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Viersen
Aktuell und ergreifend

Viersen. Nettetal (b-r) Schon zu Beginn des Stücks ist die Hauptfigur tot. Willy Loman hat sich umgebracht, denn "tot ist man mehr wert als lebendig". Und dann beginnt die Erzählung, die auf diesen Tod hinläuft. Knapp 70 Jahre alt ist das Drama "Tod eines Handlungsreisenden" von Arthur Miller. Und immer noch hochaktuell und ergreifend, sogar komplex, geht es doch nicht nur um die profitorientierte Gesellschaft, sondern um die ganz persönliche Entwicklung.

Man windet sich förmlich in seinem Theatersessel in der Werner-Jaeger-Halle, um nicht so dicht an dem Schicksal dieser Familie aus den späten 1940er-Jahren Anteil nehmen zu müssen. Was selbstverständlich nicht gelingt. Dafür sorgen Regisseur Harald Demmer und sein Ensemble von den Schauspielbühnen Stuttgart. Ihnen gelingt es, die fatalen familiären Verstrickungen, die Lebenslügen, die von Ehefrau und Söhnen gehegt werden, die Aussichtlosigkeit eines Lebens, das in Arbeitslosigkeit und Desillusionierung mündet, so überzeugend zu zeigen, dass man manchmal wegsehen und weghören möchte.

Eine erstaunliche Leistung des Ensembles ist es, über zwei Stunden lang präsent zu bleiben in diesem Stück, das zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Realität und Tagtraum, zwischen Wahn und Vernunft hin und her springt. Dem Zuschauer helfen sphärische Klänge und auf den Vorhang projizierte Bilder, der das Haus der Lomans (grandioses illusionistisches Bühnenbild von Oliver Kostecka) abschließt, um die unterschiedlichen Erzählebenen voneinander unterscheiden zu können.

Helmut Zierl als Willy Loman, Stephanie Theiß als seine Frau sowie die beiden Söhne, dargestellt von Jean Paul und Jonas Baeck, verflechten sich als eine Familie, der man jedes Wort abkauft.

Quelle: RP
 
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