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Viersen
Am Bahnhof geht es wieder aufwärts

Viersen: Am Bahnhof geht es wieder aufwärts
Am Viersener Bahnhof geht es aufwärts: Gestern wurd Aufzug 3 repariert, auch die beiden anderen Fahrstühle funktionieren wieder. RP-Archivfoto: BUSCH FOTO: e
Viersen. Rund sieben Wochen standen die Aufzüge am Viersener Bahnhof still. Viele Reisende ärgerten sich und beschwerten sich bei der Bahn. Von Daniela Buschkamp

Rita Barrian ist den Tränen nahe: Die 56-jährige Viersenerin wollte ihren Lebensgefährten Thomas Kreimer in Krefeld besuchen, doch mit ihrem Rollator kam sie gar nicht erst bis zum Gleis am Viersener Hauptbahnhof. Dort sind seit Anfang Juli mit Unterbrechungen immer wieder die drei Aufzüge defekt. Und ohne Aufzug muss Rita Barrian auf die Fahrt verzichten. "Das hat mich sehr belastet", schildert die Viersenerin. Die 56-Jährige kann sich nur mit einem Rollator fortbewegen, weil sie an Arthrose und Rheuma leidet, zudem Schmerzen in Rücken und Hüfte hat. Was ihr Partner nicht verstehen kann: "Warum gibt es in Viersen keine Rampe zu den Gleisen wie in anderen, sogar kleineren Bahnhöfen?"

So wie Rita Barrian geht es seit Anfang Juli auch Senioren, Eltern mit Kinderwagen oder Reisenden, die mit vielen Gepäckstücken unterwegs sind: Sie müssen auf die Aufzüge zum Gleis verzichten. Immer wieder fielen die Fahrstühle aus, mehrfach waren Reparaturen angekündigt. Doch auch diese Ankündigungen, etwa für Anfang August, wurden nicht erfüllt.

Pendler wie Thilo Koch können nicht verstehen, warum sich bei den Fahrstühlen über einen derart langen Zeitraum nichts tut. Er hat schon mehrfach bei der Bahn um Aufklärung gebeten. "Es ist ja nicht das erste Mal, dass die Aufzüge ausfallen. Und am Wochenende zum Jazzfestival sind zudem sehr viele Besucher in der Stadt", sagt der eigentlich begeisterte Bahn-Fahrer. Auch die Festival-Besucher würden sicher einen funktionierenden Fahrstuhl und einen bequemen Weg zum Gleis zu schätzen wissen.

"Ja, wir haben zahlreiche Beschwerden zu den defekten Aufzügen im Viersener Bahnhof erhalten", sagt ein Sprecher der Bahn auf Anfrage.

"Ich kann den Unmut der Passagiere verstehen, die auf die Fahr-stühle angewiesen sind." Er könne nur um "Entschuldigung und Verständnis bitten". Warum sich die Reparatur über mehr als sieben Wochen hinzog: Zunächst hätten Bahn-Mitarbeiter selbst versucht, die Fahrstühle wieder ans Laufen zu kriegen, dann aber doch eine Fachfirma um Unterstützung gebeten. Außerdem seien für Ersatzteile notwendig gewesen, die erst bestellt werden mussten. Ein Spannungswandler, der für einen sicheren Betrieb nötig sei, sei zunächst repariert worden, habe dann aber doch ausgetauscht werden müssen.

Gestern teilte die Bahn mit, dass die Arbeiten am Aufzug 3, der zu den Gleisen 5 und 6 führt, abgeschlossen seien und dass der Aufzug wieder funktionieren würde. Am gestrigen Nachmittag arbeiteten die Fachleute noch am Aufzug 2 (Gleis 3/4), um den Spannungswandler einzubauen. Gestern Abend war auch diese Kabine wieder in Betrieb - ebenso wie der dritte Fahrstuhl.

Die Bahn bietet zudem über ihre Mobilitätshotline Informationen, aber auch Unterstützung zum barrierefreien Reisen mit dem Zug an. "Wer dort anruft, erfährt etwa, auf welchen Bahnhöfen keine Barrierefreiheit besteht und welche Alternative es gibt, um das gewünschte Reiseziel zu erreichen", erläutert der Bahnsprecher.

Rita Barrian dürfte jedenfalls erleichtert sein. Jetzt kann sie wieder zum Gleis - und zu ihrem Freund.

Quelle: RP
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