins.

Am 30. Oktober 1987 gründete sich die Aktionsgemeinschaft Fluglärm. Drei Jahre zuvor waren die ersten Tornados auf dem britischen Militärflughafen stationiert worden. Ihre Triebwerke schoben dem Lärmpegel im Vergleich zu den Vorgänger-Maschinen des Typs Jaguar an den Rand des Erträglichen und oft darüber hinaus. Selbst an Wochenenden gab es selten Ruhe. Die Kommunikation zwischen Gemeinde und Royal Air Force war schwierig.

Die AG Fluglärm setzte darum auf eine Mischung aus Dialog und kräftigen Nadelstichen. Eine ihrer aufsehenerregendsten Aktionen startete die AG am 29. September 1990. Vereinsmitglieder ließen von ihren Wohnhäusern in einer konzertierten, streng geheim gehaltenen Aktion um Punkt 11 Uhr jeweils einen großen gasgefüllten Luftballon an einer 50 Meter langen Leine aufsteigen. Am Ende standen über 100 Ballons von je einem Meter Durchmesser in Tornado-Tiefflughöhe am Elmpter Himmel. Die Tornados mussten an diesem Tag am Boden bleiben.

Diese und andere provokante Aktionen, etwa 1992 gegen die Lagerung von Atombomben auf dem Flughafengelände, machten die Fluglärm-Belastungen in Elmpt auch überregional bekannt und bescherten der AG Fluglärm rasanten Zulauf. Die Mitgliederzahl stieg zu Anfang der 1990er Jahre auf über 600. "Wir hatten Mitglieder aus allen politischen Lagern", erinnert sich die langjährige Vorsitzende Marianne Lipp. Die Briten waren des öfteren alles andere als "amused" über den Stil der AG Fluglärm, doch die Aktionsgemeinschaft erwarb sich über die Jahre auch Respekt für ihre Beharrlichkeit. Der Dialog über den Flughafenzaun hinweg kam jedenfalls in Gang - nicht trotz, sondern auch wegen der AG Fluglärm.

Quelle: RP
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