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NiederkrÜchten
Arbeiten im Einklang mit der Natur

NiederkrÜchten: Arbeiten im Einklang mit der Natur
Vater Willi und Sohn Simon Bolten auf dem Weißkohl-Feld. Neben dem Feld wurde ein Blühstreifen angelegt, der vielen Insekten eine Heimat bietet. Sie bekämpfen Schädlinge auf dem Kohl auf natürliche Weise. FOTO: Franz-Heinrich Busch
NiederkrÜchten. Auf dem Bio-Bauernhof Bolten in Dam wird der Hofladen 30 Jahre alt. Das wird morgen groß gefeiert. Die nächste Generation setzt die Arbeit fort und sucht weitere Mitstreiter für den ökologischen Anbau von Lebensmitteln Von Manfred Meis

Willi Bolten holt die Lupe aus der Tasche, um sich das etwa acht Millimeter lange, hellviolette Tierchen auf der Unterseite des Kohlblattes näher anzuschauen. Er muss passen: "Ich weiß nicht, was das sein könnte." Weil er es bisher noch nie gesehen hat, wird es wohl kein Schädling sein. Denn mit denen kennt er sich aus - wie mit Blattläusen an einem anderen Kohlblatt. Aber er ist beruhigt, denn zwischen ihnen liegen, wie unter der Lupe zu erkennen ist, zwei braune Tiere, angestochen von der Schlupfwespe. "Die bald schlüpfenden Schlupfwespen werden die Blattläuse vertilgen", erklärt er am Rande des Feldes zwischen Oberkrüchten und Meinwegwald. Dort zieht ein GPS-gesteuerter Trecker mit neun Meter breiter Auslage kleine Furchen in die Reihen, um "Unkraut" unterzugraben. "Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie", ist das Credo des 65-Jährigen, der vor 32 Jahren zum Bio-Bauern wurde.

Pflanzendüngung und Schädlingsbekämpfung sind das A und O in der Landwirtschaft. Für sein System "Nützlinge gegen Schädlinge" legte Bolten an zahlreichen Feldrändern Blühstreifen an mit Kornblumen, Klatschmohn und Pfefferminze, wie man sie in den ersten Nachkriegsjahren überall sah. "Und wir düngen mit Klee", erläutert er bei der Fahrt vorbei an großen Feldern. Allerdings verschwindet der Klee (vier Ernten im Jahr) zunächst einmal in der Biogasanlage ("Eiserne Kuh"), ehe der Rest dann auf den Feldern ausgebracht wird. Denn Stickstoff braucht jede Pflanze. "Gülle ist dafür an sich nicht schlecht", sagt er, "doch wird zu viel davon verteilt."

Eigentlich wollte der Landwirtssohn Bolten Lehrer werden und hatte deshalb Sozialwissenschaften und Sport studiert. Doch nach dem Unfalltod seines älteren Bruders sprang er ein und wirtschaftete auf dem Hof in Dam auf 20 Hektar konventionell weiter: "Wir sind im Unkraut ertrunken." Viermal spritzen im Jahr - das war zu viel. Und so schwenkte er 1985 mit seiner Frau Gaby Leick, einer Agraringenieurin, radikal um und machte "auf Bio", von den Berufskollegen ringsum belächelt. Doch schon zwei Jahre später lohnte es sich, in der recht geräumigen Garage einen Hofladen einzurichten. Dieser Hofladen ist heute Büro mit vielen Ordnern und zwei Buchhaltungsarbeitsplätzen. Der Hofladen wuchs im Laufe der Zeit in einem neuen Gebäude auf 220 Quadratmeter mit rund 2200 Artikeln. Von Kartoffeln und Kohl bis hin zu Käse, Fleisch, Wein und Kosmetik ist alles "bio".

Schritt um Schritt wuchs auch die bearbeitete landwirtschaftliche Fläche auf nun 200 Hektar, eigener Besitz und auch gepachtet. "Wir suchen händeringend weitere Flächen, denn die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt", hat Bolten in den vergangenen Jahren festgestellt. Da kommt ihm eine Kooperation mit dem Landwirt Walter Michiels gerade recht, denn dann könne man auch mal Flächen tauschen, wie das in den benachbarten Niederlanden inzwischen gang und gäbe sei. Das hat Sohn Simon vor einigen Tagen auf einer Studienreise erfahren. Vor zweieinhalb Jahren ist der 30-jährige Wirtschaftsingenieur bei seinen Eltern eingestiegen, "weil ich etwas Sinnvolles tun und selbstständig arbeiten wollte".

"Learning by doing" heißt für ihn die Devise im Bereich Bio-Landwirtschaft, während er gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit des Maschinenparks (allein sieben Traktoren mit GPS) und der Investitionen in Gebäude im Blick hat.

Bio-Bauer Bolten beschäftigt inzwischen 15 Mitarbeiter das ganze Jahr über sowie rund 25 Saisonkräfte. Geliefert wird Braugerste nach Maastricht (Gulpen), Gemüse an Frostereien und an die Supermarktkette Edeka, Rot- und Weißkohl an Industrieverarbeiter (bis nach Österreich), Spinat gar bis in die USA. Auf rund zwei Hektar nah am Hof baut Bolten die 20 Salat- und Gemüsesorten und Kartoffeln an, die er - jeden Tag frisch geerntet - im Hofladen anbietet. Im Herbst gibt es auch wieder Kürbisse, kleine und große.

Das Angebot schätzt eine zunehmende Zahl von Stammkunden, lange Zeit meist älteren Jahrgangs. "Inzwischen finden aber immer mehr jüngere Leute den Weg zu uns", hat Hofladen-Leiterin Barbara Plotke festgestellt. Sie ist die beste Kennerin von rund 70 Sorten Käse von Schaf, Ziege und Kuh - alle bio-gefüttert.

Quelle: RP
 
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