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Brüggen
An Brüggener Schulen werden Lehrer für Flüchtlinge gesucht

Brüggen: An Brüggener Schulen werden Lehrer für Flüchtlinge gesucht
FOTO: NN
Brüggen. Zusätzliche ausgeschriebene Stellen können bisher nicht besetzt werden. Lehrer fühlen sich von der Situation teilweise überfordert. Von Birgit Sroka

Für den Unterricht von schulpflichtigen Flüchtlingen wurden für Nordrhein-Westfalen 1200 Lehrerstellen eingerichtet, teilte Dr. Thomas Mohr von der Schulaufsicht des Kreises Viersen im Schulausschuss mit. Doch die Besetzung der Stellen gestaltet sich schwierig. In den Brüggener Schulen werden Kinder und Jugendliche aus Albanien, Afghanistan, Irak, Iran, Libyen, Portugal, Syrien, Serbien, Rumänien, Griechenland, Polen, Tadschikistan, Holland, Sri Lanka und Russland unterrichtet.

Die Schulleiter berichteten in der Ausschusssitzung, wie der Schulalltag von Flüchtlingen ohne deutsche Sprachkenntnisse an den Brüggener Schulen aussieht. Claudia Nölkes, Rektorin der Grundschule Born, sagte, dass die Zahl der Kinder, die eine besondere Unterstützung brauchen und teils noch mit einer zweiten Person am Unterricht teilnehmen, zunimmt. Das Kollegium sei verunsichert, "wo das noch hingeht".

Heinz Houbertz, Schulleiter der katholischen Grundschule in Bracht, sprach von Flüchtlingseltern, "die plötzlich im Büro stehen" und ihr Kind anmelden wollen. Da würde die Kommunikation im Vorfeld nicht optimal laufen.

In der Brüggener Kreuzherrenschule sei die Personalsituation völlig unbefriedigend, machte deren Schulleiterin Rosemarie Rüther deutlich. "Wir fühlen uns überfordert. Das komplette Kollegium hat einen Tag eine Fortbildung gemacht. Wir brauchen Zeit und Gelassenheit. Nichtsdestotrotz brauchen wir auch Personal."

Positives berichtete Wolfgang Jöres, Schulleiter der Gesamtschule. 16 Schüler unterschiedlicher Nationalitäten werden dort unterrichtet. Mit 29 und 30 Schülern in der Klasse sei die Schule aber an der Höchstgrenze angekommen. Die sogenannten "Null-Sprachler" - Schüler ohne Deutschkenntnisse - werden in einer Seiteneinsteigergruppe unterrichtet. Dort sei das Spektrum sehr unterschiedlich: Neben Analphabeten gebe es auch Teilnehmer, die gut Englisch sprechen können. Nach drei Wochen erhalten sie zumindest Unterricht im Klassenverband in Sport, Kunst und Musik.

"Da kommen wir irgendwann aber auch räumlich nicht mehr klar", warnt Jöres. Man würde keine 34 Schüler in einer Klasse unterrichten können. Die Gesamtschule habe durch die neu eingerichteten Stellen auch eine neue Kollegin erhalten. Dr. Thomas Mohr lobte, dass das Bemühen und der gute Wille an allen Schulen sichtbar seien. "Die Stellen sind zwar ausgeschrieben, aber Kräfte, die die Qualifikation haben, sind nicht vorhanden." Die Schwerpunkte sollen laut Mohr auf die gezielte Sprachförderung der Schüler außerhalb der Klassen und auch in der Klassenintegration liegen. "Man muss sich gemeinsam dazu kreativ auf den Weg machen", sagt er. "Nur ausgebildete Lehrkräfte mit dem zweiten Staatsexamen können sich auf die ausgeschriebenen Stellen bewerben. Jetzt wird in Düsseldorf überlegt, ob man das auch für andere Bewerber ausschreibt."

Auch Schulleiter Houbertz bestätigt die Schwierigkeiten, Lehrer zu finden. "Wir haben eine Stelle das zweite Mal ausgeschrieben, weil sie nicht besetzt werden konnte." Auch Ehrenamtler unterstützen in der Brachter Grundschule im Unterricht. Wilfried Bouscheljong, Leiter des Bildungsbereiches bei der Gemeindeverwaltung, erinnerte an die Idee, mit den Nachbarkommunen eine dezentrale Auffangklasse zu bilden. "Dazu müssten die abgebenden Schulen aber auch Personal stellen, was den Schulen nicht möglich ist." Mohr bemühte sich, die Schulleiter zu beruhigen: "Wir versuchen auch, die Situation zu verbessern, aber versprechen kann ich aufgrund der Personalsituation auf dem Markt nichts."

Quelle: RP
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