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Viersen
Am Gängelband von Carmen

Viersen. Das Theater Osnabrück zeigte in der ausverkauften Viersener Festhalle eine lebendige Wiedergabe der beliebten Oper "Carmen" von Georges Bizet Von Heide Oehmen

Schon in der dritten Spielzeit ist die Oper "Carmen" das Highlight im Theater Osnabrück. Das konnten die Besucher beim Gastspiel dieser Bühne in der ausverkauften Festhalle sehr gut nachvollziehen. Regisseurin Adriana Altaras versah die dramatische Geschichte mit teils eigenwilligen, aber in jedem Fall auflockernden Zutaten. Carmen, ist zwar auf Männer fixiert, liebt aber eigentlich nur ihre Freiheit. Sie hat ein Auge geworfen auf den Sergeanten Don José, der zwar seiner Jugendfreundin Micaela zugeneigt ist, sich aber für Carmen fast um den Verstand bringt. Und da ist noch der Stierkämpfer Escamillo.....

Beispielsweise war der Schankwirt Lillas Pastia (Alexandre Pierre) von Anfang bis Ende auf der Bühne und begleitet das Geschehen mit häufig albernen, zumindest aber wenig verständlichen Gesten. Gänzlich befremdlich mutete der Auftritt des klanglich präsenten Kinderchores an, dessen Mädchen während ihres Liedes permanent mit Puderdöschen und Schminksachen beschäftigt waren.

Die runde Spielfläche, eingerahmt mit hohen Holzstangenwänden, wurde im zweiten und dritten Akt fantasievoll aufgelockert - einmal von einem uralten Wohnwagen, der als Lillas Pastias Schänke diente, und im dritten Akt durch ein älteres Cabrio, womit die Schmuggler ihre Ware beförderten (Bühne und Kostüme Etienne Pluss). Musikalisch wurde der Abend - neben dem im Gesamtklang und in den Soli ausgezeichneten, von Daniel Inbal minutiös geleiteten Orchester und dem meist klangvoll agierenden Chor und Extrachor - sowohl von Almerija Delic in der Titelrolle als auch von deren Kontrahentin Micaela bestimmt. Letztere hatte in der Chinesin Lina Liu eine rundum überzeugende Interpretin mit herzerwärmendem und zur freien Höhe hin strahlendem Sopranglanz. Almerija Delic ist eine Carmen wie aus dem Bilderbuch - und das nicht nur darstellerisch. Ihr Mezzo begeisterte warm getönt und ausgeglichen, konnte aber, wenn nötig, auch in Banales abgleiten. Luis Olivaras Sandoval war der wankelmütige Don José mit beachtlichem Tenorglanz ohne Höhenprobleme. Sein Gegenspieler Escamillo hatte in Rhys Jenkins (Bariton) einen etwas ungelenken, aber stimmlich hervorragenden Interpreten. So stimmkräftig wie verschlagen präsentierten sich die Schmuggler Mark Hamman und Daniel Wagner. Sehr spielfreudig mischten Frasquita (Erika Simons mit höhensicherem, etwas scharfem Sopran) und Mercédès (Gabriella Guilfoid mit üppigem Mezzo) die Karten, die Carmen den Tod durch José vorhersagten.

Der Jubel nach dem kurzweiligen Abends zeigte, dass die Osnabrücker in Viersen willkommen sind.

Quelle: RP
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