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Viersen
"Alk macht hohl": Schüler warnen Schüler

Viersen. Ab Montag gehen Schüler des Berufskollegs in achte Klassen der Viersener Schulen, um mit 13- und 14-Jährigen über Alkoholkonsum an Karneval zu sprechen. Über das Projekt "Alk macht hohl" erreichen sie so mehr als 800 Jugendliche. Von Sabine Janssen

Wenn Vincent Forck und seine Gruppe ihre Präsentation bei den Achtkläßlern beginnen werden, ist betretenes Schweigen gewiss. Sie starten mit einem Video über einen jungen betrunkenen Autofahrer. Danach wollen die Schüler der Höheren Berufsfachschule für Sozialwesen mit den 13- und 14-Jährigen über das Trinken vor allem an den Karnevalstagen reden.

Ab Montag gehen die Berufsschüler in die weiterführenden Schulen. Insgesamt 32 achte Klassen an Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen werden sie besuchen und damit mehr als 800 junge Viersener erreichen.

Das Projekt "Alk macht hohl" ist ein Klassiker der Suchtprävention in Viersen. Das Aufklärungsprogramm läuft in siebter Auflage - mit Erfolg wie Projektleiterin Susanne Rosen von der Fachstelle Kinder- und Jugendschutz der Stadt und Michael Hartges von der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe finden.

"Entscheidend ist, dass Schüler mit den 13- und 14-Jährigen auf Augenhöher reden. Sie erreichen die Jugendlichen ganz anders, als wenn wir Erwachsene mit ihnen reden", sagt Rosen. Für Suchtberater Hartges geht es nicht darum, den Jugendlichen den Spaß am Feiern und an Karneval zu verderben. "Feiern muss man lernen. Das gilt übrigens auch für Erwachsene. Aber vielen jungen Leuten ist nicht bewusst, worauf sie sich einlassen, wenn sie zu viel Alkohol trinken."

Daran wollen Vincent Forck, Vanessa Bilitz, Kristina Kuznecov, Linda Schomberg, Tjalling Harkema mit ihren Gruppen arbeiten, wenn sie ab kommender Woche in die Klassen gehen. Jede Berufsschulgruppe hat sich für eine 60-minütige Unterrichtsstunde ein Programm erarbeitet, in dem sie über die Gefahren und Folgen des exzessiven Trinkens sprechen. "Es kann auch passieren, dass man betrunken gefilmt wird, wie man im Erbrochenen liegt, und der Film dann über Facebook verbreitet wird", warnt Kristina Kuznecov. Die Berufsschüler haben auch einen Parcours vorbereitet. Mit einer Skibrille können Freiwillige testen, wie es ist, mit verzerrter Sicht über eine Zickzack-Linie zu laufen oder eine SMS zu schreiben.

"Suchtprävention ist ganzjährig ein Thema, aber Karneval ist ein Kristallisationspunkt für Alkoholmissbrauch", sagt Hartges von der Suchtberatung. Ein Augenmerk von Jugend- und Ordnungsamt, Deutschem Roten Kreuz (DRK) und Suchtberatung liegt auf Altweiber in Dülken. "Wir versuchen bereits, das Vorglühen auf Spielplätzen freundlich zu unterbinden", sagt Thomas Biener vom Ordnungsamt.

Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen an Altweiber in Dülken schwankt stark. Im vergangenen Jahr zählte man 16 Alkoholvergiftungen, in 2014 waren es zwölf. 2013 gab es acht Fälle, 2012 waren es 27 Alkoholvergiftungen. "Der Alkoholmissbrauch nimmt nicht generell zu, aber wir müssen leider feststellen, dass die betrunkenen jungen Leute immer aggressiver werden", sagen Biener und DRK-Rettungssanitäter Marc Kreis. Mehrfach wurden im vergangenen Jahr Ordnungshüter und Helfer angespuckt. In einem Fall wurde ein Sanitäter sogar verletzt.

An den Karnevalstagen richtet die Stadt "Jugendschutzstellen" ein mit je zwei bis drei Mitarbeiter, die alkoholisierte Jugendliche betreuen, bis sie von den Eltern abgeholt werden. Die Jugendschutzstellen sind an Altweiber und Rosenmontag sind an der Kreuzherrenstraße in den Räumen der Pfarre St. Cornelius (gegenüber Hausnummer 13-15) und am Tulpensonntag an der Rektoratsstraße 18 im Gebäude der NEW.

Quelle: RP
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