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Viersen
"Am Krickerhof" ist typisch für den Kreis

Viersen. Das Wohngebiet "Am Krickerhof" in Anrath soll am Projekt "Energetische Quartierssanierung im Kreis Viersen" teilnehmen. Denn die Häuser dort stammen aus den 50er- bis 70er-Jahren, zudem gibt es einen Generationenwechsel Von Marc Schütz

Etwa 240 Menschen leben "Am Krickerhof" in Anrath - vorwiegend in Einfamilienhäusern der 50er- bis 70er-Jahre. Das Alter der Häuser hat zwei Folgen: Zum Einen sind sie naturgemäß energetisch nicht mehr auf dem neuesten Stand, zum Anderen findet in dem Wohngebiet gerade ein Generationenwechsel statt. Aus diesem Grund wurde das Quartier nun ausgewählt, am Projekt "Energetische Quartierssanierung im Kreis Viersen" teilzunehmen. Die Mitglieder des Willicher Umweltausschusses haben in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, einen Förderantrag bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau zu stellen. Wenn sich auch der Kreis Viersen und weitere Förderer wie lokale Versorger oder Banken und Sparkassen beteiligen, läge der Eigenanteil der Stadt Willich bei rund 6700 Euro.

Die Bewohner des Krickerhofs können aufatmen: Natürlich werde niemand gezwungen, energetische Sanierungen vorzunehmen, betonte Willichs Technische Beigeordnete Martina Stall. Zunächst geht es darum, Erkenntnisse zu gewinnen, die später möglichst auch auf andere Wohnquartiere in Willich und im Kreis Viersen übertragen werden sollen. Sieben von neun Städten und Gemeinden im Kreis hatten insgesamt 16 Quartiersvorschläge eingereicht, fünf davon wurden als besonders vielversprechend für eine erste Pilotphase eingestuft. Neben "Am Krickerhof" in Anrath, das das kleinste der Pilotquartiere ist, sind dies die Quartiere "Beethovenstraße" in Brüggen, "Oberkrüchten" in der Gemeinde Niederkrüchten, "Waldnieler Heide" in Schwalmtal und "Süchteln-West" in der Stadt Viersen.

Die Bausubstanz im Kreis Viersen ist in vielen Teilen durch Gebäude der Nachkriegszeit geprägt. Etwa 40 Prozent wurden zwischen 1950 und 1979 errichtet. Die dominierende Wohnform sind die Ein- und Zweifamilienhäuser. Mittlerweile sind jedoch viele Einfamilienhausgebiete durch eine zunehmende Überalterung der Bewohner gekennzeichnet. "Mittelfristig sind deshalb zahlreiche Veräußerungen von Immobilien zu erwarten. Demgegenüber stehen vielfältige Schwächen im baulichen Bestand, so zum Beispiel durch nicht mehr zeitgemäße Grundrisse oder Sanierungs- beziehungsweise Modernisierungsrückstände vor allem im energetischen Bereich", heißt es in einer Stellungnahme der Willicher Stadtverwaltung.

Kreisverwaltung und Planungsämter der Städte und Gemeinden haben sich zusammengesetzt und festgestellt, dass die demografische Entwicklung im Kreis Viersen (konstante Bevölkerungszahl, Verschiebung der Altersstruktur, veränderte Lebensstile mit dem Trend zu kleinen Haushaltsgrößen mit ein bis Personen) sich noch nicht auf den Grundstücksmarkt im Kreis Viersen auswirkt. Es zeige sich vielmehr, dass die Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern aufgrund der guten Lage zu den Ballungsräumen und wegen des derzeit günstigen Zinsniveaus ungebrochen oder sogar weiter steigend ist.

Dennoch will man nicht die Hände in den Schoß legen, sondern alte Wohnquartiere zukunftsfähig weiterentwickeln - und Wettbewerbsnachteilen gegenüber Neubaugebieten entgegenwirken.

Ein vielversprechender Ansatz ist hierbei für die Kommunen im Kreis Viersen das Förderprogramm der energetischen Stadtsanierung. Das Programm wird aufgelegt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Bausteine der energetischen Stadtsanierung sind die Erstellung von energetischen Konzepten für ein oder mehrere Quartiere sowie die hierauf aufbauende Einrichtung eines Sanierungsmanagements. Beide Bausteine werden von der KfW zu jeweils 65 Prozent gefördert.

Aufbauend auf einer Ausgangsanalyse werden energetische Leitbilder und Ziele mit konkreten Maßnahmen und Kostenbetrachtungen sowie Vorschlägen zur Mobilisierung der Akteure vor Ort entwickelt. Ein für drei Jahre zu installierendes Sanierungsmanagement soll die Umsetzung des energetischen Quartierskonzeptes, die Aktivierung und Vernetzung der Akteure sowie die Koordination und Kontrolle der Maßnahmen gewährleisten. Darüber hinaus steht es den Bewohnern für Fragen zur Finanzierung und Förderung von Maßnahmen zur Verfügung.

Quelle: RP
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