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Schwalmtal
Anwohner klagen über Raser

Schwalmtal: Anwohner klagen über Raser
Günther Laufenberg und Gaby Grün wohnen an der Gladbacher Straße in Waldniel. In den vergangenen Jahren habe der Verkehr dort deutlich zugenommen, sagen sie. Und viele Fahrer hielten sich nicht an Tempo 50. FOTO: Jörg Knappe
Schwalmtal. Auf der Gladbacher Straße in Waldniel gilt Tempo 50. Daran hielten sich aber viele nicht, sagen Anlieger. Sie wünschen sich eine Verkehrsberuhigung, ohne um ihre eigenen Autos fürchten zu müssen oder beschimpft zu werden Von Birgitta Ronge

Seit 23 Jahren wohnen die Grüns an der Gladbacher Straße in Waldniel. In den vergangenen Jahren habe der Verkehr deutlich zugenommen, sagt Gaby Grün (59): "Klar, die Neubaugebiete sind hinzugekommen, das Industriegebiet wächst. Und im Zeitalter der Navis ist es wohl so, dass die Lkw hier durchkommen. Die brettern zum Teil nachts in einer Tour hier durch. Bei offenem Fenster kann man gar nicht schlafen." Günther Laufenberg (55), seit drei Jahren ebenfalls Anwohner der Gladbacher Straße, bestätigt Grüns Einschätzung. Und nicht nur der Verkehr habe zugenommen, sagen die beiden. Viele Fahrer hielten sich nicht an das Tempolimit von 50 Stundenkilometern - vielleicht deshalb, weil sie die Zeit wieder reinholen wollen, die sie zuvor in der Tempo-30-Zone auf der St.-Michael-Straße verloren haben, oder weil sie an der Ampel an der Ortseinfahrt so lange warten mussten. "Für viele ist es wunderbar, hier runterzubrettern", sagt Gaby Grün.

Laufenberg berichtet, dass sein Vater, der mit im Haus lebe, mal gezählt habe: "14 Autos schaffen eine Ampelphase. Wenn die in einem Schub in den Ort kommen, hat man keine Möglichkeit, die Straße zu überqueren." Gaby Grün, deren Mutter bei ihr im Haus lebt, bestätigt das: "Es dauert irre lang, bis man eine Lücke gefunden hat." Auch für Tiere sei die Fahrbahn lebensgefährlich: "Wir haben hier insgesamt drei Katzen verloren", sagt Gaby Grün. "Die letzte Katze hat immer nach links und rechts geguckt, bevor sie die Straße überquerte. Nur einmal nicht."

Vor drei Jahren wurde an der Einmündung der Gerhard-Peters-Straße in die Gladbacher Straße eine Geschwindigkeitsmessung durchgeführt, weil Anwohner Tempo 30 gefordert hatten. Eine Woche lang wurden dort die Fahrzeuge gezählt, Fahrräder ebenso wie Autos, Transporter und Lkw, insgesamt 13.656. Dabei wurde festgestellt, dass nur wenige Fahrzeuge schneller als 50 fuhren, die höchste gemessene Geschwindigkeit lag bei 59 km/h. Und das ist der Haken: Den Bereich zwischen 51 und 59 km/h werte die Straßenverkehrsbehörde beim Kreis Viersen als Toleranzbereich, erklärt Kreissprecher Markus Wöhrl. Sollten zehn Prozent der Fahrer diesen Toleranzbereich überschreiten, "dann muss man überlegen, was man machen kann", sagt Wöhrl. Dafür müsse aber erst die Geschwindigkeit gemessen werden. Und damit eine Messstelle eingerichtet wird, müssten sich Anwohner zunächst beschweren. Seit 2014 seien beim Kreis Viersen aber keine Beschwerden von Anwohnern der Gladbacher Straße eingegangen. Sie könnten sich beim Kreis schriftlich beschweren und auch Vorschläge machen, was man tun könnte.

Ihre Autos am Fahrbahnrand parken wollen die Anwohner jedenfalls nicht mehr. Damals sei den Anwohnern dazu geraten worden, nachdem man festgestellt hatte, dass Tempo 30 an der Hauptverkehrsstraße nicht eingerichtet werden könnte, erinnert sich Joachim Stuwe von der Gemeindeverwaltung Schwalmtal. Stattdessen wurden Halteverbotsschilder entfernt, seither können Fahrzeuge am Fahrbahnrand abgestellt werden. "Das nimmt die Geschwindigkeit deutlich raus", so Stuwes persönliche Einschätzung.

Die Anwohner hingegen haben mit dem Parken am Fahrbahnrand viele negative Erfahrungen gemacht. "Das machen wir nicht mehr", sagt Gaby Grün. Nicht nur, weil sie Angst habe, dass ihr jemand gegen den geparkten Wagen fahre, und offensichtlich wütende Autofahrer hupend an ihrem Wagen vorbeifahren würden, nein: "Es haben schon Autofahrer bei uns geklingelt, um uns zu sagen, das sei eine Unverschämtheit, dass wir da parken."

Einen konkreten Wunsch haben die Nachbarn nicht, aber Ideen. "So ein Blitzer, der immer da steht", sagt Gaby Grün, "der wäre super. Ich glaube, der würde viele davon abhalten, zu schnell zu fahren." - "Oder kleine Einbuchtungen", fügt Laufenberg hinzu. "Man müsste auch überlegen, ob man irgendwo einen Fußgängerüberweg machen kann", sagt er, "zum Beispiel an der Einmündung zur Goethestraße. Da gehen ja auch Schulkinder." Er hofft, dass sich die Behörden nun der Sache annehmen: "Vielleicht kann man ja einfach mal überlegen, was machbar ist, und nicht sagen: ,Gut, das ist jetzt halt so.'"

Quelle: RP
 
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