| 00.00 Uhr

Niederkrüchten
Als Streetworkerin immer unterwegs

Niederkrüchten. Seit knapp zwei Jahren ist Alexandra Jansen in Niederkrüchten als Fachkraft für die mobile Kinder- und Jugendarbeit aktiv. Ihre Zwischenbilanz kann sich sehen lassen. Die Mitglieder des Sozialausschusses waren sehr beeindruckt. Von Jochen Smets

Am Ende der Abwärtsspirale fand sich der junge Mann in einer Niederkrüchtener Obdachlosenunterkunft wieder. Zuhause war er rausgeflogen, hatte Drogenprobleme, keine Tagesstruktur, keine Perspektive. Alleine hätte der 19-Jährige wohl nicht die Kurve bekommen. Er vertraute sich Alexandra Jansen an. Die Sozialarbeiterin ist Fachkraft für die mobile Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde. Sie begleitete ihren Klienten auf Behördengängen, half ihm, Stück für Stück wieder eine berufliche und private Perspektive aufzubauen. Der Zwischenstand ist ermutigend: Der 19-Jährige wird im kommenden Jahr eine Ausbildung beginnen. Bis dahin hat er übergangsweise einen Job gefunden. Nach klärenden Gesprächen ist er ins Elternhaus zurückgezogen.

Viele Stunden und Gespräche hat Alexandra Jansen investiert, um das zu erreichen. Solche Einzelfallhilfen sind Teil ihrer Arbeit - und sicherlich der zeitaufwendigste. Acht jungen Menschen hat die Sozialarbeiterin im vergangenen Jahr auf diese Weise geholfen. Das Problemspektrum reichte von Drogen über Schwangerschaft bis hin zu familiären Problemen. Als Fachkraft für die mobile Kinder- und Jugendarbeit nimmt sie jene Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Blick, die die den organisierten Freizeitangeboten in Vereinen oder Jugendtreffs eher fernbleiben.

Die Zielgruppe ist 14 bis 27 Jahre alt und hält sich eher an so genannten informellen Treffpunkten auf, zum Beispiel dem Lindbruch in Niederkrüchten oder dem Park von Haus Elmpt. Alexandra Jansen geht dahin, wo die Jugendlichen sind - ob nun im öffentlichen oder im virtuellen Raum. Denn soziale Netzwerke wie Facebook oder WhatsApp sind ebenfalls wichtige Plattformen. Darum ist auch Jansen dort präsent.

Die Voraussetzung für ihre Arbeit ist Vertrauen. Das ist keine Sache von ein paar Tagen. Seit dem 1. September 2013 ist Jansen jetzt in der Gemeinde unterwegs - und spürt, dass das Vertrauen wächst. Fast 200 mal war sie im letzten Jahr "draußen", um sich vor Ort mit den Jugendlichen an deren Plätzen zu treffen - 87 mal in Niederkrüchten, 108 mal in Elmpt - klassisches Streetwork. Es geht ihr nicht darum, die Jugendlichen "von der Straße zu holen", im Gegenteil: Sie hält es für wichtig, dass junge Menschen öffentliche Räume für sich entdecken. Dass das nicht immer in trauter Harmonie mit den jeweiligen Nachbarn geschieht, liegt auf der Hand. Alexandra Jansen ist dann aber nicht der verlängerte Arm des Ordnungsamts, sondern eher Moderatorin. Ihre Aufgabe ist es nicht, für Zucht und Ordnung zu sorgen, sondern für ein akzeptables Miteinander. Sie wirbt um Rücksichtnahme bei den Jugendlichen und um Verständnis bei den Erwachsenen. Am Lindbruch zum Beispiel, lange ein Brennpunkt, sei es viel besser geworden, sagte Helga Korth (CDU) im Ausschuss.

Natürlich ist die mobile Kinder- und Jugendarbeit nicht nur problemorientiert. Gemeinsame Aktivitäten und Projekte sind ebenfalls Teil der Arbeit. Ein Beispiel ist die Dirtbikebahn an der Lehmkul, die die Jugendlichen in Eigenregie betreiben und pflegen. Ausflüge, Ferienangebote, erlebnis- und sportpädagogische Aktionen gehören ebenso dazu wie Angebote und Informationen zur Berufsorientierung.

Im neuen Elmpter Jugendtreff, der gerade im Bau ist, wird Alexandra Jansen ein eigenes Büro mit separatem Eingang bekommen. Damit lassen sich die mobile und die stationäre Jugendarbeit noch besser vernetzen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Niederkrüchten: Als Streetworkerin immer unterwegs


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.