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Serie Mein Verein
Als Angler muss man Naturschützer sein

Viersen. Wer dem ASV Netteseen beitritt, verpflichtet sich, mit mindestens fünf Arbeitsstunden im Jahr das Naturgelände pflegen. Dem Traditionsverein — gegründet im Jahr 1932 — gehört ein Baggersee. Drei weitere Seen sind gepachtet Von Jiota Kallianteris

Nettetal Angelfreund muss man sein! Und Naturliebhaber! Die Mitglieder des ASV Netteseen verbindet die Liebe zum Angelsport. Doch darüber hinaus braucht es auch Verständnis für ökologische Zusammenhänge, Naturverbundenheit und das Pflichtbewusstsein, um die Natur aktiv zu pflegen. Eine bestandene Sportfischerprüfung und ein Fischereischein sind außerdem Voraussetzung für eine Aufnahme in den Verein und die Erteilung einer Fischereierlaubnis. "Jeder, der Mitglied bei uns werden möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass er auch Verantwortung für die Natur und die Gewässer übernimmt", sagt Herbert Siegersma, zweiter Vorsitzender des Vereins.

Beim ASV Netteseen kümmert man sich neben dem Angeln intensiv um die Umwelt. Deren Hege und Pflege haben einen hohen Stellenwert. Auch der Jugendabteilung mit ihren 50 Mitgliedern werden diese Werte vermittelt. "Natürlich wird der Gemeinschaftssinn großgeschrieben und wir veranstalten mit den Jugendlichen auch Freizeitaktivitäten, wie die jährliche Sommerfahrt. Doch Gewässer-, Fisch- und Gerätekunde sowie Kenntnisse über Natur- und Tierschutz hinsichtlich Pflege und Ertrag stehen ebenfalls auf dem Programm", erklärt Vereinsgewässerwart Hermann-Josef Riether. Er ist für die Qualität der Gewässer zuständig.

Mittlerweile hat der im Jahr 1932 gegründete Verein 380 Mitglieder, davon fünf aktive Frauen. "Der Liebe wegen bin ich dem Verein beigetreten, um mit meinem Lebensgefährten, der hier seit 48 Jahren Mitglied ist, Zeit und Hobby zu teilen" berichtet Elona Heering. "Ich bin seit einem Jahr aktiv dabei, habe erst den Lehrgang und dann die Fischereischeinprüfung absolviert. Es war eine Herausforderung. Man muss versiert sein in der praktischen Gerätekunde, aber auch Gesetzes-, Gewässer- und Fischkunde stehen auf dem Lernprogramm", so die Angelsportlerin.

Der Verein hat drei Seen von der Fischereigenossenschaft Nettetal gepachtet - den Breyeller See, den Nettebruch und den Windmühlenbruch. Ein Baggersee gehört dem Verein seit 1970er Jahren.

Das Vereinsgelände an der Lobbericher Straße ist idyllisch. "Dort genießen wir die Ruhe", erzählt der zweite Geschäftsführer Hartwig Hören. "Früher gab es das Preisangeln, heute ist es ein Hegefischen", erklärt er. Hören kommt so oft es geht her, um sich eine Auszeit zu gönnen. Darüber hinaus trifft man sich jeden ersten Sonntag im Monat, fachsimpelt, bespricht die nächsten Aktionen oder genießt einfach das Beisammensein. Für das leibliche Wohl r sorgt "die gute Seele" Wolfgang Stellmacher. Er hat die Vereinsküche und -theke im Griff. "Es macht mir Spaß, gemeinsam mit meinen Angelfreunden Zeit zu verbringen", so der 77-jährige rüstige Rentner.

Fragt man nach dem Sinn des Angelns, so erhält man Antworten, die man zunächst nicht erwartet hat. "Mit dem Inkrafttreten des Landesfischereigesetzes im Jahre 1973 haben wir Vereine die Pflicht, einen der Größe und Beschaffenheit des Gewässers entsprechenden artenreichen heimischen Fischbestand zu erhalten und zu hegen. So müssen zum Beispiel Fische mit Untermaß wieder in das Gewässer zurückgesetzt werden", erläutert Siegersma.

Überhaupt haben die Angelsportler die Anzahl und die Gesundheit der Fischarten in ihren Seen im Blick. Wenn sie bemerken, dass der Bestand an heimischen Fischarten bedroht ist, betreiben sie zunächst Ursachenforschung. Ein künstlicher Besatz ist nur zum Ausgleich erlaubt, wenn die natürliche Fortpflanzung der Fische beeinträchtigt ist oder wenn es ein Fischsterben gibt.

Der Vereinskodex besagt, dass jedes Mitglied mindestens fünf Arbeitsstunden im Jahr für die Hege und Pflege des Territoriums zu leisten hat. Dazu gehören Müllbeseitigung, Hecken- sowie Grün- und Angelflächenpflege. "Insgesamt wenden wir über 1.000 Arbeitsstunden jährlich für unsere Umwelt auf", so Herbert Siegersma und fügt hinzu: "Als Angler muss man Naturschützer sein!"

Quelle: RP
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