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Kreis Viersen
Alles lechzt nach Wasser

Kreis Viersen: Alles lechzt nach Wasser
Im Pool halten die Kinder die Hitze gerade am besten aus. Eltern sollten auf Schatten und ausreichend Sonnenschutz achten. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Kreis Viersen. Rettungswagen bringen seit Tagen immer wieder Menschen zum Krankenhaus, die zu wenig getrunken haben. Die Stadt Viersen bittet ihre Bürger, Bäume zu wässern. In Nettetal schmilzt der Straßenbelag. Von Birgitta Ronge

Im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Viersen schnurren die Ventilatoren. Im Neubau sind die Patientenzimmer zwar mit Klimageräten ausgestattet, im Altbau aber nicht. Daher versuche man sich dort mit Ventilatoren und regelmäßiger Belüftung zu helfen, sagt AKH-Geschäftsführer Kim-Holger Kreft. Seit Tagen stellen die Mitarbeiter am AKH fest, dass immer wieder Menschen ins Krankenhaus kommen, die zu wenig getrunken haben. Überwiegend sind es ältere Menschen, die mit Rettungswagen gebracht werden, weil sie dehydriert sind. "Der Durstreiz ist im Alter nicht mehr so stark", erklärt Kreft. Daher achteten die Mitarbeiter darauf, gerade ältere Patienten zum Trinken anzuhalten. Und auch für die Mitarbeiter stelle das AKH Wasser zur Verfügung.

Warum die Hitze für den Körper so gefährlich sein kann, erklärt der Viersener Sport- und Allgemeinmediziner Dr. Michael Fritz. Bei Sport und körperlicher Belastung entsteht im Muskel viel Wärme. Nur ein Viertel der im Muskel freigesetzten Energie kann der Körper in Bewegung umsetzen, drei Viertel der Energie werden in Form von Wärme freigesetzt. Diese Wärme muss der Körper so schnell wie möglich wieder abgeben, weil er sonst überhitzen würde. Seine Lösung: Verdunstung von Schweiß. Durch den Schweiß entsteht Verdunstungskälte auf der Haut, sie hält die Körperkerntemperatur unter normalen Bedingungen bei 38 bis 41 Grad Celsius. Steigt die Temperatur aber auf über 30 Grad Celsius, funktioniert diese Schweißverdunstung nicht mehr so gut. Die Körperkerntemperatur steigt auf über 41 Grad Celsius, der Mensch bekommt Fieber. Der Körper versucht, noch mehr Schweiß zu produzieren - Salzdefizite und Wasserverluste sind die Folge. Fehlt Wasser, wird das Blut dickflüssiger, das Schlagvolumen des Herzens reduziert sich. Der Kreislauf macht das nicht mit: Man bekommt einen Hitzschlag.

23 Gute-Laune-Tipps für heiße Sommertage FOTO: Shutterstock.com/ Maridav

Daher raten Ärzte dazu, viel Wasser zu trinken und anstrengende Tätigkeiten zu vermeiden. Und das auch dann, wenn die Tagesplanung eigentlich etwas anderes vorgibt. Fritz hat als Arzt die Erfahrung gemacht, dass gerade ältere Menschen ihren Pflichten auch bei großer Hitze gern nachkommen möchten - und dann das tun, was sie immer freitags oder samstags tun, auch wenn es viel zu heiß dafür ist. Fritz rät: "Fenster zu, Vorhänge zuziehen und die Hitze aussperren. Und dann die Füße in kaltes Wasser stellen und nichts tun."

Schatten aufsuchen, viel trinken und nichts tun gilt auch für Tiere: Für sie sollte immer eine Wasserquelle zur Verfügung stehen, rät Dr. Erich Genenger vom Kreisveterinäramt. Bei dieser Hitze bleiben Haustiere am besten zu Hause. Genenger rät, die Tiere, insbesondere Hunde, keinesfalls im Auto zu lassen, auch nicht bei offenem Fenster. Für die Tiere auf der Weide wisse der Bauer in der Regel am besten, was ihnen gut tue. Zwar täten die Tiere, die in der Sonne stehen, Spaziergängern oft leid, doch für manches Tier sei es draußen angenehmer als im Stall.

10 kühle Freizeittipps für die Region FOTO: dpa, kjh sab

Auch die Pflanzen leiden unter der Hitze. Die Mitarbeiter der städtischen Betriebe in Viersen wässern derzeit nach Kräften viele Baumscheiben. "Wir kümmern uns insbesondere um junge Bäume im Alter von ein bis drei Jahren, deren Wurzelwerk noch nicht so ausgebildet ist, dass es sich mit Feuchtigkeit aus tieferen Schichten versorgen kann", berichtet Stadtförster Rainer Kammann. Vereinzelt werfen die Bäume schon Laub ab. Die Bäume versuchen so, die Verdunstungsfläche zu verkleinern. Die Stadt bittet Bürger, bei der Bewässerung der Bäume in der Innenstadt zu unterstützen: Schon zehn Liter sauberes Wasser täglich helfen dem Baum. Dass der Wasserverbrauch bei diesen Temperaturen steigt, haben auch die Stadtwerke Nettetal festgestellt. "Normalerweise verzeichnen wir einen Verbrauch von rund 7000 Kubikmeter Wasser am Tag", sagt Prokurist Harald Rothen, "jetzt sind es 8500 Kubikmeter Wasser."

Straßen mit viel Verkehr und einer dünnen Deckschicht beginnen schon, sich aufzulösen. Das Bitumen wird weich und drückt unter der Last der Fahrzeuge nach oben, wo es schmiert und klebend wirkt. Am Donnerstagabend waren Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Nettetaler Bauhofs unterwegs, um etwa die Straße Speck zu nässen und mit Splitt und Steinmehr zu bestreuen. Weitere Streumaßnahmen, zum Beispiel im Speckerfeld, sind für die nächste Woche vorgesehen.

Trotz Hitze gut schlafen FOTO: Shutterstock/Air Images
Quelle: RP
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