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Viersen
Alle Nachbarn suchten Dogge Olaf

Viersen. Wenn an Silvester die Böller krachen, laufen viele Hunde in Panik davon. Auch die Dogge der Familie Pilates büxte aus und brach sich ein Bein. Nachbarn sammelten Spenden für das verletzte Tier. Von Sabine Janssen

So hatte sich die Familie Pilates ihre Silvesterparty nicht vorgestellt. Mit den Nachbarn hatten sie feiern wollen. Doch stattdessen suchten alle nach Dogge Olaf. Um Mitternacht konnten sie doch noch erleichtert anstoßen: Olaf wurde verletzt geborgen und in die Tierklinik gebracht. Gestern wurde der einjährige Rüde an einem Splitterbruch operiert und darf vermutlich heute nach Hause.

"Mein Mann war gegen 18 Uhr mit ihm spazieren gegangen, als ein Kracher losging", erzählt Silke Pilates. In blinder Panik riss sich Olaf los und lief davon. Freunde und Nachbarn machten sich auf die Suche. Die Familie verständigte die Polizei. Um 19 Uhr setzte sie auf Facebook einen Hilferuf ab. Gegen 22 Uhr schließlich fand ein Mann das verängstigte Tier auf dem Parkplatz von Tedox. Die Deutsche Dogge war vor ein Auto gelaufen und hatte sich danach in die hinterste Ecke des Parkplatzes unter einen Anhänger verkrochen. "Ich glaube nicht, dass er die Nacht dort überlebt hätte. Wir mussten den Anhänger anheben, um ihn da rauszuholen", erzählt sein Frauchen. Das Tier sei so traumatisiert gewesen, dass es selbst auf dem Weg in die Tierklinik Venn keinen Mucks von sich gegeben habe.

Olaf war in der Silvesternacht nicht der einzige Hund, dem beim Feuerwerk die Nerven durchgingen. "Wir hatten in der Nacht elf Einsatzmeldungen wegen entlaufenen oder gefundenen Hunden. Das ist überdurchschnittlich viel", sagt Antje Heymanns, Sprecherin der Kreispolizei Viersen. Die Familie Pilates habe korrekt gehandelt, indem sie die Polizeileitstelle (110) informiert habe. "Man sollte sich in solchen Fällen auch an das Tierheim oder die Ordnungsämter wenden, aber an Feiertagen ist das schwierig", so die Polizei-Sprecherin. Der Anrufbeantworter des Tierheims verweist in dem Fall auf die Rufnummer 02162/ 819-5100, über die der Bereitschaftsdienst der Ordnungsämter verständigt wird.

Dogge Olaf ist jetzt jedenfalls auf dem Weg der Besserung. Eine schlechte Nachricht gab es für die Familie allerdings noch: Gut 3000 Euro kostet die Behandlung des Rüden, der in der Tierklinik noch Blut spuckte und geröntgt wurde. "Bei einer Familie mit drei Kindern hat man das nach Weihnachten nicht eben mal in der Porto-Kasse", sagt Pilates. Eigentlich hatte die Familie ihre Küche neu einrichten wollen. "Unser neuer Kühlschrank steckt nun im Hinterbein unseres Hundes", sagt die 38-Jährige mit Humor. Doch die Nachbarn halfen auch da: Sie riefen zu Spenden auf. Mehr als 300 Euro sind zusammen gekommen. "Die Anteilnahme hat mich echt gerührt. Sogar wildfremde Menschen haben uns geholfen." Jetzt hofft die Familie, dass Olaf keinen Knacks davon trägt. "Wenn er humpeln sollte, können wir damit leben. Aber Hauptsache, er bleibt so lieb, wie er war."

Quelle: RP
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