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Viersen
Als Alleinerziehende zurück in den Beruf

Viersen: Als Alleinerziehende zurück in den Beruf
Angelique Jorek (32) hat eine Teilzeitstelle gefunden. FOTO: D. Buschkamp
Viersen. Das Jobcenter im Kreis Viersen will mehr Stellen für Alleinerziehende finden. Ein Beispiel: Angelique Jorek aus Viersen. Das langfristige Ziel: Vollzeitstellen sollen die Teilzeitjobs ersetzen. Dadurch können Frauen Altersarmut vermeiden. Von Daniela Buschkamp

Für Angelique Jorek (32) hat sich ihr größter Wunsch bereits vor dem Weihnachtsfest erfüllt. Die alleinerziehende Viersenerin hat nach sechs Jahren Pause wieder Arbeit gefunden: "Ich bin glücklich, wieder in meinem Traumberuf als Gärtnerin arbeiten zu können", sagt die Mutter von Enrico (sieben). Seitdem der Sohn eingeschult und wochentags bis 16 Uhr betreut ist, konnte auch seine Mutter in einen neuen Lebensabschnitt starten. Sie ist tätig als Teilzeitkraft im Familienbetrieb "Gartenglück" von Philipp und Isabel Joeden.

Arbeitslose zurück in Lohn und Brot bringen - das ist eine Aufgabe des Jobcenters im Kreis Viersen. "Zurzeit gibt es rund 14.000 Arbeitslose im Kreis ", erläutert Franz-Josef Schmitz, Geschäftsführer des Jobcenters. Ein Fokus liegt dabei auf den 2.200 Alleinerziehenden. "Viele von ihnen habe eine gute Schulbildung und eine abgeschlossene Ausbildung", sagt Schmitz. Oft scheitere der Wiedereinstieg in den Beruf an einer verlässlichen Kinderbetreuung. Die Konsequenz: Die Alleinerziehenden müssen zuhause bleiben - und sind für den Arbeitsmarkt verloren. Ein typisches Frauen-Problem? "Nicht nur", sagt Anja Loeff (51), Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsplatz des Jobcenters. Zwar seien unter den 2.200 Alleinerziehenden nur 59 Männer, doch diese Zahl steige.

Angelique Jorek hat mehrfach allein versucht, eine Teilzeit-Stelle als Gärtnerin zu finden - ohne Erfolg. Bis sie über das Jobcenter an einer Schulung, einem "Aktiv Center" bei einem Bildungsträger, teilnahm. Dort erhielt sie Hilfe bei der Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Foto sowie bei der Suche nach Stellenangeboten. Die Bewerbungsunterlagen von Angelique Jorek waren ein Punkt, der auch Philipp (51) und Isabel Joeden positiv aufgefallen war: "Sie waren sehr professionell", sagt der Geschäftsführer des Familienbetriebs. Im Jahr 2003 hat der gebürtiger Krefelder und Gärtner-Meister mit seiner Frau das Gartencenter an der Tönisvorster Straße übernommen. Auf rund 5000 Quadratmetern - 500 davon überdacht - werden Pflanzen, Dekorations- und Kreativmaterial verkauft. Neben dem Paar zählen weitere Aushilfen zur Belegschaft - und seit 1. September Angelique Jorek als 30-Stunden-Kraft. Überzeugt hat die beiden Geschäftsführer das Betriebspraktikum der jungen Mutter in ihrem Haus: "Sie ist sehr engagiert, geht gut auf die Kunden ein", schildert Isabel Joeden (43).

"Solche Maßnahmen kosten auch etwas; in Fällen wie dem von Frau Jorek rund 7000 Euro", sagt Franz-Josef Schmitz. Doch die Teilnahme an Wiedereinstiegshilfen zahle sich aus: "Die Erfolgsquote liegt bei 35 Prozent. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen", so der Geschäftsführer des Kreis-Jobcenters. Ein langfristiges Ziel sei es, Teilzeit- in Vollzeitstellen zu verwandeln. "Gerade Frauen, die für die Familie beruflich zurückstecken, droht sonst eine niedrige Rente und die Gefahr der Altersarmut", betont Schmitz.

Ihre Stundenzahl zu erhöhen, das wünscht sich auch Angelique Jorek, sobald Enrico älter und selbstständiger ist. Jetzt freut sie sich erstmal, an jedem Werktag mit ihrem Rad zum "Gartenglück" zu fahren - dorthin, wo sie ihr berufliches Glück gefunden hat.

Quelle: RP
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