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Schwalmtal
Archäologen legen Reste alter Kirche frei

Schwalmtal: Archäologen legen Reste alter Kirche frei
Unter dem Boden der Kirche St. Anton ruhen die Fundamente eines Vorgängerbaus. Wie alt er genau ist, weiß man noch nicht. FOTO: Jörg Knappe
Schwalmtal. St. Anton in Amern wird zur Grabeskirche umgebaut. Bevor sie einen neuen Boden bekommt, untersuchen Fachleute jetzt den Untergrund. Sie haben Fundamente eines deutlich älteren Gotteshauses gefunden Von Birgitta Ronge

Langsam zieht Katja Oehmen eine Schutzfolie beiseite und gibt den Blick frei auf die Fliesen, die darunter liegen. Es sind gebrannte Lehmfliesen, in Rot und Blau getönt und im Schachbrettmuster verlegt. Auf einer Fläche von etwa anderthalb Quadratmetern lässt sich erahnen, wie der Boden in der Kirche im 15. Jahrhundert einmal ausgesehen haben muss.

Doch es geht noch weiter zurück in der Geschichte. Das Gotteshaus wird derzeit zur Grabeskirche umgebaut. Nach dem Entwurf des Architekten soll die Grabeskirche einen hellen Boden erhalten. Dafür wurde in den vergangenen Tagen zunächst der Boden aus Steinfliesen und Holz, auf dem die Kirchenbänke standen, entfernt. Jetzt sind die Archäologen am Zug: Sie untersuchen den Untergrund, um möglichst viel über die Geschichte der Kirche zu erfahren, bevor der neue, helle Boden verlegt wird.

Im Inneren des Kirchenraumes, zwischen den Säulen, haben die Mitarbeiter des archäologischen Baugrundbüros ABS aus Köln Fundamente freigelegt, die einst einen Vorgängerbau der heutigen Kirche trugen. Es sind niedrige Mauerreste, die aus unterschiedlichen Materialien bestehen: aus Tuffstein, grobem Kies und Resten römischer Dachziegel. "Im Mittelalter hat man häufig römisches Baumaterial wiederverwendet", erklärt Archäologin Oehmen. "Man hatte es übrig und hat es verbaut."

Der Blick auf die freigelegten Fundamente zeigt, dass dieser Vorgängerbau viel kleiner war als das heutige Gotteshaus. Die Mauern der alten Kirche standen ungefähr dort, wo heute die Säulen im Kirchenraum stehen. Der Altarraum endete vor dem heutigen Altarraum, der Kircheneingang befand sich einige Meter hinter dem heutigen Portal. Wann der viereckige Saalbau errichtet wurde, weiß man nicht. Die Archäologen hoffen, Scherben zu finden: "Keramik ist interessant, weil wir sie gut datieren können", sagt Oehmen. Doch noch habe man nicht viel gefunden, die nächsten Tage könnten zu weiteren Erkenntnissen führen. Denn im Innenraum der Kirche ist noch viel zu tun. "Die Fundamente wurden durch den Bagger grob freigelegt, jetzt kommt der Dreck runter", sagt Oehmen. Die Mitarbeiter - neben Archäologen sind das Techniker, Zeichner und Helfer - bürsten vorsichtig losen Sand von den Steinen. Und finden so mit Glück Teile eines Puzzles, das zusammengesetzt mehr über die Geschichte der Kirche verrät.

1491 wurde über dem Vorgängerbau eine dreischiffige Basilika errichtet - aus dieser Zeit stammen vermutlich auch die Fliesen, die im Schachbrettmuster auf dem Boden verlegt wurden. Die Basilika war nicht ganz so groß wie die heutige Kirche, aber schon deutlich größer als der Vorgängerbau. Die neue Kirche hatte zunächst nur einen großen Turm im Westen. Ende des 19. Jahrhunderts stürzte er ein. An seiner Stelle errichtete man die Doppelturmfassade - mit ihren Doppeltürmen ist die Kirche St. Anton heute von weitem gut zu erkennen. In einem der Türme fanden die Arbeiter übrigens noch eine Überraschung: Als sie eine Wand öffneten, fanden sie eine Grotte mit einer Nische, wie man sie etwa aus Mönchengladbach-Hehn kennt. Vermutlich stand einst die Figur eines Heiligen, vielleicht eine Skulptur der Muttergottes, darin.

Für Freitag haben sich nun Mitarbeiter des Amts für Bodendenkmalpflege angekündigt, um die Funde zu begutachten. Dann erst wird entschieden, inwiefern die alten Fundamente konserviert werden müssen und wie der neue Boden verlegt werden muss. Gebeine, die an der Nordseite gefunden wurden und die Oehmen zufolge möglicherweise aus dem Hochmittelalter stammen, sollen später erneut in der Kirche beigesetzt werden.

Quelle: RP
 
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